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Zuschauer in Frankfurt : Mehr Wetterau wagen bei der Eintracht

Rückkehr ins Stadion: Ende August sahen 22.000 Fans die Partie gegen den FC Augsburg. Bild: Imago

Das Frankfurter Gesundheitsamt hat der Eintracht 25.000 Zuschauer pro Heimspiel genehmigt. Der Klub rechnet zwar mit einem ausverkauften Haus, doch der Weg aus der Krise ist noch weit.

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          Volles Haus in Frankfurt? Man muss weit zurückschauen, um eine prall gefüllte Fußball-Arena zu entdecken. 2. November 2019: Als sich die Eintracht an jenem Samstagnachmittag anschickte, den FC Bayern München in einem furiosen Spiel dank der Tore von Filip Kostic, Djibril Sow, David Abraham, Martin Hinteregger und Gonçalo Paciência 5:1 zu besiegen, waren bis dato letztmalig 51.500 Zuschauer bei einem Bundesligaspiel in Frankfurt.

          Bundesliga

          An diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) rechnen sie wieder mit einem vollen Haus in Frankfurt. Doch in Corona-Zeiten unter anderen Vorzeichen. Das Frankfurter Gesundheitsamt hat dem Klub, der mit seinem piekfeinen Proficamp tatsächlich „Im Herzen von Europa“ residiert, eine Kulisse von maximal 25.000 Zuschauern genehmigt.

          Ein halbes Haus ist das neue volle Haus. Und dabei ist noch nicht einmal sicher, dass die Arena gegen den VfB Stuttgart auch wirklich derart ausgelastet sein wird. „Wir rechnen damit, dass wir ausverkauft sein werden“, teilte ein Sprecher der Eintracht vor dem Duell mit den Schwaben mit. Zahlen über schon verkaufte Tickets wollte der Klub nicht nennen.

          Kämpfen um Zuschauer

          Schon als es losging in dieser neuerlichen Saison unter Corona-Bedingungen waren die Eintracht-Verantwortlichen überaus optimistisch. Doch als Kassensturz gemacht wurde, standen nach der Partie gegen den FC Augsburg nur 22.000 Zuschauer in den Büchern.

          Die Bundesliga zieht nicht mehr wie sonst. Selbst in Frankfurt, jahrelang ein Magnet für ausverkaufte Spiele, hat ein Umdenken eingesetzt. Axel Hellmann, Sprecher des dreiköpfigen Eintracht-Vorstands, musste unlängst auf dem Branchenkongress SPOBIS in Düsseldorf eingestehen, „dass wir vom hohen Ross absteigen und versuchen müssen, die Menschen vor unserer Haustür anzusprechen“.

          Hellmann hat ein feines Gespür für das entwickelt, was auf die Bundesliga und die Eintracht zukommen kann. Schon vor dem Start in eine neuerliche Spielzeit voller Unwägbarkeiten benutzte der Frankfurter Vorstandssprecher die Formel, die er jetzt auf Europas größtem Sportbusiness-Event erneuerte: „Wir müssen wieder in die Dörfer und nicht nach Asien, um dort die Fans abzuholen. Mehr Wetterau, weniger Asien.“

          Weiter Weg aus der Krise

          Für den 50 Jahre alten Eintracht-Manager ist das schwindende Interesse kein Zufall. An den ersten Spieltagen waren mehrere Bundesligastadien nicht voll ausgelastet. „Wir müssen wieder raus zu den Menschen. Viel mehr, als wir das in den letzten Jahren gemacht haben“, sagte Hellmann. Er sprach darüber hinaus von „gravierenden Corona-Folgen“ für den Fußball, die enormen Druck auf die Bundesliga ausüben: „Der Weg zurück aus der Krise ist viel weiter, als wir denken.“

          Gegen Augsburg vor drei Wochen gab es deshalb die konzertierte Aktion mit seinen Vorstandskollegen Markus Krösche und Oliver Frankenbach, die gemeinsam mit Präsident Peter Fischer und Aufsichtsratschef Philip Holzer den Zuschauern klatschend für ihren Besuch dankten. „Wir wollen zeigen, wie wichtig es ist, dass ihr alle da seid“, sagte Hellmann in Richtung der Fans.

          Axel Hellmann hat noch Ziele mit der Eintracht vor Augen.
          Axel Hellmann hat noch Ziele mit der Eintracht vor Augen. : Bild: dpa

          Egal, ob gegen den VfB nun 22.000 oder vielleicht doch 25.000 Zuschauer kommen und so für ein volles Haus unter neuen Vorzeichen sorgen: Für die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner ist die Partie von großer Bedeutung. Der erste Saisonsieg soll glücken. Zudem rücken mindestens zwei Personalien in den Fokus. Wie schlägt sich Filip Kostic? In welcher Verfassung präsentiert sich Rafael Borré?

          Der Serbe Kostic, im Normalzustand auf der linken Außenbahn ein verlässlicher Flankengeber mit großer Torgefahr, kann gegen seinen alten Klub VfB zeigen, dass seine als Entschuldigung für das geschwänzte Spiel in Bielefeld angeführten psychischen Probleme nur temporärer Natur waren.

          Beim Kolumbianer Borré wird mit Interesse zu beobachten sein, ob sich die konzertierte Aktion einiger europäischer Vereine auszahlt, ihre Spieler aus Südamerika einzufliegen. Eigentlich nämlich würde der Stürmer erst am Samstagabend von seiner Nationalmannschaft kommend in Frankfurt eintreffen. Fraglich, ob Borré nur wenige Stunden später über die Frische verfügt, um gegen Stuttgart sein erstes Saisontor zu schießen.

          Doch es gibt Anlass zu Hoffnung, denn mit einer eigens gecharterten Maschine wird Borré schon am Freitag wieder in Frankfurt sein. Für Trainer Glasner ergeben sich dadurch neue Optionen, denn er kann auch sofort auf Neuzugang Sam Lammers zurückgreifen. Vor vollem halbem Haus?

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