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Deutsche Fußball Liga : Hellmann bohrt jetzt dicke Bretter

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Neu im DFL-Präsidium: Axel Hellmann, der Vorstandssprecher der Eintracht. Bild: IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann wird auf der DFL-Generalversammlung bei zwei Gegenstimmen ins Präsidium gewählt. Ein anderer Frankfurter verpasst die Stimmenmehrheit in seiner Wahl.

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          Einstimmig gewählt worden ist Axel Hellmann, der Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, am frühen Mittwochnachmittag bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in den Dortmunder Westfalenhallen nicht. Er bekam nur 16 der 18 Stimmen aus der für die Wahl zuständigen Teilversammlung der ersten Bundesliga. Der 1. FC Köln und die TSG 1899 Hoffenheim votierten nicht für Hellmann, der erstmals ins Präsidium der DFL gewählt wurde.

          Bundesliga

          Der Jurist nahm die auch so noch eindeutige Wahl „gerne an“ und versprach tätige Mithilfe beim „Bohren dicker Bretter“, die der Ligavormann Hans-Joachim Watzke, der stellvertretende Sprecher des DFL-Präsidiums und DFL-Aufsichtsratsvorsitzende, beim Blick auf die künftigen Aufgaben der DFL angekündigt hatte.

          Nicht gewählt wurde der Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach als einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden des Lizenzierungsausschusses, da er die erforderliche Stimmenmehrheit verfehlte. Der Präsident des Zweitligaklubs Darmstadt 98, Rüdiger Fritsch, vom Präsidium in den Aufsichtsrat der DFL gewechselt, wurde mit einem deutlichen Votum seiner Wähler aus den beiden Bundesligen ausgestattet.

          Was Hellmann schon immer ausgezeichnet hat, ist seine Zielstrebigkeit, seine Beharrlichkeit und sein Mut, auch mal Strukturen aufzubrechen und im Zweifel groß zu denken. Das ist nicht immer und überall auf Gegenliebe gestoßen – spürbar und sichtbar an der latenten Gegensätzlichkeit zwischen dem konservativen früheren Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und dem 2012 nach elf Jahren in leitenden Funktionen im e.V. des Klubs in den Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG gewechselten Rechtsanwalt Hellmann. Er steht seit dem vorigen Jahr als Vorstandssprecher an der Spitze des hauptamtlichen Führungspersonals dieses inzwischen 110.000 Mitglieder zählenden deutschen Großvereins.

          „Das war nie ein Karriereziel von mir“

          Hellmann, seit nun schon 21 Jahren eine treibende Spitzenkraft in dem Klub, hat bei der Verfolgung seiner Ziele angesichts von gelegentlichen Widerständen nie weiche Knie bekommen. Für die Eintracht arbeiten zu können, ist für den in Würzburg geborenen und in Frankfurt aufgewachsenen großen, breitschultrigen Mann ein „Traum“. In der Führungsmannschaft der DFL von nun an mitgestalten zu können, ist ihm dagegen eine Ehre, nach der er nicht konsequent gestrebt hat.

          „Das war nie ein Karriereziel von mir“, sagt er über seine neue Zukunftsaufgabe, die er mit seinem ökonomischen und juristischen Know How angehen wird. Dringliche Gegenwarts- und Zukunftsfragen wie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga, der Ausbau der Infrastruktur in der Liga, Digitalisierung oder eine womöglich neue Medienplattform der DFL sind die Themen, bei denen auch Hellmanns Expertise gefragt sein wird. Er selbst beschreibt sich als „immer dem Fortschritt verpflichtet“.

          Eine der wichtigen Fragen, die Axel Hellmann seit langem beim Blick auf andere europäische Topligen umtreibt, lautet: „Wie kann ich die Bundesliga im Ausland interessanter machen?“ Eine Antwort darauf lautet nach seiner festen Überzeugung so: „Wir müssen es wieder schaffen, die Besonderheiten, die uns auszeichnen, sichtbar zu machen: volle Stadien, tolle Atmosphäre, günstige Preise, Fannähe.“

          Der Verfechter der 50+1-Regel und Sympathisant einer zumindest schon mal ins Auge gefassten Investorenbeteiligung an den Zukunftsaufgaben der DFL sagt aber auch: „Wir müssen Wachstumslösungen finden, von denen alle, Zweitligisten wie Topklubs, profitieren, denn wir müssen auch denen, die nach uns kommen, eine Liga übergeben, die in jeder Hinsicht wettbewerbsfähig ist.“

          Hellmann als rastloser Dynamiker

          Hellmann hat daheim in Frankfurt einiges dazu beigetragen, dass die Eintracht ein neues Domizil in unmittelbarer Nähe zum Stadion beziehen konnte und dass die Arena am Stadtwald bis zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft 2024 von 51.500 auf 60.000 Plätze ausgebaut wird.

          Dass der Herzensklub des Managers mit Fannähe, lange auch zu den in Frankfurt zuletzt nur noch nervenden Ultras, im Mai den Titel in der Europa League erobern konnte und nun erstmals in der Champions League mitspielt, war nicht sein Werk. Mit den wirtschaftlichen Chancen und Risiken jedoch, die sich aus diesem Ausflug in die höchste europäische Spielklasse ableiten lassen, wird auch er sich beschäftigen müssen.

          Sollte es dem rastlosen Dynamiker eines Tages langweilig im Fußball werden, könnte der Fußballmanager auch zurückwechseln in seinen Anwaltsberuf. Hellmann schließt für den derzeit unwahrscheinlichen Fall des Falles auch ein neues Berufsziel nicht gänzlich aus. „Vielleicht ginge ich dann in die Politik.“

          Dazu berufen gefühlt hat er sich schon als Abiturient, als er, vorlaut wie er manchmal sein kann, auf die Frage, was er denn werden wolle, geantwortet hat: „Mit 40 Jahren Präsident von Eintracht Frankfurt, mit 50 Jahren Oberbürgermeister von Frankfurt.“ Mal sehen, was der 51 Jahre alte Tatmensch im Alter von 60 Jahren so tut.

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