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Behandlung von Hinteregger : Eintracht Frankfurt in Aufregung

  • -Aktualisiert am

Kein Spiel wie jedes andere: Martin Hintereggers Einsatz gegen Hoffenheim zieht Fragen nach sich. Bild: EPA

Die Nationale Anti-Doping-Agentur überprüft die Behandlung von Martin Hinteregger. Etwaige Vorwürfe weisen die Frankfurter mit Nachdruck zurück. Probleme gibt es auch bei der Verpflichtung von Bas Dost.

          Die Frankfurter Fußballprofis beschäftigten am Dienstag im internen Kreis offenbar ganz andere Dinge. „Das war kein Thema in der Kabine“, sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode auf Nachfrage. Der 28-Jährige, der nach dem Vormittagstraining für ein Gespräch im Pressekonferenzraum der WM-Arena zur Verfügung stand, brachte außerdem zum Ausdruck, dass er in dieser Angelegenheit kein Problem sehe. Die Ärzte wüssten doch, „was auf der Nada-Liste steht“, hob Rode hervor. Aus Sicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) bestehe aber Handlungs- und Klärungsbedarf, was die medizinische Behandlung des Frankfurter Verteidigers Martin Hinteregger in dessen Verletzungspause während des Heimspiels am vergangenen Sonntag gegen Hoffenheim (1:0) angehe.

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          Zu sehen war eine Viertelstunde vor Spielschluss, wie Hinteregger von einem Eintracht-Mitarbeiter etwas in die Hand gedrückt worden war. Anschließend steckte sich der 26 Jahre alte Österreicher etwas in den Mund. Nun prüft die Nada, ob der Abwehrspieler womöglich mit unerlaubten Mitteln behandelt worden ist. In diesem Fall hätte er gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen. Am Dienstag musste er sich deshalb einem Doping-Test unterziehen. Nun stehen die Nada, die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und die Eintracht zur Aufklärung des Sachverhalts miteinander in Kontakt. Solange die Untersuchungen andauern, sollen keine Angaben zu dem Fall gemacht werden.

          Ein Sprecher der Eintracht sagte am Dienstag, dass Hinteregger ein „Kohlenhydrate-Gel“ erhalten habe. Nach einem Zweikampf hatte sich der Österreicher vor Schmerzen am Boden gekrümmt. In einer ersten Reaktion deutete er seine Auswechslung an. Er habe einen richtigen Stich gespürt, „ich dachte, es ist etwas kaputt“, berichtete Hinteregger hinterher. Wie sich herausstellte, hatte er nur einen Krampf in der Wade – zum ersten Mal in seiner Karriere, weshalb er die Bedeutung der Symptome zunächst nicht habe einschätzen können.

          Der „Doc“ habe ihm daraufhin „eine Nadel gesetzt“, so formulierte es Hinteregger direkt nach dem Spiel. Der Defensivspieler sei „akupunktiert“ worden, das habe den Krampf schnell gelöst, hieß es zur Erklärung des Sachverhalts am Dienstag aus der Medienabteilung des Klubs. Danach habe Hinteregger Kohlenhydrate und Magnesium erhalten. Der österreichische Nationalspieler konnte so die Begegnung bis zum Schlusspfiff fortsetzen. Nach Einschätzung der Frankfurter werde ein Thema „aufgeblasen“, das keines sei. Etwaige Vorwürfe wiesen die Frankfurter mit Nachdruck zurück.

          Für Cheftrainer Adi Hütter, der von der Vereinigung der Vertragsfußballer zum „Trainer der Saison 2018/2019“ gewählt wurde und am Dienstag mit einer Trophäe in Frankfurt geehrt wurde, war es „ein Schockmoment“, als er Hinteregger auf dem Rasen liegen sah. Nach dem Abpfiff war der Fußballlehrer „froh, dass Martin heil aus dem Spiel gekommen ist“. Mit seiner Zweikampfstärke und hohen Einsatzbereitschaft ist der Verteidiger, der es in kurzer Zeit zum Publikumsliebling gebracht hat, aus der Mannschaft kaum wegzudenken. Bas Dost hingegen müsste sich seine Meriten in Frankfurt erst noch erwerben.

          Den Transfer des 30 Jahre alten Stürmers von Sporting Lissabon an den Main hatten die Frankfurter am zurückliegenden Samstag voller Hoffnung für den Wochenanfang in Aussicht gestellt. Doch auf dem Weg zur Finalisierung des Wechsels sind augenscheinlich Komplikationen aufgetreten, die das Geschäft jetzt in Frage stellen. Sporting Lissabon ließ am Dienstag auf seiner Homepage verlautbaren, dass „kurzfristige finanzielle Forderungen des Spielers“ den Weggang des Niederländers zur Eintracht aktuell verhindern würden. Zwar stünde das Management des portugiesischen Erstliga-Vereins nach wie vor „für eine Win-win-Vereinbarung zur Verfügung“, hieß es. Die „Interessen von Sporting“ werde es jedoch „konsequent und kompromisslos verteidigen“. Die Agentur „Think forward“, die die Verhandlungen für Dost führt, wies die Behauptung über neue finanzielle Forderungen als falsch zurück.

          Nach Angaben des 22-maligen portugiesischen Meisters hat der Spieleragent von Dost den Klub vor etwa einer Woche darüber informiert, dass die Eintracht den 1,96 Meter großen Angreifer verpflichten wolle und dass sein Spieler wechselwillig sei. Zudem sei man sich mit den Hessen bereits handelseinig geworden. Zudem soll zwischen beiden Vereinen Klarheit über die Transfermodalitäten herrschen. Die Rede ist von einer Ablösesumme in Höhe von rund neun Millionen Euro.

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          Aber nun sind die Frankfurter offenbar davon abhängig, dass auch Dost und dessen Berater Übereinkunft mit Sporting erzielen. Das ist der Knackpunkt, der den Deal verzögert und im schlimmsten Fall sogar platzen lassen könnte, sofern in der Sache keine Kompromisse gefunden werden. Zeit haben die Hessen jedoch keine. Bis zum späten Mittwochabend müsste die Eintracht Dost nachnominieren, will sie ihn für die beiden Play-off-Spiele gegen Racing Straßburg in der Europa League-Qualifikation in ihren Kader aufnehmen. Zumindest für das Rückspiel am Donnerstag in einer Woche in Frankfurt wäre der Offensivspieler dann ein Kandidat für einen Einsatz. Und nicht irgendeiner. „Wir haben einen Torjäger gesucht. Und Bas ist einfach ein Torjäger“, sagte Hütter. „Wir wollten einen großen Spieler haben, der in der Box gefährlich ist und der entsprechend Erfahrung hat. Wenn Bas kommt, haben wir eine Lücke geschlossen.“ Momentan ist dessen Verpflichtung ein Wettlauf gegen die Zeit.

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