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Darmstadt-Trainer Dirk Schuster : „Unser Ziel ist nicht, abzusteigen und das Geld mitzunehmen“

  • -Aktualisiert am

Noveski ist ein interessanter Mann, ganz klar, an ihm haben wir, sagen wir mal so: kein Desinteresse. Auch Klandt ist ein interessanter Spieler, der eine neue Herausforderung sucht. An Ochs ist nichts dran.

Ihre Prognose: Wie wettbewerbsfähig wird die Mannschaft sein, mit der Sie in die Saison gehen?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir überhaupt nicht konkurrenzfähig, mit vierzehn Spielern brauchten wir logischerweise gar nicht anzutreten. Aber wir haben Zeit, wir sind dabei, Verstärkung zu holen, wir sind in guten Gesprächen und hoffen, dass sich qualitativ sehr gute Spieler für uns entscheiden, Spieler, die irgendwo anders nicht zurechtkommen und es als Chance sehen, bei uns in der Bundesliga im Schaufenster zu stehen. Ich bin sehr optimistisch, dass wir am ersten Spieltag eine konkurrenzfähige Mannschaft haben werden.

Sie werden weiterhin auch Sportlicher Leiter sein. Ist das überhaupt machbar in der Bundesliga?

Ich bin damit nicht allein in Darmstadt, wir fangen das mit dem kompletten Trainerteam ab, zudem ist Tom Eilers, ein Jurist, für vertragliche Angelegenheiten da. Aber prinzipiell sind wir natürlich auch offen für zusätzliche Unterstützung. Ob in dieser Richtung noch etwas passiert, werden die nächsten Wochen zeigen.

Ein Mann, ein Hut: Schuster bei der Aufstiegsfeier im Mai
Ein Mann, ein Hut: Schuster bei der Aufstiegsfeier im Mai : Bild: dpa

Sie werden mit dem kleinsten Etat in die Saison gehen, mit den schlechtesten Trainingsbedingungen, einem winzigen, maroden Stadion. Klingt, als würde man versuchen, mit einem Tischtennisschläger Tennis zu spielen. Das kann ja eigentlich nicht funktionieren.

Ja, wir schießen mit Spatzen auf Kanonen, aber wir waren auch in der zweiten Liga das gallische Dorf mit dem kleinsten Etat und sind nach oben durchmarschiert. Niemand hätte uns das zugetraut. Wir wissen, dass wir in der Lage sind, aus sehr bescheidenen Mitteln viel herauszuholen. Und jetzt werden wir in der Bundesliga alles versuchen, um die Relegation oder sogar einen sicheren Platz zu erreichen, wohl wissend, dass viele Vereine in der Bundesliga mit uns nur zu vergleichen sind wie Äpfel mit Birnen.

Ihr Stürmer Marco Sailer meinte, die mittelalterlichen Bedingungen am Böllenfalltor könnten für Darmstadt auch ein Plus sein, quasi ein Kulturschock für die Gegner.

Ich glaube schon, dass der ein oder andere etwas verwundert schauen wird, wenn er das erste Mal in unsere Gästekabine kommt. Aber natürlich werden die Trainer der gegnerischen Mannschaften ihre Spieler auf diese speziellen Darmstädter Bedingungen vorbereiten. Letztlich haben wir nur eine Chance, wenn wir wieder als Team funktionieren, wenn wir wieder unsere Darmstädter Tugenden abrufen können: Bereitschaft, Willensstärke, Kampfkraft. Wir brauchen nicht damit anzufangen zu versuchen, mit diesen Mannschaften Fußball zu spielen. Dann würde es bitter für uns werden, das wissen wir. Wir müssen versuchen, die Gegner mit unseren Tugenden zu beeindrucken. Die Bundesliga wird eine riesige Herausforderung für uns, ganz hartes Brot, aber wir sind bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen.

Die Fans der „Lilien“ könnten sich Schuster gut und gerne auch als Trinkgenossen vorstellen
Die Fans der „Lilien“ könnten sich Schuster gut und gerne auch als Trinkgenossen vorstellen : Bild: Wonge Bergmann

Tickt im Hinterkopf die zweite Liga? Dass man dort auf Dauer bestehen kann? Dass man vielleicht sogar ein bisschen Geld mit zurücknimmt im Falle des Abstiegs?

Unser Ziel kann es nicht sein, wieder in die zweite Liga abzusteigen, aber wenigstens Geld dorthin mitzunehmen. Wir haben jetzt ein Jahr erste Liga vor uns, und dieses Jahr wollen wir auch ein bisschen genießen. Klar, rein logisch gedacht, rein realistisch gesehen, sind wir in der nächsten Saison wieder Zweitligist, aber ganz Ähnliches hatte man uns letzte Saison auch gesagt: Rein logisch gesehen, werdet ihr wieder in die dritte Liga absteigen. Wir haben uns gegen diese Gesetzmäßigkeit zur Wehr gesetzt, unter extrem schwierigen Voraussetzungen, und diese Situation haben wir jetzt wieder, nur noch härter, noch brutaler, weil auf der Gegenseite jetzt noch viel mehr Qualität ist. Aber für uns alle geht auch ein Riesentraum in Erfüllung, diesen Traum wollen wir leben.

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