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Darmstadt-Trainer Dirk Schuster : „Unser Ziel ist nicht, abzusteigen und das Geld mitzunehmen“

  • -Aktualisiert am

„Auch ein bisschen genießen“: Dirk Schuster (Mitte) inmitten der Anhänger seines gallischen Fußball-Dorfes aus Südhessen Bild: Wonge Bergmann

Tickt im Hinterkopf schon wieder die Zweite Liga? Natürlich nicht, sagt Dirk Schuster. Im FAZ.NET-Interview spricht der Baumeister des Darmstädter Bundesliga-Wunders über den Start ins Abenteuer, Taktiken auf dem Transfermarkt und den Kampf gegen das System.

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          Hatten Sie Zeit für Urlaub? Konnten Sie abschalten nach dem Aufstieg, nach dem ganzen Trubel?

          Abschalten ist vielleicht das falsche Wort. Wir haben versucht, alles zu realisieren und zu verarbeiten, und da haben wir ein paar Tage dafür gebraucht, zumal wir auch noch ein anstrengendes Regenerations-Trainingslager auf Mallorca hatten (lacht). Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, jeder Einzelne hat es auf seine Art genossen. Jetzt können wir wieder mit neuen Kräften an neue Aufgaben herangehen.

          Drei Aufstiegshelden sind weg, drei der besten Spieler, Romain Bregérie (nach Ingolstadt), Hanno Behrens (Nürnberg) und Leon Balogun (Mainz). Wie passt das zu dieser wunderbaren romantischen Aufstiegsgeschichte? Sind Sie enttäuscht von diesen Spielern?

          Nein. Das sind die ganz normalen Gesetzmäßigkeiten im Fußball. Diese wunderschöne Aufstiegsgeschichte hat halt auch mit sich gebracht, dass man bei anderen Vereinen Begehrlichkeiten weckt. Und dann sind wir eben wirtschaftlich chancenlos nach 33 Jahren ohne erste Liga. Es ist das Normalste der Welt, dass ein Spieler zu einem Verein geht, der das Doppelte oder Dreifache bezahlen kann.

          Balogun und Bregérie hatten nur Ein-Jahres-Verträge, war das ein Fehler?

          Für einen Verein wie uns sind Vertragslaufzeiten ein zweischneidiges Schwert. Bregérie war mit Dynamo Dresden aus der zweiten Liga abgestiegen, ich hatte ihn gegen Saisonende in vier Spielen gesehen, und er hat mir nicht so gut gefallen, er hat nicht gut gespielt. Ich wusste aber auch, dass er zuvor zwei Jahre lang sehr gute Leistungen gebracht hatte. Dann ist die Frage: Kann er an seine alte Leistung anknüpfen? Oder spielt er so weiter wie zu Saisonende? Balogun war arbeitslos, Düsseldorf wollte ihn nicht mehr, er hatte sich den Mittelfuß gebrochen. In beiden Fällen war das eine Abwägung zwischen Chance und Risiko, wir haben bei beiden die Chance gesehen, wollten aber im Falle des Scheiterns nicht das Risiko eingehen, die Spieler länger auf der Gehaltsliste zu haben. Ein Verein wie wir kann sich das nicht leisten.

          Aufwachen, es ist Bundesliga! Das Darmstädter Trainerteam bei der ersten Übungseinheit für die neue Saison
          Aufwachen, es ist Bundesliga! Das Darmstädter Trainerteam bei der ersten Übungseinheit für die neue Saison : Bild: dpa

          Sie sind am Samstag mit vierzehn Spielern in die Vorbereitung gestartet, davon zwei Torhüter. Wie geht es weiter, welche Taktik haben Sie auf dem Transfermarkt?

          Sobald auf dem Transfermarkt etwas Interessantes für uns dabei ist, wirtschaftlich, charakterlich und sportlich, dann greifen wir zu. Aber wenn wir derzeit Interesse an einem guten Spieler haben, und ein anderer, etablierter Verein findet diesen Spieler ebenfalls interessant, dann brauchen wir unseren Hut gar nicht erst in den Ring zu werfen, dann haben wir keine Chance.

          Die Fans warten händeringend auf den ersten Namen.

          Wir alle brauchen Geduld – wie in den vergangenen Transferperioden auch, da sind wir einmal mit zehn Spielern in die Vorbereitung gegangen und einmal mit zwölf. Die Situation ist für uns also nicht neu. Wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Spielern, das Anforderungsprofil ist klar: deutschsprachig, das Niveau, in der Bundesliga spielen zu können, charakterlich zu uns passend. Wir müssen genau hinschauen.

          Wir haben nicht, wie andere, 15 Schüsse, von denen sieben oder acht treffen müssen. Wir haben nur sieben oder acht Schüsse, und da müssen halt sechs oder sieben sitzen. Der Transfermarkt ist noch total überhitzt, aber er wird von Tag zu Tag interessanter für uns, die Vereine kaufen Spieler hinzu, vergrößern ihre Kader, und dann fällt immer wieder einer hinten herunter, manche verzocken sich, und irgendwann sind Spieler dann auch bereit, den Preis zu senken, und erst dann wird es für uns richtig interessant.

          Nikolce Noveski, zuletzt in Mainz, Patrick Ochs, zuletzt in Wolfsburg, und Torhüter Patric Klandt vom FSV Frankfurt sind mit Darmstadt in Verbindung gebracht worden.

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