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Kommt aus Leverkusen: Lucas Alario Bild: dpa

Fußball-Bundesliga : Das ist Eintracht Frankfurts neue Offensive

Alario, Muani, Borré: Eintracht-Trainer Oliver Glasner hat in der neuen Saison im Sturm deutlich mehr Möglichkeiten. Er muss sich entscheiden – und womöglich das System ändern.

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          In dieser Arbeitswoche, der ersten des Spieljahres 2022/23, haben Lucas Alario und Randal Kolo Muani mit einer Stimme gesprochen. Der Argentinier Alario und der Franzose, beide Neuzugänge bei Eintracht Frankfurt, beide Stürmer, äußerten sich jeweils nicht zu Privatangelegenheiten.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Bei Alario ging es auf dessen Vorstellungspressekonferenz kurz um seine Freundin Agustina Albertario, die in Argentinien Hockeynationalspielerin mit 196 Länderspielen (58 Tore) ist und bei den Olympischen Spielen in Tokio die Silbermedaille gewonnen hat. Kolo Muani, der wie Alario einen Tag später am Donnerstag jede andere Frage bereitwillig beantwortete, wollte keine Auskunft darüber geben, ob er mit seiner Familie nach Frankfurt gekommen sei. Womöglich hat beiden ihr neuer Arbeitgeber empfohlen, diese Themen in der Öffentlichkeit auszuklammern.

          Anziehungskraft der Eintracht

          Einig waren sich Alario, der aus Leverkusen an den Main wechselte, und Kolo Muani (FC Nantes) auch in ihrem Empfinden gegenüber ihrem neuen Verein. In den Spielen der Europa League habe man „regelrecht gefühlt, was für ein Teamgeist in der Mannschaft steckt“, berichtete Alario: „Das hat mich beeindruckt.“ Seinen neuen Teamkollegen Kolo Muani zog die Eintracht, die als Europa-League-Sieger nun in der Champions League vertreten ist, ebenfalls in ihren Bann. In Frankfurt seien „zuletzt viele tolle Sachen passiert. Hier habe ich die stärkste Anziehungskraft verspürt“, sagte der Franzose, der als Pokalsieger nach Deutschland gekommen ist und an eine „tolle Saison 2022/2023“ glaubt.

          Kommt aus Nantes: Randal Kolo Muani
          Kommt aus Nantes: Randal Kolo Muani : Bild: Huebner

          Für Alario, der auch Angebote aus Spanien hatte, übt die Teilnahme an der Königsklasse einen Riesenreiz aus. „Ich liebe große Spiele und große Wettbewerbe“, betonte er. Ihn hatte die Eintracht für eine Ablöse von rund sechs Millionen Euro kurz vor Beginn der Saisonvorbereitung verpflichtet. Beim ablösefreien Muani hingegen steht der Wechsel bereits seit Anfang März fest. Er war „glücklich und stolz“, als die Hessen ihr internationales Meisterstück machten.

          Lammers und Paciência genügen nicht

          An dem im Endspurt der 1,74 Meter große Rafael Borré großen Anteil hatte. Der kolumbianische Nationalspieler trumpfte in den Highlightspielen auf: Er traf im Viertelfinalrückspiel gegen Barcelona, im Halbfinalrückspiel gegen West Ham und gleich zweimal im Finale gegen die Glasgow Rangers – erst zum 1:1. Zum krönenden Abschluss verwandelte Borré nach der Verlängerung den entscheidenden fünften Elfmeter für den Titelgewinn.

          Was der Endspielheld vor dem Start der abgelaufenen Runde noch nicht wusste: Der Südamerikaner wurde mehr oder weniger zum Alleinunterhalter im Frankfurter Sturm – obwohl er sich damals als tatkräftige Unterstützung einen echten Mittelstürmer in der Mannschaft gewünscht hatte. „Ich kann mich mit einem Neuner gut ergänzen, Räume schaffen und das Offensivspiel gefährlicher gestalten“, sagte Borré. Doch für den von Atalanta Bergamo ausgeliehenen Mittelstürmer Sam Lammers war die deutsche Liga eine Nummer zu groß; er brachte es insgesamt nur auf knapp 800 Minuten Einsatzzeit.

          Bleibt als Europapokalsieger: Rafael Borré
          Bleibt als Europapokalsieger: Rafael Borré : Bild: AFP

          Beim portugiesischen Angreifer Gonçalo Paciência, der vor dem Abgang steht, waren es sogar nur 689 Minuten. In der Bilanz des sich als Einzelkämpfer in der Spitze abrackernden Borré standen am Ende mehr als 3500 Minuten; in 44 Pflichtspielen freute er sich über zwölf Tore und sieben Vorlagen.

          Setzt Glasner auf eine Doppelspitze?

          In Zukunft könnte es bei der Eintracht zu Borrés Begeisterung eine Doppelspitze geben – mit Alario oder Muani an seiner Seite. Vor allem, wenn Flügelstürmer Filip Kostic den Klub in diesem Sommer verlassen sollte und Trainer Oliver Glasner so einen gewichtigen Grund dafür hätte, das System auf ein 4-4-2 umzustellen, was er wiederum mit Freude tun würde.

          Aufgrund seiner Verdienste in der Vorsaison wird der fleißige Borré wohl mit einem Bonus in die neue Runde gehen. Nur: Seine Konkurrenz hat deutlich an Qualität zugelegt. Er wird deshalb mehr als in der vergangenen Spielzeit darum kämpfen müssen, seinen Platz zu behaupten. Der Strafraumstürmer Alario hatte zuletzt zwar keinen Stammplatz in Leverkusen, trotzdem kommt er mit der Empfehlung von insgesamt 58 Treffern und 16 Vorlagen in 164 Pflichtspielen nach Frankfurt; besonders treffsicher war der Argentinier in den Duellen (neun Spiele, vier Tore und vier Vorlagen) gegen die Eintracht. „Ich muss als Neuner Tore schießen“, sagte Alario bei seiner Präsentation.

          Ohne Erfolgserlebnis ist er bisher in der Champions League, aber er freue sich, diesen „Bann in Frankfurt zu brechen“.

          Am wohlsten fühlte sich Alario immer dann, wenn er einen zweiten Stürmer an seiner Seite wusste. Mit Borré hatte Alario kurz in Argentinien bei River Plate zusammengespielt, dort gewann er das südamerikanische Pendant zur europäischen Champions League. „Topspieler, Topprofi, Topmensch“ – so beschreibt Alario seinen neuen, alten Mitspieler Borré, mit dem er menschlich gut harmoniert.

          Aus Sicht von Glasner hat Alario eine „unglaublich gute Abschlussqualität“. Auch Kolo Muani weiß, wo das Tor steht: In 36 Ligue-1-Spielen für Nantes gelangen ihm zwölf Treffer und fünf Vorlagen. Zu seinen Stärken, sagt der athletische Franzose, zähle die Schnelligkeit, zudem kann der wendige Profi auf die Flügel ausweichen. „Technisch kann ich ebenso meinen Teil zum Spiel beitragen.“ An das Tempo und die Intensität in der Bundesliga wird sich Kolo Muani gewöhnen müssen. Wie sich die drei Angreifer erst werden einspielen müssen. Aber eines ist klar: An vorderster Stelle hat Glasner mit Alario, Borré und Kolo Muani deutlich mehr Variationsmöglichkeiten als in der Vorsaison.

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