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Eine Saisonbilanz der Eintracht : Frankfurter Vier-Klassen-Gesellschaft

Machte bei der Eintracht den größten Sprung nach vorne: Marco Russ Bild: AP

Die Profis der Eintracht zwischen persönlichem Höhenflug, sportlicher Flatterhaftigkeit und Absturzgefahr – eine Bilanz nach 34 Spielen, stattlichen 46 Punkten und Platz neun in der Fußball-Bundesliga.

          3 Min.

          Um die zwanzig Grad, blauer Himmel, und wagemutige Charaktere lassen sich auch vom Planschen im Mittelmeer nicht abhalten. Ein Ausflug nach Mallorca ist in diesen Frühsommertagen eine angenehme Sache. Während sich die Fußball-Nationalmannschaft in der Hauptstadt Palma seit Montag auf die Europameisterschaft einstimmt, zelebriert die Eintracht auf der Balearen-Insel ihre als Regenerationstrainingslager getarnte Abschlussparty.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Ausgiebige Übungseinheiten, das verriet Trainer Friedhelm Funkel vor dem Abflug in sein bevorzugtes Urlaubsdomizil, muss keiner der Frankfurter Profis fürchten; stattdessen ist eher Kondition bei den Ausflügen ins vergnügliche Nachtleben gefragt. Funkel verständigte sich mit Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden, und Berater Bern Hölzenbein im jüngsten „Strategiegespräch“, dass die bevorstehende Sommerpause dazu genutzt werden soll, weiteres Personal an die Eintracht zu binden.

          „Wir sind bemüht, uns noch zu verstärken“, sagte Bruchhagen. Es werde aber allenfalls zwei, drei neue Gesichter geben, „denn schließlich haben wir bereits eine gute Mannschaft“. Eine nachvollziehbare Einstellung, denn trotz beachtlicher Ergebnisse und dem neunten Tabellenplatz – mehr Konkurrenzkampf kann dem Team nicht schaden. Eine Saisonbilanz der wichtigsten Akteure:

          Auch ein Gewinner: Michael Fink (rechts)
          Auch ein Gewinner: Michael Fink (rechts) : Bild: AP

          Die Gewinner

          Nach dem letzten Spiel gegen Duisburg wurde er von seinem Trainer geadelt. „Er ist ein Mann mit Charakter, so etwas werde ich nie vergessen“, sagte Funkel. Die Rede war von Marco Russ, der beim 4:2 trotz einer schmerzhaften Zehenprellung gespielt hatte. Russ machte in dieser Saison den größten Sprung nach vorne. In den Planungen war er nur die Nummer vier unter den Innenverteidigern, hinter Sotirios Kyrgiakos, Aleksandar Vasoski uns Chris; mit dem Kauf von Aaron Galindo wurde die Konkurrenz noch größer. Doch der Zweiundzwanzigjährige bestritt am Ende 29 Spiele, zuletzt auch im defensiven Mittelfeld. Er ist ein „Musterschüler“ Funkels, weil er ein Muster an Zuverlässigkeit ist.

          Mit Aaron Galindo könnte er nach dem Weggang von Kyrgiakos auch in Zukunft das Stammduo im Abwehrzentrum bilden. Der Mexikaner wurde vor der Saison geholt, als die personeller Not groß war. Er musste lange auf seine Chance warten. Als sie kam, nutzte er sie sofort. Galindo wie Russ sind Verteidiger moderner Prägung: beide benötigen kaum Fouls, um Gegner zu stoppen, beide sind geschickt im Zweikampf und in der Lage das eigene Offensivspiel in Gang zu bringen. Zu den Gewinnern gehört auch Michael Fink. 32 Bundesligaspiele absolvierte Fink in seinem zweiten Eintracht-Jahr, zuletzt stellte er gegen den MSV auch sein Fähigkeiten bei der Torvorbereitung unter Beweis.

          Profitiert haben davon in erster Linie Ioannis Amanatidis und Martin Fenin. Der Grieche stieg durch die Berufung zum Spielführer zur Führungsfigur auf. Elf Tore erzielte der Nationalspieler, eine von ihm erwartete Quote. Mit sechs Treffern gehört auch Martin Fenin zu den Erfolgstypen, brauchte er als Bundesliga-Neuling dafür doch nur eine halbe Spielzeit. Der Tscheche überzeugte auch mit seiner kämpferischen Einstellung und großer Laufbereitschaft.

          Die Zuarbeiter

          Auf sie ist Verlass: Berechenbare Größen wie Patrick Ochs, Christoph Spycher, Junichi Inamoto und Oka Nikolov taten der Eintracht gut. In der zurückliegenden Saison verrichteten sie solide Arbeit, wobei sicherlich der Einsatz von Ersatztorwart Nikolov beim 0:0 in München herausragte. 38 Schüsse gegen den späteren Meister parierte der personifizierte Eintracht-Profi, der seit 1991 schon dem Klub die Treue hält. Die Konkurrenz war entzückt, so wie auch manche Auftritte von Ochs und Inamoto begeistert haben. Doch auch bei ihnen fehlte der letzte Tick. Der Japaner, zeitweilig von Verletzungen heimgesucht, hatte als Abfangjäger vor der Abwehr ebenso Streuungen in seinem Leistungsdiagramm wie der weiter verbesserte Ochs. Erfreulich oft gelangen ihm die Flanken, die gemeinhin von einem erstklassig spielenden Profi erwartet werden.

          Doch es gibt Steigerungspotential – bei Ochs wie auch bei seinem linken Verteidigerkollegen Spycher. Der Schweizer hat zwar seine Seite zumeist dichtgehalten. Doch für die kreativen Momente, geschweige denn mitreißende Flankenläufe reichte es nur selten. Erste Kraft im offensiven Mittelfeld: Das möchte gerne Caio sein. Doch der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte hat noch nicht die Bindung an das Team gefunden. Privat auf sich allein gestellt und ohne sichtbare Hilfe von Seiten des Klubs, setzte der Brasilianer in einem für ihn völlig neuen Kultur- und Wirkungskreis erst wenige Ausrufezeichen.

          Die Absteiger

          Mehdi Mahdavikia wechselte vor einem Jahr vom HSV mit großen Erwartungen an den Main – erfüllen konnte er sie bis heute (noch) nicht. Nur zwanzig Partien und kein Tor: die neue Runde kann nur besser werden für den iranischen Auswahlspieler. Auf einen Neuanfang in der Fremde hofft auch der in Bornheim groß gewordene Mounir Chaftar, der seine wenigen Chancen nicht nutzte, Funkel nicht zu überzeugen wusste und keinen neuen Vertrag erhielt. Er soll mit dem möglichen Zweitliga-Aufsteiger FSV Frankfurt in Verhandlungen stehen.

          Die Pechvögel

          In den besonders prekären Wochen im Februar und März stellte sich das Team beinahe von selbst auf, so viele Verletzte gab es zu beklagen: Chris, Alexander Meier, Aleksandar Vasoski und Christoph Preuß erwischte es besonders schlimm, sie fielen für Monate aus und sind teilweise noch immer nicht wieder hundertprozentig fit. Was die Eintracht an dem Quartett hat, merkten die Fans am deutlichsten, wenn es fehlte. Funkel hofft auf eine Genesung der Rekonvaleszenten und ihren Neuangriff auf einen Stammplatz in der Sommervorbereitung. „Für mich sind das beinahe vier Neuzugänge“, sagt der Trainer. Ob Preuß, der im Dezember wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert worden war, wieder zurückkehren wird, ist allerdings fraglich. Der 26 Jahre alte Defensivallrounder muss abermals unters Messer, selbst eine Sportinvalidität scheint nicht mehr ausgeschlossen.

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