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Frankfurt gegen Hoffenheim : „Diese Aktion ist völliger Wahnsinn“

  • -Aktualisiert am

„Es war ein sehr, sehr ekliges Spiel“: Hoffenheims Sandro Wagner. Bild: AP

Tore fallen im Spitzenspiel zwischen Frankfurt und Hoffenheim nicht. Dafür kochen die Emotionen hoch. Vor allem zwei Szenen sorgen für hitzige Diskussionen – mit überraschenden Aussagen.

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          Immerhin die Trainer gaben sich am Ende eines emotionalen Abends die Hand. Als Niko Kovac und Julian Nagelsmann nach der Pressekonferenz auseinandergingen, gab es eine freundliche Geste unter Berufskollegen. Das hatte unmittelbar nach Abpfiff des torlosen Bundesligaspiels am Freitagabend zwischen Frankfurt und Hoffenheim noch anders ausgesehen. Auf dem Rasen diskutierten sie sehr leidenschaftlich – und waren augenscheinlich nicht einer Meinung. Die Aufregung, nicht nur bei den Trainern, war durchaus verständlich, schließlich war in den 90 Minuten zuvor einiges vorgefallen, in einem „sehr, sehr ekligen Spiel“, wie TSG-Stürmer Sandro Wagner fand.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Tore fielen nicht im Spitzenspiel zwischen dem Fünften und dem Vierten der Tabelle. Dafür standen auf dem Statistik-Zettel sieben Gelbe und eine Rote Karte sowie 44 Fouls. „Mir hat es heute keinen Spaß gemacht“, sagte der Hoffenheimer Coach Nagelsmann. Seinem Gegenspieler aus Frankfurt indes schmeckte die hitzige Partie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt besser. „Emotionen gehören zum Fußball. Wenn Sie eine Suppe ohne Salz vorgesetzt kriegen, schmeißen Sie die doch auch gleich weg“, sagte Kovac, dessen Mannschaft mit 27 Vergehen deutlich mehr Fouls in der Statistik auswies als die TSG (17).

          Schon Anfang Oktober hatte es eine Bundesliga-Partie gegeben, die eine ähnliche Debatte ausgelöst hatte. Nach 26 Leverkusener Fouls beim 2:0-Sieg über die Dortmunder, die ihrerseits lediglich acht Mal regelwidrig agiert hatten, echauffierte sich Borussen-Trainer Thomas Tuchel deutlich. Der Konter von Roger Schmidt folgte prompt; der Bayer-Coach unterstellte, dass Dortmund durch seine Spielweise Fouls provoziere. Am Freitag lag der Schwarze Peter nicht nur wegen der Mehrzahl der gepfiffenen Vergehen bei der Eintracht – und bei Schiedsrichter Christian Dingert.

          Bereits in der neunten Minute hatte der Frankfurter Marco Fabián den Hoffenheimer Torwart Oliver Baumann mit einer Grätsche abgeräumt. Der Mexikaner kam mit einer Ermahnung davon. „Vielleicht hätte der Schiedsrichter in der ersten Halbzeit öfter Gelb zücken müssen, danach wurde es hektisch“, sagte Baumann. Die erste Verwarnung zeigte Dingert erst in der 52. Minute. Einen entscheidenden Fehler machte er aber schon zuvor. Im Laufduell an der Seitenlinie schlug Frankfurts Verteidiger David Abraham Gegenspieler Wagner mit dem Ellbogen mit Wucht gegen den Kopf (32.). Kurios: Als beide fielen, bekam Abraham einen Freistoß, Dingert hatte auf Stürmerfoul des Hoffenheimers entschieden.

          Auch Schiedsrichter Christian Dingert (rechts) stand im Mittelpunkt. Bilderstrecke

          Wagners Trainer war nach dem Spiel kaum zu halten. „Diese Aktion ist für mich völliger Wahnsinn“, sagte Nagelsmann über die Tätlichkeit von Abraham, der bis 2015 bei der TSG gespielt hatte. „Das ist kein normales Foul.“ Und er ging noch weiter: „Wenn ich irgendwo sehe, wie ein Mann einem anderen mit dem Ellbogen in dieser Art und Weise ins Gesicht schlägt, klicken die Handschellen. Der wird das Tageslicht so schnell nicht wieder sehen. Da fehlt mir die Relation zwischen dem Sport und dem realen Leben.“ Dennoch lobte Nagelsmann den Schiedsrichter nach einem „guten Gespräch“, weil Dingert offen und ehrlich antwortete. „Ich schätze es sehr, wenn man zugibt, dass man nicht seinen besten Tag hatte“, sagte Nagelsmann. Ähnlich äußerte sich Opfer Wagner, der dem Unparteiischen für das Eingeständnis, bei Abrahams Schlag fälschlicherweise nicht Rot gezeigt zu haben, ausdrücklich Respekt zollte.

          Eine andere Szene sorgte für kaum weniger Diskussionen. Nach einem Zweikampf des Hoffenheimers Mark Uth mit Bastian Oczipka bildete sich eine Spielertraube, in der nicht nur debattiert wurde. Mittendrin war wieder Wagner, der vom Frankfurter Timothy Chandler geschubst und dann an den Hals gefasst wurde. Dingert schickte Chandler mit der Roten Karte vom Platz (82.). Frankfurts Kapitän Alexander Meier fand es „Wahnsinn, dass er dafür Rot kriegt“. Selbst Wagner schwang sich zum Anwalt für den Täter auf: „Er hat mich nicht schlimm berührt, da war nichts. Ich hoffe nicht, dass er vom DFB gesperrt wird.“ Ein Freispruch wird aber nicht möglich sein, schließlich war Chandler nicht völlig unschuldig.

          Die Frankfurter Verteidigungsrede auf die Hoffenheimer Vorwürfe des überharten Spiels zielte aber nicht auf die beiden heiß diskutierten Szenen ab. „Das war eine klare Rote Karte für Abraham, da müssen wir gar nicht drüber diskutieren“, gab Kovac das Offensichtliche wieder, um dann grundsätzlich zu werden. „Die Schiedsrichter pfeifen in der Bundesliga zu viel ab, mehr als beim Basketball“, sagte der Trainer. „Wir sollten mal schauen, wie es international ist“, fuhr er fort und verwies auf eigene, frühere Einsätze im Europapokal und als kroatischer Nationalspieler. Er wisse also, wovon er rede. Kapitän Meier sprang ihm bei: „Die Schiedsrichter sind sehr kleinlich heutzutage.“

          Hinter der emotionalen Debatte blieb fast unbeachtet, dass sowohl Frankfurt als auch Hoffenheim eine überraschend starke Saison spielen und Kurs auf den Europapokal nehmen. Die Eintracht ist seit acht Spielen ungeschlagen, die TSG hat in dieser Saison noch gar nicht verloren und darf sich am nächsten Freitag (20.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) auf das nächste Topspiel freuen. Dann kommt Dortmund in den Kraichgau. Und die Trainer Nagelsmann und Tuchel können die Erfahrung austauschen, wie es ist, wenn ein Gegner öfter zu unfairen Mitteln greift.

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