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Dortmunds Derbyheld Sancho : „Ich liebe dich für immer“

  • -Aktualisiert am

Traurig-glücklicher Derbysieger: Jadon Sancho trifft nach einer für ihn schwierigen Woche. Bild: EPA

Der Spitzenreiter aus Dortmund verbreitet wenig schwarzgelben Glanz, gewinnt das Derby auf Schalke aber. Besonders emotional ist der Tag für den erst 18 Jahre alten Siegtorschützen des BVB.

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          Der Dortmunder Derbyheld, der der Borussia nach einem Doppelpass mit Raphael Guerreiro, den Siegtreffer zum 2:1 beschert hatte (74. Minute), war für einen schönen Augenblick glücklich und tieftraurig zugleich. Jadon Sancho, der 18 Jahre alte Londoner, streckte beide Arme gen Himmel und grüßte auf diese Weise seine Großmutter, die vor ein paar Tagen gestorben ist. Das Tor, sagte der jüngste Dortmunder Derbytorschütze später, habe er seiner Oma gewidmet. „Ich weiß, dass du von dort oben auf mich schaust und lächelst“, twitterte Sancho am Samstag, „ich liebe dich für immer.“

          Bundesliga

          Seine Dortmunder Wegbegleiter zogen, wie Sportdirektor Michael Zorc, „den Hut“ vor dem Engländer, der, das verriet Trainer Lucien Favre nach seinem ersten Derbysieg mit dem BVB, nach einer „schweren Woche unbedingt das Spiel auf Schalke machen wollte“. Wie cool Sancho das 2:1 im Duett mit seinem kongenialen Partner Guerreiro erzielte, allerdings unbedrängt von den Schalkern Rudy und Schöpf, verriet viel über die frühreife Professionalität des Dribbelkönigs mit der Aura des Jungmanns für die ganz besonderen Momente.

          Die Schwarzgelben feierten, als sie nach fünf Jahren ohne Sieg das erste Mal wieder in der Schalker Arena gewannen, noch einen weiteren Spieler des Tages: Thomas Delaney, den von Werder Bremen gekommenen Ab- und Aufräumer im Mittelfeld, der seinen ersten Pflichtspieltreffer für die Westfalen bejubelte. Unbehelligt von den Schalkern McKennie und  Sané plazierte Delaney nach Reus‘ Freistoß den Ball per Kopf zum frühen 1:0 ins Netz (7.). Die Fehler, die sich die Königsblauen beim 0:1 wie beim 1:2 leisteten, wiesen ziemlich deutlich darauf hin, warum die Dortmunder als derzeit unangefochtener Tabellenführer der Fußball-Bundesliga dem genauso populären Nachbarn um zwölf Plätze und 22 Punkte voraus sind.

          Auch an einem Tag, der nur wenig schwarzgelben Glanz verbreitete. Die paar gefährlichen Aktionen der Dortmunder in diesem chancenarmen Duell markierten dennoch einen substanziellen Unterschied zu den Schalker Bemühungen. Bis auf den Ausgleich zum 1:1 per Foulelfmeter (77.), als Reus den Fuß von Harit getroffen hatte, besaßen die Gelsenkirchener so gut wie keine Gelegenheit. Caligiuri nutzte seinen Moment, nachdem der Videoassistent Stegemann in Köln Schiedsrichter Siebert gebeten hatte, sich die von ihm zunächst nicht geahndete Szene noch einmal anzusehen.

          „Wir hatten wenig Power“, beklagte der Schalker Trainer Domenico Tedesco die fehlende Wucht im Spiel seiner Mannschaft, das auch darunter gelitten hatte, dass mit Guido Burgstaller der einzige zur Verfügung stehende Stürmer früh passen musste, weil dessen alte Achillessehnenbeschwerden nach einem Dortmunder Foul wieder aufbrachen (36.). Danach stand Tedesco ohne echte Spitze da, weil Burgstallers Kollegen Uth, Embolo und Di Santo schon seit längerem verletzt fehlen und der Rekonvaleszent Teuchert zwar auf der Bank saß, aber dem Trainer nicht wirklich fit genug für einen Einsatz schien.

          Also ließ Tedesco nach Burgstallers Abgang den gelernten Außenverteidiger Mendyl neben dem gelernten defensiven Mittelfeldspieler McKennie, der von vorherein als Aushilfsstürmer aufgeboten worden war, angreifen. Ohne Erfolg. Beide schossen nicht einmal aufs Tor. Konopljanka, der spät eingewechselte ukrainische Außenstürmer, passte an diesem Samstag nicht zu Tedescos 4-4-2-System mit Raute, in dem der Typ Außenangreifer nicht vorgesehen ist. „Es ist schon wichtig, einen schnellen Spieler zu haben, der die Tiefe attackiert“, versuchte sich Tedesco an einer Erklärung für seine Formation mit zwei zentralen, aber stumpfen Spitzen.

          Der Siegtreffer: Sancho schiebt den Ball zum 2:1 an Fährmann vorbei ins Netz. Bilderstrecke

          Die Dortmunder, zwischen dem 1:0 und 1:1 eher im Energiesparmodus unterwegs, begriffen den Strafstoßtreffer, wie Kapitän Reus später sagte, als „Weckruf, nachdem wir uns ein bisschen haben einschläfern lassen“. Nach einer kurzen Phase der Neuorientierung ließ der Tabellenführer einen Endspurt folgen, der auch in einen höheren Sieg hätte münden können, nachdem Reus und Sancho an Torhüter Fährmann gescheitert waren und Guerreiros Schuss den Pfosten getroffen hatte (85.). Am Ende hatte der BVB seinen Neunpunktevorsprung vor dem FC Bayern erfolgreich verteidigt, so dass die Borussia am kommenden Samstag bei einem Heimsieg über Werder Bremen die sogenannte Herbstmeisterschaft bejubeln könnte. „Wir können stolz auf unsere Mannschaft sein“, sagte Sportdirektor Zorc nach dem wichtigsten Prestigeerfolg der Saison, „heute fühlt es sich richtig gut an.“

          Das Gefühl, auf Schalke das deutlich bessere von zwei nicht über die Maßen inspirierten Teams gewesen zu sein, tauchte schließlich vieles bei den Siegern in ein mildes Adventslicht. Die Verlierer dagegen wissen beim Blick auf die Tabelle, wie unendlich lang der Weg zurück in die Gefilde werden kann, in die sie in der vorigen Saison zurückgekehrt sind. Platz zwei dürfte schon nach vierzehn Spieltagen außer Reichweite liegen. Ob es für die Schalker am Ende überhaupt zu einem Rang mit Zugangsberechtigung zu einem der beiden Europapokal-Wettbewerbe reicht, erscheint ziemlich zweifelhaft. Zumindest in der Champions League dieser Saison ist Tedescos Mannschaft auch in der K.o.-Phase noch dabei. Eine Aussicht, die am Samstagabend nach dem enttäuschenden Auftritt gegen den BVB wenig Tröstliches verhieß.

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