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Eintrachts Dominik Kohr : Immer auf dem Gaspedal

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Immer unterwegs: Dominik Kohr sieht sich als Profi zwischen den Strafräumen, als sogenannter Box-to-Box-Player. Bild: Reuters

Dominik Kohr hat bei Eintracht Frankfurt seinen Weg gefunden, trotz Startschwierigkeiten: Er schont weder sich noch die Gegner. Und sein Aktionsradius ist groß.

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          Am Dienstag hatte der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic zwei Gesprächspartner außerhalb der Geschäftsräume des Fußball-Bundesligaklubs: Torhüter Kevin Trapp und Außenbahnspieler Timothy Chandler. Nachdem die beiden Eintracht-Profis ihre morgendliche Trainingsarbeit in der WM-Arena erledigt hatten, ging der eine Büromappe in der Hand haltende Bobic mit ihnen über einen der Übungsplätze.

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          An dessen Ende verharrten alle drei im Eck zu einer längeren Gesprächsrunde. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt. Dominik Kohr hingegen gab wenig später im Pressekonferenzraum der WM-Arena Einblick in die Gespräche mit Bobic, von denen es in den zurückliegenden Monaten einige gegeben hat – und die ihm dabei geholfen haben, nach Startschwierigkeiten seine Leistung im Saisonverlauf zu steigern. „Fredi hat mir immer gesagt, dass ich alles mit Ruhe aufnehmen und weiter Gas geben soll“, berichtete Kohr.

          Auch im ersten Pflichtspiel nach der vierwöchigen Urlaubszeit beim 0:1 im Achtelfinal-Rückspiel in Basel am 6. August präsentierte sich der Mittelfeldspieler in ansprechender Verfassung. Als einer der wenigen Eintracht-Profis auf dem Platz stemmte er sich mit Hingabe gegen das Aus in der Europa League. Kohr im Kampfmodus war ein Vorbild.

          Den Ansprüchen von Kohr entsprach das nicht. Aber der Mittelfeldspieler, den die Eintracht für knapp zehn Millionen Euro von Bayer Leverkusen verpflichtet hatte, nahm sich in Frankfurt trotz seiner dritten Bundesliga-Station eine längere Anlaufzeit. Er hatte zu viele Durchhänger. Spiele, in denen seine Fehlerquote zu hoch war und in denen er seiner Form sprichwörtlich hinterherlief. Erst nach der Zwangspause durch die Corona-Pandemie fand Kohr besser zu seinem Spiel. Warum? Wahrscheinlich habe ihm das wochenlange Heimprogramm einfach gutgetan.

          „Es lag jedoch nicht am Fahrradprogramm zu Hause, dass ich explodiert bin“, sagte er und grinste. Der 26-Jährige mit dem Spitznamen „Hard-Kohr“ zeigte nun auch gute fußballerische Ansätze. Mit seiner Übersicht und seinen Ideen belebte er das Offensivspiel. Und sein Zweikampfverhalten war von der Robustheit, die jedem Gegenspieler den Spaß am Spiel raubt. Kohr bestimmte im Mittelfeld mit seiner Präsenz den Takt und sorgte – wie beim 4:1 bei Hertha BSC – für Stabilität. Eine Überraschung war dessen verbesserte Form für Hütter nicht, hält er ihn doch besonders spielerisch für unterschätzt.

          Geht keinem Zweikampf aus dem Weg: Frankfurts Dominik Kohr
          Geht keinem Zweikampf aus dem Weg: Frankfurts Dominik Kohr : Bild: dpa

          Die Anpassungsschwierigkeiten in Frankfurt konnte sich Kohr anfangs nicht so recht erklären. Später ließ der gebürtige Trierer durchblicken, dass er die „Ideen“ des Trainers erst einmal habe verstehen und verinnerlichen müssen. „Mit den Trainingseinheiten habe ich immer mehr das Vertrauen des Trainers bekommen“, sagte er am Dienstag. Er musste an sich arbeiten. Den Willen zur konsequenten Defensivarbeit aufbringen, so wie es Hütter von ihm verlangt. Profis wie Kohr, zu dessen Pflichten die weiten Wege zählen, sind für jede Mannschaft wichtig. Er darf keinem Zweikampf aus dem Weg gehen und muss diesen seinem Naturell entsprechend führen.

          „Ich gehe in jeden Zweikampf mit hundert Prozent“ – das ist ein Leitsatz von Kohr in eigener Sache. Ein anderer lautet: „Ich bin ein Spieler, der gerne von Box zu Box geht.“ In den Duellen Mann gegen Mann vor Angst zurückzuziehen, das ist nicht seine Sache. Zwei Platzverweise hat Kohr in der abgelaufenen Runde hinnehmen müssen – einmal bekam er die Gelb-Rote Karte im Europa-League-Spiel beim FC Arsenal (0:3), das andere Mal die Rote im Aufeinandertreffen auswärts mit Mainz 05 (1:2). Danach war Kohr für zwei Spiele gesperrt. Der Ruf, ein Treter zu sein, haftet ihm jedoch nicht an.

          Momentan kann sich Kohr seines Platzes im defensiven Mittelfeld ziemlich sicher sein. Nachdem Gelson Fernandes, Lucas Torró, Jonathan de Guzman und Mijat Gacinovic die Eintracht verlassen haben, verfügt Hütter mit Sebastian Rode und Stefan Ilsanker insgesamt nur über drei mit defensiven Aufgaben betrauten Mittelfeldspieler. Deshalb ist noch mit einer Neuverpflichtung für dieses Arbeitsgebiet zu rechnen. Aber selbst ohne Verstärkung sähe Kohr die Eintracht in der neuen Bundesliga-Saison gut aufgestellt. „Wir sollten auf jeden Fall die internationalen Plätze angreifen.“

          Das sei auch mit dem „aktuellen Kader möglich“, meint er. Kohr möchte dazu beitragen, dass der Verlust an Führungsspielern wie Fernandes nicht weiter ins Gewicht fallen wird. Er könne sich „gut vorstellen, Verantwortung zu übernehmen. Gerade auf der Sechser-Position. Das ist eine Position, auf der ich nach vorne und zur Seite die Spieler pushen kann. Auch mit den hinteren Spielern steht man immer in Kontakt“, beschrieb er seinen großen Aktionsradius.

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