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3:2 in Augsburg : Ein denkwürdiger Abend für den FC Bayern

Die drei Männer des Bayern-Abends: Leon Goretza, Kingsley Coman und David Alaba (von links) standen im Mittelpunkt des Spiels. Bild: Reuters

Ein geschichtsträchtiges Eigentor macht den Anfang, danach nimmt der Wahnsinn so richtig seinen Lauf: Der Fußball-Rekordmeister hat es bei den Schwaben lange schwer, auch weil der Gegner überraschend aufmüpfig ist.

          Beim kleinen Nachbarn ist die Sache noch einmal gutgegangen, doch für die Reise zum großen FC Liverpool am Dienstag dürfte manchem Fan des FC Bayern nach dem Auftritt des deutschen Meisters am Freitagabend in Augsburg nichts Gutes schwanen. Nachdem sie in der ersten Halbzeit zwei Mal einen Rückstand aufholen mussten – nach Gegentreffern durch das bis datoschnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte von Leon Goretzka (1. Minute) und durch Dong Won Ji (23.) glich jeweils Kingsley Coman (17./45.) aus – bekamen die Bayern die Partie gegen die mit durchschnittlich 24,5 Jahren bislang jüngste Elf des FCA überhaupt erst in der zweiten Halbzeit nach der erstmaligen Führung durch David Alaba (52.) halbwegs in den Griff. Dessen Treffer zum 2:3 bedeutete auch den Endstand.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Mit dem Spielaufbau war alles super, aber die Gegentore waren Wahnsinn. Da kann man als Torwart nicht viel machen. Wir hatten uns vorgenommen, gut zu verteidigen und wollten eigentlich mal wieder zu Null spielen“, sagte Neuer und fügte mit Blick auf Dienstag hinzu: „Liverpool ist eine offensivstarke Mannschaft. Wir müssen besser stehen und eine sehr gute Aufteilung haben.“ Augsburgs Michael Gregoritsch äußerte sich indes trotz der Niederlage zuversichtlich: „Wenn wir so Gas geben, ist einiges möglich.“

          Bayern kann seine Defizite noch einmal übertünchen

          Die Offensivkraft der Startruppe aus München konnte ihre defensiven Defizite gegen die kampfstarken, aber spielerisch weit unterlegenen Augsburger noch einmal übertünchen. Doch beunruhigend für Trainer Niko Kovac muss sein, dass seinem Team es auch im sechsten Spiel des Jahres 2019 nicht gelang, ohne Gegentor zu bleiben. Und noch nie war der Zu-Null-Vorsatz so kurzlebig wie am Freitag. Schon nach 13 Sekunden lenkte Goretzka eine Flanke von Linksverteidiger Philipp Max mit dem Fuß unfreiwillig ins eigene Tor. Manuel Neuer, nach überstandener Daumenverletzung in den Bayern-Kasten zurückgekehrt, konnte nichts ausrichten. Es war in über 55 Jahren und mehr als 16.000 Begegnungen erst das dritte Eigentor in der ersten Spielminute einer Bundesligapartie – und das schnellste.

          Gegen die kompakte Abwehr der Augsburger taten sich die Bayern zunächst schwer. Der Ausgleich war die Folge eines überraschenden, aber misslungenen Pressing-Versuches des Heimteams. Die Bayern lösten die Drucksituation in ihrer eigenen Hälfte gekonnt auf und fanden nach einem schnellen Seitenwechsel viel Platz für einen Vorstoß durch Joshua Kimmich. Der Rechtsverteidiger schlug eine präzise Flanke in den Rücken der Abwehr, wo sich von der anderen Seite Coman freigelaufen hatte und volley traf. Es war bereits Kimmichs zehnte Torvorlage in dieser Bundesligasaison.

          Doch Kimmich vereinigt in seiner Person beide Gesichter des aktuellen FC Bayern – vorne hui, hinten pfui. Fünf Minuten nach dem Ausgleich war Kimmich auf seiner Abwehrseite nicht im Bilde, als Max abermals frei zum Flanken kam. Die flache Hereingabe in den Rückraum wurde von Niklas Süle noch leicht hinaus aus dem Radius des zum Schuss ausholenden Michael Gregoritsch abgefälscht – dafür aber genau in die Reichweite von Ji, der den Ball aus 14 Metern direkt mit links unter die Latte schoss.

          Konnte es zwischenzeitlich selbst kaum glauben: Der turbulente Spielverlauf verwunderte auch Bayern-Profi Serge Gnabry.

          Den großen Augsburg-Schreck Robert Lewandowski, der zuvor in 13 Begegnungen 18 Tore gegen sie geschossen hatte, hatte die FCA-Abwehr bis auf einen Latten-Kopfball des Polen nach einer Ecke in der 34. Minute weitgehend im Griff. Doch statt des Mittelstürmers bestrafte sie eben der Linksaußen Coman. In der letzten Aktion vor der Pause kam der Franzose halblinks aus 16 Metern zum Schuss. Er traf den Ball so hart wie unplatziert, mitten aufs Tor – doch genau durch die Beine des überraschten und in dieser Szene indisponierten Torwarts Gregor Kobel.

          Der späte Torwartfehler rächte sich für die Augsburger schon bald nach der Pause, als aus ähnlicher Position Linksverteidiger Alaba nach Zusammenspiel mit Coman abschloss – präzise ins rechte Eck und dadurch diesmal unerreichbar für den Augsburger Torhüter. Nun mussten sie ihre Defensive lockern und den Bayern Raum für Konter geben, und Kovac konnte es sich erlauben, James und Gnabry gegen die Veteranen Ribéry und Müller auszuwechseln, um sie für den Champions-League-Knüller in Liverpool Kräfte sparen zu lassen. Nicht nur sie werden sie brauchen. Mit Müh und Not brachte der Meister den Vorsprung gegen den in der Schlussphase drängenden Außenseiter über die Zeit. Eine Schrecksekunde gab es für die Münchner kurz vor dem Abpfiff noch, als Coman mit einer Fußverletzung humpelnd das Feld verließ. „Laut der Ärzte sieht es im Moment nicht so gut aus. Wir müssen morgen eine Untersuchung vollziehen“, sagte Kovac dem TV-Sender Eurosport. Coman hatte bereits im Bundesliga-Eröffnungsspiel Ende August einen Riss der Syndesmose oberhalb des linken Sprunggelenks erlitten und fehlte den Münchnern daraufhin mehrere Monate.

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