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Edin Dzeko : Kapitän von Bord

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg von Niedersachen nach Manchester: Edin Dzeko verlässt Wolfsburg Bild: dpa

Bis zuletzt dementierten die Wolfsburger Verantwortlichen Edin Dzekos Wechsel zu Manchester City. Nach seinem Abgang wirken alle Beteiligten erleichtert. Der Erlös aus dem Rekordtransfer besteht für den VfL aus zwei Dingen.

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          Der Moment der Abfahrt vom Mannschaftshotel in Marbella war ihm ein wenig unangenehm. Kein Interview, nur die nötigsten Fotos, bloß weg. Der feine Wagen, mit dem Edin Dzeko abgeholt wurde, verschwand schnell in Richtung Flughafen. Es waren merkwürdige Szenen rund um den Rekordtransfer der Fußball-Bundesliga, die sich am frühen Mittwochmorgen im Trainingslager des VfL Wolfsburg abspielten. Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen des Vereins Dzekos Wechsel zu Manchester City dementiert. Mittlerweile ist bestätigt, dass der Bosnier sein Glück in der Premier League sucht – und dass nur noch die letzten Formalitäten sowie der medizinische Check in Manchester seinen Wechsel rückgängig machen könnten.

          Nach Dzekos Abgang wirkten die Spieler, der Trainer und die Verantwortlichen erleichtert. Das monatelange Tauziehen um einen Ausnahmekönner hatte das Miteinander beim VfL belastet. „Ich hoffe, Edin kann sich in Manchester seine Träume erfüllen“, sagte Trainer Steve McClaren. Die Wolfsburger werden nun einen neuen Kapitän küren müssen. Und sie werden möglichst schnell eine Antwort darauf finden müssen, wie man einen der begehrtesten und treffsichersten Stürmer Europas ersetzen kann. „Wir haben geahnt, dass er geht. Aber vieles haben wir auch nur aus der Zeitung erfahren. Wir werden Edin vermissen“, sagte Co-Trainer Pierre Littbarski, der an der Seite von McClaren versuchen soll, nach einer enttäuschenden Hinrunde einen Neuaufbau in Wolfsburg hinzubekommen.

          Trainer McClaren bleibt unter Zugzwang

          Der Erlös aus dem Rekordtransfer besteht für den VfL aus zwei Dingen. Die sportliche Leitung verbindet mit Dzekos Verkauf die Hoffnung, dass in der verunsicherten Wolfsburger Mannschaft endlich Ruhe einkehrt. Und die kolportierte Ablösesumme in Höhe von 35 Millionen Euro, die das neureiche Manchester City demnächst überweisen soll, dient den Wolfsburgern als Grundlage für eine neu zu strukturierende Mannschaft.

          Der Torschützenkönig verlässt die Bundesliga: Edin Dzeko wechselt für 35 Millionen vom VfL Wolfsburg zu Manchester City

          Dieter Hoeneß, der Vorsitzende der VfL-Geschäftsführung, ließ schwer erkältet vom Krankenbett in der Heimat aus anklingen, dass man sich natürlich nach exzellentem Ersatz umgesehen habe. Aber den Dzeko-Erlös sofort wieder zu investieren, scheint angesichts einer verkorksten Saison dann doch nicht in Frage zu kommen. Vorerst geht es für Hoeneß und McClaren, über den der Manager noch seine schützende Hand hält, um eine Schadensbegrenzung und den Plan, einen gebührenden Abstand in der Tabelle zu den Abstiegsrängen zu festigen.

          Einer der Ersten, der die neu zu verteilende Verantwortung auf dem Platz übernehmen will, ist Marcel Schäfer. Der Außenverteidiger und Nationalspieler trug nun in einem Trainingsspiel gegen den französischen Erstligaverein Montpellier die Kapitänsbinde. „Was wir zuletzt abgeliefert haben, war nicht akzeptabel. Aber vielleicht ist es auch besser so, dass der Wechsel mit Edin vollzogen ist. Er ist noch durch alle Zimmer gegangen und hat sich von uns so verabschiedet, wie sich das gehört. Jetzt hat der Verein viel Geld und wir sind auf uns allein gestellt“, sagt Schäfer.

          Dzeko hatte zwar wie gewohnt ein Tor nach dem anderen erzielt. Aber die Spielfreude war ihm bei dem Gedanken, ohne Wechsel nicht am internationalen Fußball teilnehmen zu können, schon vor geraumer Zeit abhanden gekommen. Die Wolfsburger Verantwortlichen waren ihm, damit die Einreise nach England in einem von Manchester City geschickten Privatjet auch wirklich klappte, noch beim Beschaffen eines Tagesvisums behilflich. Den Rest eines außergewöhnlichen Fußball-Geschäftes klären Anwälte und Banker.

          Mehr Härte und Entschlossenheit

          „Formal ist Edin noch unser Spieler. Bei einem Transfer dieser Größenordnung gibt es viele Beteiligte“, sagte Gerd Voss, Pressesprecher des VfL Wolfsburg. Es galt im eigenen Interesse zu verschleiern, dass zwischen Wolfsburg und Manchester schon vor geraumer Zeit eine Einigung über Dzekos Verkauf erzielt worden war. Die Frage seines Gehaltes war zum letzten Hemmschuh geworden.

          McClaren hat nun den Auftrag der Vereinsführung, seine Mannschaft mit mehr Härte und Entschlossenheit zu führen. Ob der Abschied des Torjägers dem Trainer ein wenig Luft verschafft, weil schließlich einer der Leistungsträger abhanden gekommen ist, bleibt abzuwarten. Angesichts eines immer noch vorzüglich besetzten Kaders und dem langfristig ausgegebenen Ziel, den VfL Wolfsburg auf Dauer in der Spitzengruppe der Bundesliga zu plazieren, bleibt McClaren unter Zugzwang.

          Bisherige Rekord-Ablösesummen in der Fußball-Bundesliga:

          Jahr - Spieler - alter und neuer Verein - Summe*

          2009 - Mario Gomez - VfB Stuttgart/FC Bayern München - 30
          2001 - Marcio Amoroso - AC Parma/Borussia Dortmund - 25,5
          2007 - Owen Hargreaves - FC Bayern München/Manchester United - 25
          2007 - Franck Ribéry - Olympique Marseille/FC Bayern München - 25
          2009 - Diego - Werder Bremen/Juventus Turin - 24,5
          2009 - Arjen Robben - Real Madrid/FC Bayern München - 24
          2010 - Carlos Eduardo - 1899 Hoffenheim/Rubin Kasan - 20
          2009 - Nigel de Jong - Hamburger SV/Manchester City - 20
          2003 - Roy Makaay - Deportivo La Coruña/Bayern München - 18,75
          2001 - Evanilson - Borussia Dortmund/AC Parma - 17

          * in Millionen Euro; Summen zumeist geschätzt

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