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Vergehen bei Dortmund-Spiel : DFB ermittelt gegen Reus

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Marco Reus ist derzeit schon gesperrt – und hat dennoch Ärger mit dem DFB. Bild: dpa

Erst sieht Marco Reus beim Derby-Drama Rot und wird gesperrt. Dann verspielt Dortmund fast alle Chancen auf den Titel. Nach dem Spiel in Bremen kommt nun auch noch Ärger mit dem DFB hinzu – aus einem kuriosen Grund.

          Kapitän Marco Reus von Borussia Dortmund droht aus ungewöhnlichem Grunde eine Geldstrafe. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag bestätigte, hat der Kontrollausschuss ein Ermittlungsverfahren aufgenommen, weil der rotgesperrte Reus während des Spiels bei Werder Bremen am Samstag (2:2) entgegen der Vorschriften auf einem Stuhl neben der BVB-Bank gesessen hatte. Entsprechende Medienberichte bestätigte ein DFB-Sprecher am Montag in Frankfurt am Main.

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          „Der Verein beziehungsweise der Spieler sind im ersten Schritt angeschrieben und zu Stellungnahmen zu dem Vorgang aufgefordert worden“, teilte der DFB mit. Nun sei „wie gewohnt der weitere Verlauf des Verfahrens“ abzuwarten. In den Durchführungsbestimmungen des DFB heißt es in Paragraf 23: „Auf der Ersatzspielerbank an der Seitenlinie dürfen nur das technische und medizinische Personal sowie alle Auswechselspieler Platz nehmen (...) Nicht auf der Ersatzspielerbank Platz nehmen dürfen Personen, denen (...) als Spieler eine Sperre auferlegt worden ist.“

          Nach seiner Roten Karte im Derby gegen Schalke 04 (2:4) wird Reus auch gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) noch aussetzen müssen. Am letzten Spieltag bei Borussia Mönchengladbach ist der 29-Jährige wieder spielberechtigt. Ob es dann noch um die Meisterschaft geht, ist fraglich. Öffentlich kapitulieren wie nach dem Derby-Drama wollte Lucien Favre am Wochenende zwar nicht. Richtig glauben sie beim BVB nach dem nächsten Tiefschlag im Titelrennen der Fußball-Bundesliga an die neunte Meisterschaft aber nicht mehr. „Wir sind keine Träumer“, sagten Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Favre nach dem 2:2 inr Bremen unabhängig voneinander. Vor den letzten beiden Spielen sind die Chancen auf die Meisterschale auf ein Minimum gesunken.

          Dass in Claudio Pizarro ein langjähriger Bayern-Profi den Münchnern wohl den Weg zur 29. Meisterschaft ebnete, war für den BVB mehr als eine bittere Pointe. Es war eine Woche nach dem Derby-Drama gegen Schalke die nächste Breitseite. „Das tut unglaublich weh“, klagte Mittelfeldspieler Julian Weigl und Zorc räumte ein: „Natürlich ist Bayern absolut in der Pole Position und hat die heute noch ausgebaut.“ Der Rekordmeister zog auf vier Punkte davon.

          Favre, der aus der Emotion heraus schon nach der Derby-Pleite aufgesteckt hatte, verpackte seine Enttäuschung diesmal im verbalen Gleichklang mit Zorc geschickter. Ein Realist ist der Schweizer aber schon immer gewesen. Zwar haben die Bayern mit den Partien beim Pokalfinalisten Leipzig und gegen den Vierten Frankfurt das schwierigere Restprogramm als der BVB. Die Westfalen aber müssen gegen die wackeren Düsseldorfer und im Prestigeduell bei Borussia Mönchengladbach zweimal siegen. Die Bayern brauchen hingegen nur noch zwei Punkte für den Titel.

          Die Durchhalteparolen einiger Dortmunder nach der abermaligen Enttäuschung klangen somit verdächtig nach Pflicht-Aussagen für die Fans. „Das ist doch unsere Verpflichtung, unsere Aufgabe. So lange rechnerisch noch alles möglich ist, alles dafür zu tun“, sagte Zorc nun und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke versuchte am Sonntag, die Spannung hochzuhalten. „Ich bin davon überzeugt, dass es noch nicht zu Ende ist und die Entscheidung erst am letzten Spieltag fällt“, sagte Watzke den „Ruhr-Nachrichten“: „Der Rest Hoffnung verschwindet erst, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist.“ Die Spieler ließen eher durchblicken, was auch der neutrale Beobachter vermutete: Das war’s. „Es fühlt sich an, als wäre es vorbei“, gestand Dortmunds früherer Bremer Thomas Delaney und Weigl meinte: „Rein rechnerisch bleibt es möglich, aber realistisch wird es sehr, sehr schwer.“ Der BVB hätte eine deutlich greifbare Titelchance haben können. Das 2:2 in Bremen war so unnötig wie das 2:4 im Derby.

          Taktisch schien der BVB von seinem introvertierten Trainer bestens eingestellt. Alles lief nach Plan, bis eben die Emotionen ins Spiel kam, mit denen Favre anscheinend so gar nicht umgehen oder sie erläutern kann. „Wie kriegen manchmal ein Tor, bei dem man sagen kann, es war ein individueller Fehler. Aber das ist nicht immer der Fall. Ich analysiere das ein wenig anders. Nicht heute komplett, aber insgesamt die letzten Wochen“, sagte Favre recht wirr. Selbst Werder-Kollege Kohfeldt runzelte in dem Moment die Stirn.

          Hilfe von außen bekamen die Borussen, in dem Moment, in dem das Spiel kippte, nicht mehr. Stattdessen brachten zwei krasse individuelle Fehler Dortmund wohl endgültig um die Chance auf den Titel. Keeper Roman Bürki ließ einen unplazierten Schuss von Kevin Möhwald durch die Beine gleiten und vor dem emotionalen Höhepunkt beim Ausgleich von Pizarro verweigerte Manuel Akanji gegen Ludwig Augustinsson jeglichen Klärungsversuch. „Extrem ärgerlich“, motzte Zorc über die unerklärlichen Patzer. Und irgendwie auch über die nur noch geringe Titelchance – die ist nicht minder unerklärlich, hat aber auch ein Gesicht: Das von Pizarro, der schon im DFB-Pokal den Titeltraum des BVB beendet hatte. „Ich versuche immer Tore zu machen gegen jeden Gegner“, sagte der Peruaner und grinste verschmitzt. Dass der FC Bayern ihm als Meister und Pokalsieger lieber als der BVB ist, verneinte Pizarro nicht.

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