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Eintracht Frankfurt : Amanatidis' verletzter Stolz

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Frustabbau: Amanatidis (r.) schubst seinen Mannschaftskameraden Bellaid Bild: Jan Huebner

Neu-Trainer Michael Skibbe hat in Frankfurt ohne Not ein Fass aufgemacht. Er nahm Ioannis Amanatidis die Kapitänsbinde ab. Der frustrierte Grieche leistet sich anschließend im Training eine Rangelei. Anschließend legte er sein Amt als stellvertretender Kapitän nieder.

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          Es war so gegen halb zwölf am Donnerstag Vormittag, als aus Ioannis Amanatidis all seine Wut und sein Ärger herausbrach. Verteidiger und Kollege Habib Bellaid war dem am Vortag von Trainer Michael Skibbe als Spielführer abgesetzten Griechen etwas zu forsch in die Beine gefahren. Amanatidis reagierte wütend, stieß den Franzosen ein paar Mal vor die Brust, ehe Mitspieler Patrick Ochs mit beherztem Eingreifen verhinderte, dass aus der „unspektakulären Rangelei“, wie Skibbe später sagte, eine handfeste Prügelei wurde. „Im Spiel machen wir uns in die Hosen“, sagte Amanatidis, „im Training hauen wir uns dafür um. Aber nicht mit mir.“ Das war auch später das Motto des griechischen Nationalspielers.

          „Nicht mit mir“, das sagte er am Nachmittag auch Skibbe – und trat danach von allen Ämtern zurück. Der 27 Jahre alte Amanatidis wird nicht als stellvertretender Spielführer zur Verfügung stehen und auch nicht für den Mannschaftsrat. Dies sei die angekündigte Konsequenz aus der für ihn nicht nachvollziehbaren Entscheidung des Trainers. Er könne seine Absetzung als Kapitän nach wie vor nicht verstehen, wiederholte Amanatidis. „Ich habe meine Knochen hingehalten für die Mannschaft, und ich habe mich immer für die Spieler und den Verein eingesetzt“.

          Amanatidis vermisst Wertschätzung

          Der stolze Grieche, seit dem vergangenen Jahr auch Botschafter des Hessischen Präventionsrates gegen Gewalt bei Jugendlichen, vermisst beim Trainer jene Wertschätzung, die er bisher beim Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und in der gesamten Öffentlichkeit genossen hat. Gerade Eintracht-Chef Bruchhagen habe ihm einige Male gesagt: „Wenn man an Eintracht Frankfurt denkt, denkt man an Amanatidis.“ Auch deshalb habe er seinen Vertrag zweimal vorzeitig verlängert.

          Sorgt mit seiner Entscheidung, Spycher anstelle von Amanatidis zum Kapitän zu machen, für Unruhe bei der Eintracht: Trainer Skibbe

          Skibbe hatte gehofft, Amanatidis würde „aufgeschlossen“ mit der getroffenen Entscheidung umgehen, „sich Gedanken machen und ein paar Tage ins Land ziehen lassen“. Doch da hat er den erfolgreichsten Stürmer der Eintracht, der in 171 Bundesligaspielen für diesen Verein, für den VfB Stuttgart und den 1.FC Kaiserslautern 51 Tore erzielt hat, völlig falsch eingeschätzt. „Wenn ich Konsequenzen ankündige, dann ziehe ich Konsequenzen“, sagt Amanatidis, „wenn ich etwas sage, dann meine ich es auch so.“ Gemäß seiner Ankündigung legte Amanatidis mittlerweile sein Amt als stellvertretender Kapitän nieder und zig sich auch aus dem Mannschaftsrat zurück. Sportlich will er aber weiterhin alles für seinen Klub geben.

          Das Tischtuch mit dem neuen Trainer scheint zerschnitten, auch wenn Skibbe gestern versucht hat, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Er könne die Reaktion „nachvollziehen“, sagte er, habe aber dennoch die Entscheidung fällen müssen, „die ich für richtig halte“. Er schätze Amanatidis „als Mensch und als Spieler“, fügte er hinzu. „Ich bin froh, dass er für uns seine Tore schießt.“ In diesem Punkt immerhin besteht Einigkeit. Amanatidis will sich zwar intern zurückziehen, auf dem Platz aber „weiter alles geben für die Eintracht“.

          Fenin wieder trainingsreif

          Und Skibbe wird ihm wohl schon beim Pokalderby am Sonntag in Offenbach die Chance geben, dies unter Beweis zu stellen. „Unsere Konzentration muss nun einzig und alleine dem Spiel in Offenbach gelten“, fordert er. „Ioannis ist für uns ein wertvoller und wichtiger Spieler.“ Im Training spielte Amanatidis am Donnerstag neben Alexander Meier im Angriff der Stammformation, sein Landsmann Nikos Liberopoulos in der vermeintlichen B-Elf. Der dritte Stürmerkandidat, Martin Fenin, war fünf Wochen nach seiner Operation an beiden Leisten derweil zu einer Untersuchung nach Potsdam gereist, nachdem er zuletzt wieder leichte Schmerzen in der Bauchmuskulatur verspürt hatte. Das Ergebnis sei, so Eintrachts Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger, „sehr positiv“ gewesen. Die Schmerzen seien allein auf die Trainingsbelastung zurückzuführen und hätten nichts mit der Operation zu tun.

          Fenin könne sofort wieder mit dem Training beginnen, sobald die Schmerzen nachlassen. Für das Spiel in Offenbach aber wird die Zeit wohl zu knapp werden. Noch nicht ganz aus dem Rennen ist dagegen Chris. Der Brasilianer trainierte nach seinen hartnäckigen Rückenproblemen am Donnerstag eine Stunde lang gemeinsam mit den Kollegen und soll an diesem Freitag komplett ins Mannschaftstraining zurückkehren. „Wenn es gut geht, ist er schnell eine Alternative“, sagt Skibbe.

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