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Nicht die Jungen überzeugen : Der FC Bayern und seine alte Achse

Lob vom Trainer: Jérôme Boateng (links) neben Niko Kovac Bild: EPA

Löw hat’s gesehen: Die Münchener spielen gegen Leipzig zumindest eine herausragende erste Halbzeit. Das liegt vor allem an den Routiniers. Neuer, Boateng, Müller und Lewandowski halten die Zeit an.

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          Es war eine Stunde gespielt, als die Leipziger Herausforderer das Duell in ihre Richtung zu lenken schienen. Die bayerischen Großmeister hatten lange unverwundbar gewirkt, so unverwundbar, wie es in Deutschland nicht einmal Siegfried gewesen ist, sondern nur die seit sieben Jahren lindenblattfreien Seriensieger aus München. Mehr noch: Der alte bayerische Fußballdrache hatte in der ersten Halbzeit noch einmal so stolz und imposant sein Haupt erhoben wie lange nicht und seinen jungen Leipziger Gegnern – oder Feinden, wie es Uli Hoeneß einmal sah und sagte – eine fast schon sagenhafte Überlegenheit aufgezwungen.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die absolute Dominanz der Herrscher aus dem Süden hatte sich auf jedem Flecken des Fußballplatzes ausgebreitet, sie fand sich in allen Kombinationen und Köpfen wieder. Nur nicht im lachhaften Ergebnis von 1:1 zur Hälfte des Kampfes, nachdem ein Elfmeter in der Nachspielzeit eine Münchner Schwäche freigelegt hatte, die bis dahin niemand in Leipzig gesehen hatte. Es war dann eben doch nur ein Fußballspiel mit einem Elfmeterpfiff des Schiedsrichters, der dem Zauber der Legenden den Garaus machte.

          Einmal verwundet, wankte der Meister. Und dann war es nach einer Stunde der Österreicher Marcel Sabitzer, der mit Urgewalt den Ball aus rund 25 Metern auf das Tor von Manuel Neuer jagte, einen Ball, der in der Luft plötzlich machte, was er wollte oder – besser – was sein Schütze wollte. Als ob ihn Sabitzer mit einer unsichtbaren Fernbedienung wie eine Fußballdrohne erst nach links gelenkt hätte, um ihn dann in einem scharfen Bogen wieder nach rechts zu ziehen, um den Torwartriesen in die Irre zu führen.

          125 Jahre, unsterblich in Bayerns Fußballgedächtnis

          Aber Manuel Neuer, der tatsächlich schon unterwegs war in die rechte Ecke, um den Ball zu blocken, der dort aber nie ankommen kommen sollte, bemerkte im letzten Augenblick die Finte und änderte seine Richtung. Schon taumelnd, den Boden hatte er bereits unter den Füßen verloren, riss Neuer, halb in der Luft stehend, den linken Arm nach oben, versteifte ihn mit seiner Muskelkraft wie zu einem Baumstamm und ließ das Ballgeschoss daran abprallen. Durch das Stadion ging ein Raunen. Eines war in diesem Moment auch klar: Wenn die Bayern schon nicht gewinnen, bleiben sie wenigstens unbesiegbar.

          Neuer, der Hüter seiner Mannschaft, hatte in diesem Moment auch die Zeit ein wenig zurückgedreht. Vielen im Stadion und vor den Schirmen schoss in der Szene des Tages auf einmal wieder die Erinnerung an die Weltmeisterschaft 2014 durch den Kopf, das Viertelfinale gegen Frankreich, als der Torwart einem Gewaltschuss von Benzema mit erhobenem, steinhartem Arm alle Kraft raubte. Und der deutschen Mannschaft mit dieser Rettungstat den Weg zum WM-Titel frei räumte. Über fünf Jahre liegen zwischen den Szenen von Rio und Leipzig, eine Fußball-Ewigkeit. Doch es war nicht allein Neuer, der im Bundesliga-Spitzenspiel im Herbst 2019 Reminiszenzen an die großen und größten Zeiten des deutschen Fußballs wachrief.

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