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DFB-Pokal : Sächsische Renaissance

  • -Aktualisiert am

Mit dem Sponsor im Hintergrund weit nach vorne: Trainer Ralph Hasenhüttl hat mit RB Leipzig viel vor. Bild: dpa

Verödete Fußball-Landschaften? Nicht in Sachsen. Ein Dreifachaufstieg hat den Freistaat mit Wucht zurück auf die Bundesliga- Landkarte befördert. An diesem Samstag treffen sich zwei ungleiche Nachbarn zum Pokalduell. Und der dritte Klub spielt auch.

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          Fangen wir mit Leipzig an. Nicht, um höflichkeitshalber den Gästen den Vortritt zu lassen – das Team tritt an diesem Samstag bei Dynamo Dresden (15.30 Uhr) an. Sondern, weil dieses sächsische Duell in der ersten Pokalrunde den mit viel Spannung erwarteten Rollout eines womöglich revolutionären Fußballprodukts bedeuten könnte.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Einen Aufsteiger wie RasenBallsport Leipzig jedenfalls hat die Bundesliga noch nicht erlebt. Weder in puncto Rasanz – in sieben Jahren ging es von der fünften in die erste Liga, so schnell war nicht einmal Hoffenheim – noch in Sachen Radikalität – anders als Dietmar Hopps Ziehklub sind die Leipziger eine Schöpfung aus dem Geist des Marketings. Was die einen im Ergebnis für eine Art Frankenstein des Fußballs halten mögen, ist für Leipzig längst eine ziemlich hübsche Braut. Die Rasenballer kommen an in der Stadt, in der Fußball mitunter zu einer Sache gestriger Haudraufs verkümmert war. Und sie denken groß. Dazu genügt es, einen Blick auf das 40 Millionen Euro teure Trainings- und Nachwuchszentrum direkt neben dem Zentralstadion zu werfen. Apropos: RB hat noch nicht einmal in der ersten Liga gegen den Ball getreten, da wird schon lebhaft über den Bau eines neuen Stadions diskutiert. Und so macht man sich auch, was die Ziele betrifft, nicht kleiner als nötig.

          Die Leipziger Yussuf Poulsen (links) und Marcel Halstenberg jubeln beim Testspiel gegen Real Betis Sevilla.
          Die Leipziger Yussuf Poulsen (links) und Marcel Halstenberg jubeln beim Testspiel gegen Real Betis Sevilla. : Bild: dpa

          Sollte RB am Ende einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, werde sich das „nicht schlecht anfühlen“, sagt Trainer Ralph Hasenhüttl. Sportdirektor Ralf Rangnick spricht darüber, dass in Jahr drei Europa „nicht utopisch“ wäre. Es wird eine Disziplin für sich sein, den eigenen Anspruch nicht wie Arroganz wirken zu lassen. Wobei sich Leipzig nicht, wie viele erwartet hatten, dem ganz großen Kaufrausch hingab, das Aufstiegsteam wurde eher punktuell verstärkt, vor allem durch den Guineer Naby Keita und Timo Werner aus Stuttgart, beide fürs Mittelfeld. Neue Leute, so das Credo, sollen nicht nur ins Gehaltsgefüge passen, sondern vor allem eines sein: jung und entwicklungsfähig.

          Wie das aussehen kann, zeigen derzeit Lukas Klostermann und Davie Selke im deutschen Olympia-Team in Rio. Nebenbei fördert es die Identifikation. In dieser Hinsicht hat RB einem Konkurrenten aus einem ähnlichen Segment etwas voraus: Einen Wohnsitz in Berlin brauchte es hier nicht fürs Wohlgefühl. In Leipzig ist was los. Und damit ist man schon mal weiter als in Wolfsburg.

          Neue Freiheit und alte Dämonen

          Schön ist es selbstverständlich auch in Dresden. Und jetzt zu erwähnen, dass die SG Dynamo der FC Bayern des Ostens ist, hieße aus Sicht der stolzen Dresdner, Eulen nach Athen zu tragen. Genau das war allerdings lange Teil des Problems. Nach zwei Jahren, in denen man der zweiten Mannschaft des FC Bayern näher war als der ersten, ist der achtmalige DDR-Meister nun immerhin wieder in der zweiten Liga angekommen. Und das auf einem Dresdner Sonderweg. Als „demokratischer Traditionsverein“ wird in einer Weise Wert auf die Teilhabe der Mitglieder gelegt, die man eher bei einem FC St. Pauli des Ostens vermutet hätte. Was zu einem konstruktiven Miteinander führen soll, endet zwar manches Mal im lähmenden Chaos.

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