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Erfolgsgeheimnis der Eintracht : Die drei aus der Abwehrkette

  • -Aktualisiert am

Hand drauf: Ndicka und Tuta (rechts) bilden zwei Drittel der herausragenden Eintracht-Abwehr. Bild: dpa

Der Eintracht-Aufstieg innerhalb Deutschlands höchster Fußball-Spielklasse hat drei Namen: Martin Hinteregger, Tuta und Evan Ndicka. Das Spiel der Frankfurter Verteidiger fasziniert längst jenseits der Bundesliga.

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          Aller guten Dinge sind drei in der Frankfurter Abwehrkette. Martin Hinteregger spielt in der Mitte, Tuta rechts und Evan Ndicka links. Ein Österreicher, ein Brasilianer und ein Franzose bilden im Herzen von Europa den Zusammenhalt. Hinteregger, der Abwehrchef nach dem Bundesliga-Karriereende von Kapitän David Abraham im Januar geworden ist, findet diese „Konstellation witzig“. Die internationale Besetzung hat ihren Charme. Auch weil der 28 Jahre alte österreichische Nationalspieler inmitten zweier Jungspunde die Richtung vorgibt.

          Bundesliga

          Ndicka und Tuta sind beide erst 21 Jahre alt. Wobei der französische Juniorennationalspieler bereits 60 Bundesliga-Spiele für die Eintracht mit drei Treffern und drei Torvorlagen vorweisen kann, für viele Youngster ist Ndicka ein Vorbild. Bei Tuta sind es erst sieben Begegnungen, er steht am Anfang seines geplanten Aufstiegs. Ihn hat Cheftrainer Adi Hütter zum Nachfolger von Abraham erkoren. Der war mit seinen 34 Jahren der Lehrmeister für den Brasilianer und den Franzosen. Ndicka war von der „Spielintelligenz“ und vom „unbändigen Siegeswillen“ des Argentiniers fasziniert. Tuta, der Abwehr-Azubi, hat sich die „starke Persönlichkeit“ von Abraham ebenfalls zum Maßstab genommen. Der Argentinier machte im Alter von 26 sein erstes Erstliga-Spiel.

          „Wir vertrauen uns zu hundert Prozent“

          Jetzt ist Hinteregger der alte Hase in der Abwehrreihe. Momentan bereitet dem Mittelmann das Zusammenspiel großes Vergnügen. „Wir verstehen uns richtig gut und vertrauen uns zu hundert Prozent“, sagt der Österreicher über das Trio. Die Zahlen belegen, wie gut das Frankfurter Spiel hinten aufeinander abgestimmt ist. Nur sieben Gegentreffer in den zurückliegenden sieben Spielen bedeuten im Jahr 2021 zusammen mit Bayern München Rang zwei in der Statistik; lediglich der VfL Wolfsburg (6) steht im Vergleich noch besser da.

          Davor musste sich die Eintracht in zwölf Begegnungen über 22 Gegentore ärgern. Den Liga-Bestwert 2021 erzielen die Frankfurter vor dem 21. Spieltag mit ihrer beeindruckenden Offensivleistung, die ihren Ausdruck in 20 Treffern in sieben Partien findet. Die Eintracht-Offensivstars wie André Silva (17 Saisontore), Filip Kostic und Luka Jovic sind in aller Munde. Zu Recht, aber „neben unserer Offensivstärke dürfen wir die Arbeit nach hinten nicht vergessen“, mahnt Hütter. Und die funktioniere momentan im Kollektiv „sehr gut“. Seiner Abwehr bescheinigt der 51-Jährige, „einen tollen Job“ zu machen. „Alles in allem stimmt die Balance“, lautet das positive Gesamturteil des Trainers. Die Eintracht steuert auf die Teilnahme an der Champions League zu und will auf dem Weg an diesem Sonntag gegen Köln (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) vorankommen.

          Hat das Sagen: Martin Hinteregger (rechts)
          Hat das Sagen: Martin Hinteregger (rechts) : Bild: dpa

          In Reihen der Frankfurter ist Ndicka aktuell der wertvollste sportliche Rohdiamant. Seine Wertsteigerung bemisst sich am besten an dieser Zahl: Seit er sich 2018 der Eintracht angeschlossen hat, ist sein Marktwert von fünf Millionen Euro auf heute 22,5 Millionen Euro gestiegen. Seine Kompromisslosigkeit in den Zweikämpfen und seine außergewöhnliche Ruhe auf dem Platz haben die Fachwelt früh begeistert. Nun hat Ndicka den nächsten Schritt vollzogen: Er hat die Sorglosigkeit, die ab und an seinem Auftreten schadete, aus seinem Spiel verbannt. Außerdem schaltet er sich viel häufiger in den Angriff ein. Das Spiel aktiv mitzugestalten verinnerlicht der Franzose immer mehr.

          Ihn zum Umdenken gebracht hat Hütter mit viel Zureden und Anschauungsunterricht. Es habe ihn gestört, wenn Ndicka „zögerlich und verhalten gespielt“ habe, sagt Hütter. Beim 3:1 in Hoffenheim ist der 1,92 Meter große Franzose mit seinem ersten Saisontreffer per Kopf für seine offensivere Ausrichtung belohnt worden. „Hut ab!“, lobte Hinteregger. Unter den Interessenten für eine zukünftige Verpflichtung – Ndickas Vertrag endet im Sommer 2023 – sollen Arsenal und Tottenham sein.

          Tuta genießt ebenfalls das Vertrauen von Hütter. Der Trainer zeigt sich glücklich, dass sich der junge Brasilianer auf hervorragende Weise in die Mannschaft eingefunden hat. Er habe eine „Riesenfreude daran, wir schnell das gegangen ist und wie nahtlos er David Abraham ersetzt. Er wird sicher mal Fehler machen, die wir ihm aber zugestehen“, sagte Hütter. Von ihm bekommt Tuta die Zeit, im Schatten der Stars zu reifen und womöglich selbst zu einem Shooting Star zu werden.

          Seine gute Spielübersicht und seine Technik halten die Erwartungshaltung hoch. Und die Dreierabwehrkette in Takt, in der Hinteregger das Sagen hat. „Ich spüre, dass Martin mehr redet und einteilt. Er macht das richtig gut – auch mit seinem persönlichen und sozialen Engagement für die Jungs“, freut sich Hütter. Hinteregger, der in Egelsbach die Lizenz zum Hubschrauberpiloten macht, hat Ndicka und Tuta zu einem Flug mitgenommen. Die drei aus der Abwehrkette hatten sichtbar ihren Spaß an dem Ausflug in großer Höhe.

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