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Trainerwechsel bei Werder : Dutts unerfüllte Versprechen

  • -Aktualisiert am

Auf Wiedersehen: Robin Dutt ist an den Bremer Verhältnissen gescheitert Bild: dpa

Werder Bremen trennt sich von Trainer Robin Dutt. Nachfolger wird Viktor Skripnik, der gemeinsam mit Assistent und Werder-Legende Torsten Frings vom Regionalligateam zu den Profis aufrückt. Ein weiterer ehemaliger Spieler ist derweil zum Aufsichtsratschef gewählt worden.

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          Drei maßgebliche Vorhaben hatte Robin Dutt mitgebracht, als er vor 16 Monaten Cheftrainer bei Werder Bremen wurde. Er wollte die brüchige Defensive kitten, der Mannschaft wenigstens drei erfolgversprechende taktische Konzepte beibringen, und er versprach, Nachwuchsakteure zu verbessern und in den Profikader hochzuziehen.

          Das hörten die Werder-Verantwortlichen gern, denn bei einem Klub auf Sparkurs sollte vor allem der letzte Punkt zum Selbstverständnis gehören. Auch die Abkehr von der ewigen Mittelfeld-Raute und eine Werder-Mannschaft, die Beton anrührt, erschienen Dutts Vorgesetzten als sinnvolle, ja unerlässliche Maßgaben.

          In diesen grauen Oktober-Tagen muss man festhalten, dass der 49 Jahre alte Dutt keines seiner Versprechen gehalten hat. Damit einhergehend war der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte. Deswegen entband Werder Dutt am Samstagnachmittag trotz Vertrages bis 2016 von seinen Aufgaben – eine Entlassung, die nach dem 0:1 gegen den 1. FC Köln am Freitag keinen mehr überraschte.

          Frings wird Assistent

          „Die Mannschaft braucht einen neuen Impuls, um aus der gegenwärtigen Lage herauszukommen“, sagte der Sportchef des Tabellenletzten, Thomas Eichin. Für diesen Impuls soll ab sofort Viktor Skripnik sorgen. Der 44 Jahre alte Trainer der zweiten Mannschaft wird von der Regionalliga in die Bundesliga befördert und ist fortan zusammen mit seinem Assistenten, dem ehemaligen Nationalspieler und Werder-Veteran Torsten Frings, für die Profis zuständig.

          Skripnik soll der Öffentlichkeit an diesem Sonntag vorgestellt werden. „Viktor wird der Mannschaft Selbstvertrauen und Mittel geben, wieder Spiele zu gewinnen“, sagte Eichin. Die erste Möglichkeit dazu besteht am Dienstag in Chemnitz. Dort tritt Werder zum Spiel der zweiten Runde im DFB-Pokal an.

           Der Frisur nach ein Schüler von Thomas Schaaf
          Der Frisur nach ein Schüler von Thomas Schaaf : Bild: dpa

          Der Ukrainer Skripnik lief in 138 Bundesligapartien im Werder-Trikot auf, gehörte zum Kader des Double-Siegers 2004 und war bei den Fans wegen seines Einsatzes und seiner Professionalität beliebt. Seit zehn Jahren gehört er zum Bremer Trainerstab. Eine organische Lösung also, die in der Hansestadt Zustimmung ernten dürfte.

          Viel Wille, kaum Können, individuelle Fehler

          Ob Robin Dutt seine Versprechen nicht halten konnte, weil diese Mannschaft einfach zu schwach und wirklich nicht besser als der derzeitige letzte Rang ist, oder ob es an Dutt selbst lag, der mit seiner verbindlichen Art eher an den mündigen Profi glaubt, als die Peitsche zu schwingen – darüber lässt sich trefflich streiten. Das 0:1 gegen Köln legte die ganze Bremer Überforderung bloß: viel Wille, kaum Können, am Ende individuelle Fehler vorn wie hinten und einfach zu wenig Qualität im Kader, um dem FC irgendwie beizukommen. Vor allem ein Spielmacher fehlt. Der Verlust Aaron Hunts trifft Werder hart. Die lange Zeit geduldigen Fans im ausverkauften Weserstadion pfiffen die Mannschaft vom Platz. Werder bleibt sieglos.

          Neuer Assistent: Torsten Frings
          Neuer Assistent: Torsten Frings : Bild: dpa

          Am Samstagnachmittag traf die Bremer Geschäftsführung den Aufsichtsrat. Es war eine länger geplante Sitzung, in der es eigentlich um den Wechsel auf dem Posten des Chefkontrolleurs von Willi Lemke zu Marco Bode gehen sollte, der am Abend einstimmig gewählt wurde. Doch das einzige Thema war Robin Dutt. Fürsprecher hatte er keine mehr, auch seinem Freund Eichin, der ihn vorgeschlagen hatte, fehlten die Argumente.

          Im Sommer hatte sich Dutt mit den Vorgesetzten angelegt, als er den Kader vorwarnend als zu schwach kritisierte und den Einbau dreier Jungakteure (Selke, Busch und Aycicek) als schwierig bis unmöglich bezeichnete. Das wollte niemand hören. Dabei hatte Dutt Recht. Er war es leid, sich mit den Bremer Verhältnissen zu arrangieren. Später wies auch Eichin darauf hin, dass Werder durch den aktuellen Sparkurs Probleme bekommen könnte, überhaupt in der Liga zu bleiben. Die bekannte Diskussion begann. Insofern ist Dutt auch ein Opfer des (inzwischen aufgegebenen) Sparkurses.

          Zuletzt hatte er noch einmal alles versucht und die Spielsysteme kräftig durcheinandergewirbelt. Aber spätestens nach dem 0:6 gegen die Bayern vor einer Woche schien die Mannschaft das Vertrauen in die Fähigkeiten des Trainers verloren zu haben. Von den knapp zehn Millionen Euro, die Eichin in der Winterpause für neue Spieler ausgeben darf, wird nun Skripnik profitieren. Er soll ausdrücklich keine Zwischenlösung sein, behaupteten die Bremer, obwohl sich bis zuletzt hartnäckig Gerüchte hielten, Eichin habe mit dem ehemaligen Profi Andreas Herzog verhandelt.

          Bremer Trainer seit 1981: Nur zwei hielten sich lange

          Otto Rehhagel (1. April 1981 bis 30. Juni 1995)
          Aad de Mos (1. Juli 1995 bis 9. Januar 1996)
          Dixie Dörner  (14. Januar 1996 bis 20. August 1997)
          Wolfgang Sidka (21. August 1997 bis 21. Oktober 1998)
          Felix Magath  (22. Oktober 1998 bis 9. Mai 1999)
          Thomas Schaaf (10. Mai 1999 bis 15. Mai 2013)
          Wolfgang Rolff (interim, 16. Mai 2013 bis 25. Mai 2013)
          Robin Dutt (1. Juni 2013 bis 25. Oktober 2014)
          Viktor Skripnik  (seit 25. Oktober 2014)

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