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Eintracht Frankfurts Zukunft : „Dann haben wir eine andere Kraft“

Etwas begonnen, das noch nicht fertig ist: Das Gesicht von Eintracht Frankfurt wird sich in diesem Sommer unter der Regie von Trainer Kovac wieder stark verändern. Bild: Reuters

Der Eintracht steht der nächste Neubeginn bevor. Finanzvorstand Oliver Frankenbach über ausufernde Ablösesummen, den Hradecky-Poker, mögliche Investitionen mit Hilfe der Gesellschafter und die Suche nach Spielertypen, die mehr polarisieren.

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          Zufriedenheit im Rückblick auf die alte Saison oder Vorfreude auf die neue – was überwiegt bei Ihnen aktuell?

          Ich blicke nach vorne. Und bin gespannt. Wenn ich sehe, wer ab August alles in der Bundesliga mitspielt und vor allem wer nicht mehr dabei ist, dann gibt es für mich keinen Klub, der von vornherein als klarer Abstiegskandidat gehandelt werden könnte. Es sind nur traditionsreiche oder finanzstarke Vereine vertreten, und ich würde uns mit unseren Möglichkeiten so einschätzen, dass wir finanziell eher im letzten Drittel anzusiedeln sind. Es wird nicht so sein, dass Wolfsburg, Gladbach, Leverkusen oder Schalke wieder so eine schwache Runde spielen wie zuletzt. Das bedeutet: Geld ist nicht das Entscheidende. Aber: Wir sind vermutlich eine Mannschaft, die erst mal in der Tabelle nach unten zu schauen hat.

          Die Eintracht steht wieder vor einem Neuanfang. Wie umfangreich wird er ausfallen?

          Es sind noch sechs Wochen Zeit, bis es losgeht. Es tut uns weh, dass Alex Meier wieder verletzt ausfällt. Er ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Wir haben im Offensivbereich aber bereits Transfers getätigt, so dass wir hoffen, den Ausfall kompensieren zu können. Bei Carlos Salcedo ist die Sache fast noch schlimmer, weil er als Ersatz für Jesus Vallejo geholt wurde und ein Stammspieler sein soll. Er fällt jetzt wohl bis zu drei Monate aus, und wir müssen abwägen, ob wir nicht noch mal nachlegen, weil wir in der Innenverteidigung ein bisschen dünn besetzt sind. Grundsätzlich soll unser Kader breiter werden, auch deswegen haben wir schon einige Transfers früh realisiert, und es wird sicher in den nächsten Tagen noch einiges passieren. Insbesondere im Mittelfeld und im defensiven Bereich.

          Strebt die Eintracht wieder einige Leihgeschäfte an?

          Ich will Leihgeschäfte nicht grundsätzlich negativ bewerten. Zu einem Transfer gehören immer zwei Vertragspartner. Es ist daher gar nicht immer möglich, auf ein Leihgeschäft zu verzichten. Was wir grundsätzlich anstreben: nicht bis Ende August warten zu müssen, wenn die Wechselperiode endet. Wir müssen einfach früher agieren können.

          Wie fällt die wirtschaftliche Momentaufnahme aus?

          Jeder glaubt, weil wir ins Pokalfinale eingezogen sind, hätten wir genug eingenommen. Dem ist aber nicht so: Durch die im Verhältnis eher schwächere Rückrunde haben wir im sogenannten TV-Ranking an Boden verloren, so dass wir unsere Planung so gerade eben halten können. Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen wir zusätzliches Kapital. Nur allein durch den Verkauf von Spielern erzielen wir nicht die Größenordnung, die uns vorschwebt. Also muss es von außen kommen. Daher arbeiten wir weiter an geeigneten Modellen.

          Das klingt nach Wiedervorlage des Konzepts der Genussscheine aus dem vergangenen Jahr.

          Das Genussschein-Modell ist nur eines von vielen, mit denen wir uns beschäftigt haben. Und wir befanden uns auch nie in einem „Wiedervorlage-Modus“ sondern arbeiten ständig an dem Thema einer optimalen Kapitalausstattung. Alles aber unter den für unseren Klub individuell realisierbaren Alternativen. Wir suchen nach Möglichkeiten, die eine Zwischenfinanzierung ermöglichen. Unser Unternehmenswert ist aktuell nicht dafür geeignet, weitere Anteile an neue Investoren zu verkaufen. Wir müssen zunächst Maßnahmen ergreifen, die eine Bewertung zulassen, die unseren Vorstellungen entspricht. Wir suchen eine Lösung bis zum 30. Juni 2020, da sich rund um das Stadion und an den zugehörigen Verträgen, an die wir für die Nutzung und die Vermarktung bis dahin gebunden sind, einiges ändert. Anschließend haben wir dann eine andere Kraft. Wir sind gerade in Gesprächen mit unseren Gesellschaftern, wie wir eine solche Idee am besten gestalten können, um befristet über zusätzliche Mittel zu verfügen. Die Beteiligungsverhältnisse – 63,4 Prozent hält der Verein, 28,6 die Freunde der Eintracht, 4,4 die BHF-Bank und 3,6 die Steubing AG – wollen wir grundsätzlich so lassen, wie sie sind. Ich hoffe, dass unsere Gesellschafter unsere Vorschläge akzeptieren, so dass wir das Konzept zügig umsetzen können und unsere Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet wird. Erst dann können wir auch gegebenenfalls noch zusätzlich in den Kader investieren.

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