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Eintracht Frankfurt : „Das ist das Leben, das ist der Fußball“

Marco Russ nach dem Spiel mit seinen beiden Kindern vor der Fankurve der Eintracht. Bild: dpa

Trotz des 1:1 glaubt Frankfurt an den Verbleib in der Bundesliga. Nach dem Hinspiel der Relegation sprechen die Eintracht-Verantwortlichen über die schwere Krankheit von Eigentorschütze Russ – und üben Kritik.

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          Am Ende wurde es fast schon philosophisch. „Alles ist offen, nichts ist entschieden.“ Eine Einschätzung, mit der Heribert Bruchhagen zweifelsohne Recht hatte. Denn nicht nur der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht, sondern auch Trainer Niko Kovac war nach dem 1:1 im ersten Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg der Ansicht, „dass dieses Ergebnis für uns alles offen lässt“. Die Ausgangslage für das Rückspiel am Montag im ausverkauften Frankenstadion (20.30 Uhr / Live in der ARD und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) ist damit klar: Die Eintracht muss zumindest ein Tor in der regulären Spielzeit erzielen.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Ein Ziel, das schon im ersten Duell mit dem Dritten der zweiten Fußball-Bundesliga nur schwer zu erreichen war, denn mehr als das Ausgleichstor durch Mijat Gacinovic (65.) wollte der drückend überlegenen Eintracht gegen stur auf Defensive ausgerichtete Nürnberger nicht gelingen. Der Erstligaklub, der sich mit Macht, aber ohne zwingende offensive Durchschlagskraft gegen die drohende Klassenversetzung zur Wehr setzte, war vor den 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Arena die bessere Mannschaft.

          Bruchhagen benutzte in seiner Analyse eine Wortwahl, die ihm nur höchst selten über die Lippen kommt: „Wir waren haushoch überlegen.“ Doch weil die Offensive mit Rückkehrer Alexander Meier und Haris Seferovic stumpf blieb, konnten sich die Frankfurter am Ende glücklich schätzen, zumindest den Ausgleich erzielt zu haben, nachdem der „Club“ durch ein Eigentor drei Minuten vor der Halbzeitpause überraschend in Führung gegangen war.

          Es passte irgendwie zur Dramaturgie dieses Relegationsspiel, dass der Mann, um den sich vieles, vielleicht sogar alles drehte, den Ball unglücklich ins eigene Tor lenkte. Marco Russ, der Kapitän der Eintracht, hatte zuvor für Schlagzeilen gesorgt. Bei einer vor dem Auswärtsspiel in Darmstadt vorgenommen Doping-Probe war eine erhöhte Konzentration von Schwangerschaftshormon entdeckt worden. Wie sich später durch ärztliche Untersuchungen herausstellte, rührten die stark erhöhten Werte von einer Tumorerkrankung des 30 Jahre alten Innenverteidigers, die im Zuge der Untersuchung überhaupt erst entdeckt wurde.

          Unentschieden : Bundesliga-Relegation bleibt spannend

          Bruchhagen, der von den „aufregendsten Tagen“ sprach, „seit ich bei der Eintracht bin“, gab vor dem Relegationsspiel ausführlich Auskunft in Sachen Russ. Für Bruchhagen stand fest, dass durch die positive Doping-Probe von Russ kein Schaden für die Eintracht entstanden sei. Es sei nachgewiesen, dass es sich um keinen Doping-Fall handele, sondern der Innenverteidiger schwer erkrankt sei. Dies hätten Tast- und Ultraschalluntersuchungen sowie die Blutwerte des Spielers ergeben. „Unser Internist Dr. Gabriel hat die Ergebnisse sowie den Befund eines Tumors eidesstattlich versichert“, sagte der Vorstandschef der Eintracht.

          Insgesamt lägen vier Blutwerte vor. Die Doping-Probe von Darmstadt, eine Doping-Kontrolle an Christi Himmelfahrt, eine weitere nach dem Spiel in Bremen und nun die der Untersuchung vom Mittwoch. „Sie weisen eine lineare Steigerung des hCG-Hormons aus“, erklärte Bruchhagen vor dem Anpfiff. Deshalb äußerte er sich verwundert über die Intensität der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen am Donnerstag mit Durchsuchungen im Mannschaftshotel, im Spind des Spielers sowie seines Hauses. „Sie können sich vorstellen, welche Aufregung bei uns herrschte“, sagte Bruchhagen.

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