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Ärger beim Frankfurter Spiel : „Irgendwann platzt einem der Kragen“

„Das hat mit Niveau nichts zu tun“: Eintracht-Trainer Adi Hütter ärgert sich über Werder Bremen. Bild: EPA

Die Niederlage in Bremen stoppt den Frankfurter Höhenflug. Doch das ist fast Nebensache. Während des Spiels geht es hoch her. Danach wird weiter gestritten. Auch die Trainer mischen kräftig mit.

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          Man muss lange suchen, um Ausbrüche von Adi Hütter am Spielfeldrand zu finden. Der Trainer von Eintracht Frankfurt weiß in der Regel, wie er mit den Emotionen eines Fußballspiels umzugehen hat. In der erfolgreichen Europa-League-Kampagne vor zwei Jahren war das ausnahmsweise mal nicht der Fall. Aus Ärger über den Schiedsrichter trat Hütter eine Wasserflasche um, die in hohem Bogen flog. Dafür wurde er für das Spiel bei Inter Mailand gesperrt. Der Ärger war bald verraucht, die Eintracht gewann, Hütter nahm es mit Humor und witzelte: „Ich hatte früher einen guten rechten Fuß.“

          Bundesliga
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Danach war es meist ruhig um Hütter, abgesehen von den branchenüblichen Gesprächen mit dem Vierten Offiziellen in der Trainerzone – bis zum Freitagabend. Bei der Frankfurter 1:2-Niederlage bei Werder Bremen war dann auch die sehr lange Zündschnur des Österreichers irgendwann abgebrannt und es kam zur emotionalen Explosion. „Ich versuche 75 Minuten mit Ruhe und Souveränität an der Seitenlinie zu stehen“, sagte er später mit ruhiger Stimme in der virtuellen Pressekonferenz. „Aber irgendwann platzt einem einfach der Kragen. Denn das hat mit Niveau nichts zu tun.“

          Was war passiert? In der zweiten Halbzeit wurde die Partie immer hitziger. Auf dem Rasen ging es zur Sache, auch kam es zu einer veritablen Ansammlung vieler Spieler, bei der geschimpft und geschubst wurde. Der nicht immer souveräne Schiedsrichter Robert Hartmann hatte alle Hände voll zu tun, um die Situation mit drei Verwarnungen wieder zu beruhigen. Auch außerhalb des Platzes ging es hoch her. Von den Plätzen der Ersatzspieler und Betreuer kamen immer wieder Rufe, das steckte auch die Trainer an, die sich verbal in ihrer Coachingzone attackierten. Hütter sah später die Gelbe Karte.

          Auf Martin Hinteregger abgesehen?

          „Hier ist es immer speziell und ich habe mich ein bisschen davon anstecken lassen. Ich habe mich geärgert über gewisse Dinge“, sagte Hütter ohne ganz konkret zu werden. Die Fehden aus den 90 Minuten setzten sich auch danach fort. Auf den Bildern vom übertragenden Streaminganbieter DAZN war zu sehen, wie sich auf dem Weg in die Kabine der Bremer Trainer Florian Kohfeldt und Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner stritten, wenige Meter dahinter wurden Werder-Stürmer Niklas Füllkrug und der Frankfurter Verteidiger Martin Hinteregger sogar leicht handgreiflich bei ihrem Duell.

          War Hinteregger womöglich der Auslöser allen Streits? Vor einem halben Jahr hatte der Österreicher einen Bremer offen provoziert: „Davie Selke ist ein Spieler, gegen den ich gerne spiele, weil ich weiß, ich bin besser. Das spornt mich nochmal mehr an. Gegen so einen spielt man auch gerne, um ihm zu zeigen: ‚Hey, was bist du eigentlich für einer?‘“ Zum Duell kam es am Freitag nicht, weil Selke nicht eingewechselt wurde. Wollte Kollege Füllkrug Rache nehmen? „Ich hatte das Gefühl, dass die Bremer es sehr auf Hinteregger abgesehen hatten. Speziell Füllkrug, nachdem er reinkam“, sagte Hütter.

          Auch Kohfeldt war das verbale Vorspiel um Hinteregger nicht entgangen. „Man muss sich im Klaren sein, dass wenn vorher Worte von Spielern untereinander gewählt werden, dass dann eine gewisse Spannung entsteht“, sagte der Werder-Coach und drehte nach der Frankfurter Aufregung den Spieß um. „Wir hatten sehr entspannte Heimspiele in letzter Zeit. Heute kam die Eintracht und es kocht hoch. Da muss sich die Eintracht fragen, warum es immer bei ihnen so ist“, sagte Kohfeldt. „Sie spielen eine überragende Saison. Da muss man auch mal mit Anstand verlieren können.“

          Eintracht-Trauner Hütter wird von Schiedsrichter Robert Hartmann mit der Gelben Karte bestraft.
          Eintracht-Trauner Hütter wird von Schiedsrichter Robert Hartmann mit der Gelben Karte bestraft. : Bild: dpa

          Den Vorwurf der Unsportlichkeit und der Provokation wies Kohfeldt entschieden zurück. „Ein Verein wie Eintracht Frankfurt: Der ist so geil. Aber wir müssen doch alle in der Lage sein, ein Fußballspiel zu spielen und uns danach die Hand zu schütteln“, sagte der Bremer. „Es gibt halt die eine oder andere Aussage.“ Beleidigungen hätte es auch von der Frankfurter Bank gegeben. „Jeder muss sich selber hinterfragen, welche Wortwahl er heute gefunden hat.“ Wie so oft nach derlei Aufregung blieben bei der Aufarbeitung Fragen offen, wer wann was getan und gesagt und wer woran welche Schuld hatte.

          Dabei hatte neben allen verbalen Scharmützeln ja auch noch ein Fußballspiel stattgefunden, das es in sich hatte. Nach elf Bundesligaspielen ohne Niederlage wurde der Frankfurter Höhenflug gebremst. Nach der Eintracht-Führung durch André Silva (9. Minute) drehten die Treffer von Theodor Gebre Selassie (47.) und Joshua Sargent (62.) die Partie. „Wir haben ein Spiel, das wir eigentlich in der Hand hatten, aus der Hand gegeben“, sagte Hütter, als es nicht um Streitereien, sondern den sportlichen Wettkampf ging. „Werder war eklig, sie waren unangenehm. Wir sind ihnen in die Falle gegangen.“

          Zur eh schon aufgeladenen Stimmung kam hinzu, dass es allerhand umstrittene Szenen gab, auch bei den Toren. Die Ecke vor dem Frankfurter Tor wurde fälschlicherweise gegeben. Die Bremer Treffer wurde jeweils vom Video-Assistenten untersucht, wie noch weitere Szenen. Es war jeweils knapp. Die Wartezeit inklusive Ungewissheit auf dem Rasen zerrte offenbar zusätzlich an den Nerven aller. Der Frankfurter Makoto Hasebe sagte: „Gegen Bremen ist es immer so kämpferisch und emotional. Am Ende war es viel zu viel. Zu viel Gerede auf dem Platz und außerhalb des Platzes auf der Tribüne.“

          „Das ist ein Rückschlag, ganz klar“, sagte Hütter, dessen Team Vierter bleibt. „Wenn man glaubt, man kann durch die Liga spazieren, wird es schwierig. Jetzt zeigt sich, welchen Charakter die Mannschaft hat. Ich hoffe, dass wir auf die Niederlage eine Reaktion zeigen.“ Am Ende wurde es bei den Trainern doch noch versöhnlicher. „Diese Emotionen gehören zum Fußball. Da fallen teilweise Wörter, das ist so. Das ist kein Schachspiel oder ein Konzertbesuch“, sagte Hütter. Und Kohfeldt? „Ich bin ein großer Freund davon, dass man sich nach dem Spiel die Hand gibt und Emotionen Emotionen sein lässt.“

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