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Dortmund vor dem Bayern-Spiel : Ein bisschen Klopp für alle

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Ein Klopp für alle - auch das Maskottchen kriegt was ab Bild: dpa

Gleich, um welches Thema es auch geht - in Dortmund kommt man trotz Dede-Verletzung und Bayern-Spiel am Samstag am neuen Trainer nicht vorbei. Nun soll zudem Neuzugang Mohamed Zidan von der Fürsorge seines Ziehvaters aus Mainzer Tagen profitieren.

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          Fast ließe sich vermuten, ausnahmsweise stünde nicht Jürgen Klopp, der Trainer, bei Borussia Dortmund im Mittelpunkt. Immerhin ist Linksverteidiger Dede in dieser Woche am Kreuzband operiert worden, und Stürmer Mohamed Zidan wechselte im Tausch gegen Mladen Petric, den zuletzt erfolgreichsten BVB-Torjäger, von Hamburg nach Dortmund (und brachte fünf Millionen Euro Ablöse mit). Aber auch wer die Geschichte dieser Protagonisten des Fußball-Bundesligaklubs erzählen will, kommt an Klopp nicht vorbei.

          Dede, der erst in der Rückrunde wieder spielen kann, machte schon kurz nach dem Eingriff die Mediziner verrückt. Der brasilianische Patient wollte seine vorzeitige Entlassung erreichen. „Er hat Trouble mit den Ärzten, weil er das Spiel gegen Bayern München am Samstag im Stadion sehen will“, sagt Sportdirektor Michael Zorc.

          Klopp als Reha-Berater

          Was das mit Klopp zu tun hat? Auch der hatte als Spieler einmal einen Kreuzbandriss erlitten – und weist auf seine eigene Genesung hin. Er habe „nach viereinhalb Monaten wieder spielen können“, berichtet Klopp und stachelt Dede an, es noch ein wenig schneller zu schaffen. Der Brasilianer könne den Rekord brechen, jedenfalls wenn er so vernünftig sei, noch einige Tage im Hospital zu bleiben, sagt Klopp. Er selbst habe sich zu jener Zeit schon nach drei Tagen entlassen, um ins Stadion zu gehen – und sich prompt eine Infektion eingefangen.

          Am Samstag gibt es ein Wiedersehen: Jürgen Klopp und Jürgen Klinsmann (hier beim Testspiel im Juli)
          Am Samstag gibt es ein Wiedersehen: Jürgen Klopp und Jürgen Klinsmann (hier beim Testspiel im Juli) : Bild: dpa

          Auch bei dem Versuch, eine Krankheitsvertretung für Dede zu finden, führt kein Weg am Trainer vorbei. Zorc hat mit der Suche längst begonnen. Und Klopp sucht nicht nur mit; er lässt sich sogar in die Haftung nehmen, noch ehe sie sich auf einen Kandidaten geeinigt haben. In den wenigen Wochen beim BVB habe er schon bemerkt, dass Zorc unter einer Art Generalverdacht stehe. Wenn ein Transfer sich als Fehlgriff erweise, „kriegt’s meistens der Michael ab“.

          Klopp als Mitschuldiger

          Beim nächsten Mal nehme er, der Trainer, „fünfzig Prozent“ auf sich, „übrigens auch wenn es gutgeht“. Klopps nonchalante Art, einen bierernsten Fußballstandort mit Humor zu nehmen, belegt, wie souverän er mit den schwierigen Seiten des Geschäfts umzugehen weiß, obwohl er im großen Fußball – außer als Fernsehkommentator – noch nicht viel gewonnen hat.

          Wenn das sportliche Führungsduo Zorc/Klopp bis Ende des Monats, gleichbedeutend mit dem Ende der Transferperiode, keinen passenden Ersatz für Dede findet, nehmen sie eben den zwanzig Jahre alten Marcel Schmelzer, der gegen Bayern als erste Option gilt. „Ich vertraue ihm, sein Potential ist riesengroß“, sagt Klopp.

          Klopps Kinderriegel

          Ist das nicht riskant oder weckt zumindest Zweifel? Nicht, wenn der Trainer Jürgen Klopp heißt. Der junge Schmelzer wäre nicht der erste namenlose Profi, dem Klopp auf die Sprünge hülfe bei dem Versuch, ins Establishment vorzudringen. In diesem Sommer brachte er den neunzehn Jahre alten Innenverteidiger Neven Subotic aus Mainz nach Dortmund mit und veranlasste seinen neuen Arbeitgeber, rund fünf Millionen Euro Ablöse für den großen Unbekannten zu überweisen.

          Subotic hat sich fürs Erste gegen den kroatischen Nationalspieler Robert Kovac durchgesetzt und bildet gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Kompagnon Mats Hummels den sogenannten „Kinderriegel“.

          Klopp und sein Ziehsohn Zidan

          Vor ein paar Jahren hatte Klopp Mohamed Zidan groß rausgebracht. Seitdem sind der Lehrer und sein Schüler Gegenstand desselben Vorurteils. Skeptiker unterstellen ihnen, nur in ihrer Mainzer Komfortzone Besonderes geleistet haben zu können. Bevor Zidan quasi über Nacht zum BVB wechselte, hatte er in 41 Bundesligaspielen für Mainz 22 Tore erzielt – eine mehr als ordentliche Quote. Seine Versuche, in Bremen und Hamburg Fuß zu fassen, waren gescheitert.

          „Bei Werder Bremen wurde er einfach nicht gebraucht“, weil der Klub (zu) viele andere gute Stürmer im Aufgebot gehabt habe, sagt sein Mentor. Beim HSV indes habe Zidan „auch seiner flippigen Art wegen nicht mehr funktioniert“. Allerdings soll manch arrivierter HSV-Profi es ihm auch nicht gerade leichtgemacht haben.

          Noch immer fehlt Zidan mehr als nur ein „e“ zum Weltstar

          Zidan kommt zwar nicht heim nach Mainz, dafür aber zurück zu seinem Förderer Klopp. Vor dem Bayern-Spiel zeigt sich Zidan dankbar und tatendurstig. Als sich die Chance auftat, nach Dortmund zu wechseln, habe er seine Verwandten in Ägypten angerufen und sie aufgefordert, dafür zu beten, dass der Transfer zustande komme. Bei seiner Ankunft in Dortmund habe er dann „eine Gänsehaut bekommen“.

          Unter Klopp zu kicken bedeutet für Zidan etwas ganz anderes, als Profi in Hamburg, Bremen oder sonst irgendwo zu sein. Klopps Motivation setze viel Energie und Kraft frei. „Ich habe große Lust, für ihn zu spielen“, sagt der 26 Jahre alte Ägypter, den der Trainer für einen „außergewöhnlichen Stürmer“ hält.

          An Selbstbewusstsein fehlt es Zidan nicht. Mit Stolz übernahm er von Petric das Trikot mit der Nummer 10. „Das war immer meine Traumnummer. Zidane hat sie für Frankreich ja auch getragen.“ Im Vergleich zu diesem Weltstar jedoch fehlt dem Dortmunder mehr als nur ein Buchstabe.

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