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Dietmar Hopp im Gespräch : „Die Champions League war nie unser Ziel“

  • Aktualisiert am

Dietmar Hopp: 1899 Hoffenheim ist abhängig von seinem Mäzen Bild: dpa

Dietmar Hopp wird vorgeworfen, seine Machtposition bei 1899 Hoffenheim zu missbrauchen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der Mäzen über Ansprüche, seine Millioneninvestitionen und die Unwissenheit im Umfeld.

          Ist Hoffenheim mit dem Gustavo-Transfer am Ende seiner Aufstiegsgeschichte angekommen?

          Es ist das Normalste in der Fußballwelt, dass sich Spieler, die sich so gut entwickeln wie Gustavo, von einem kleineren Verein nicht mehr zu bezahlen sind. Ich weiß nicht, warum es jetzt als Sündenfall gesehen wird, dass wir Transfererlöse machen, die wir auch dringend brauchen. Die Spieler bekommen Gehälter angeboten, die weit über dem liegen, was wir bezahlen können. Auch Werder Bremen gibt seit Jahren immer wieder seine besten Spieler ab. Die Besten gehen, und Neue kommen nach, das gilt auch für uns. Diejenigen, die sich jetzt aufregen, ohne die Hintergründe zu begreifen, die ignoriere ich einfach.

          Welche Hintergründe?

          Ich meine die wirtschaftlichen. Das „Uefa Financial Fairplay“, das vorsieht, dass Verluste von Vereinen nur noch sehr begrenzt von Mäzenen ausgeglichen werden dürfen. Diese Regelung beginnt von diesem Sommer an zu greifen, die erste Monitoring-Periode ist die nächste Saison. Die beiden nächsten Spielzeiten dienen dann als Maßstab, ob ein Verein 2014/15 noch die Zulassung zu einem europäischen Wettbewerb bekommt. Ab 2018 werden private Kapitalgeber nur noch 1,7 Millionen Euro pro Saison zuschießen dürfen. Der Rest muss durch operative Erlöse bestritten werden. Ich sage Ihnen voraus, das wird in Italien, Spanien und England ziemlich heftig werden. Die Notwendigkeit zu handeln verstehen heute viele noch nicht. Die sagen: Der Hopp, der zieht jetzt Rendite aus dem Verein. Das ist aber Unsinn. Ich werde den Verein weiter finanziell unterstützen müssen, und ich werde das gern tun, aber eben vor dem Hintergrund, dass ich weiß, wir müssen ans rettende Ufer kommen.

          Wie hoch sind die Verluste, die Sie pro Saison ausgleichen?

          Ich will keine Summe nennen, aber ich kann sagen, dass wir Probleme mit der Lizenzierung bei der Uefa bekommen hätten, wenn wir so weitergemacht hätten wie in den vergangenen drei Jahren.

          Die DFL prüft, ob der Gustavo-Transfer im Einklang mit der 50+1-Regel stattfand, die vorsieht, dass nicht Kapitalgeber, sondern Vereinsgremien entscheiden.

          Wir sind doch nicht blöd. Seit mindestens zwei Jahren ereifert sich Herr Watzke von Borussia Dortmund, dass wir gegen diese Regel verstoßen würden. Und wir tun natürlich alles, dies nicht zu tun. Wenn das ein Problem wäre, dann hätte ich ja auch sagen können: Kommt liebe Hoffenheimer, ich bin bereit, in die Geschäftsführung einzutreten ohne Gehalt. Dann könnte kein Mensch mehr etwas dagegen sagen. Aber eine solche Konstruktion brauchen wir nicht, weil ich mich definitiv nicht so einmische, dass es gegen die 50+1-Regelung verstoßen würde. Der Verkauf von Gustavo war total abgestimmt mit Sportdirektor Tanner und der Geschäftsführung. Ich war lediglich in die Gespräche eingebunden, weil ich mit den Bayern gut bekannt bin. Dass Rummenigges gutgemeinte Aussage, er habe mit mir so angenehm verhandelt, zu einem Aufschrei führte, na ja, damit kann ich leben.

          Ist mit Gustavo und Trainer Rangnick auch der Anspruch dahin, mit Hoffenheim die Champions League zu erreichen?

          Vielleicht habe ich einmal gesagt, wie schön es wäre, in der Champions League zu spielen, aber ernsthaft hatten wir diesen Anspruch nie. Die Champions League war nie unser Ziel, dafür sind wir als Verein nicht groß genug.

          Viele meinten, Sie würden sich im Fußball nicht zufriedengeben, ohne auch international eine Rolle zu spielen.

          Ich sehe unseren Status quo als großen Erfolg. Es ist phantastisch, dass mein Heimatverein in der ersten Liga spielt. Das war unser Ziel, das haben wir erreicht, und wenn wir sportlich tatsächlich mal an den internationalen Plätzen schnuppern sollten, dann wäre das zusätzlich ein riesiger Erfolg. Vielleicht gibt es Leute, die jetzt bitter enttäuscht sind, weil wir Gustavo verkauft haben und auf die Wirtschaftlichkeit schauen. Die haben gedacht, das geht ewig weiter, aber das geht es nicht, wie ich schon ausführlich erläutert habe.

          Wenn Sie sagen, Sie wollten den Verein unabhängig von sich machen – bedeutet das: unabhängig von Ihrem Geld oder unabhängig von Ihrem Einfluss?

          Der Verein ist nur wirtschaftlich von mir abhängig – das zu ändern ist nach wie vor mein Ziel.

          Sie haben den Gustavo-Transfer auch mit „menschlicher Rücksichtnahme“ begründet. Man wolle dem Spieler seine große Chance nicht verbauen. Das klingt sehr populistisch. Warum haben Sie nicht rein wirtschaftlich argumentiert?

          Weil es bei Gustavo tatsächlich eine menschliche, eine sehr persönliche Komponente gab, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, die aber ernstzunehmen war. Man hätte das weglassen können, aber ich finde, man braucht sich nicht dafür zu schämen.

          Demba Ba hat sich flugs geweigert, mit ins Trainingslager zu fahren. Er will nun auch weg, argumentiert, das sei nur menschlich. Haben Sie da eine Lawine losgetreten?

          Ich glaube nicht. Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun. Die Geschichte mit Ba hat sich schon vor Weihnachten angedeutet. Ba ist vor zwei Jahren schon einmal so aufgetreten, als er nach Stuttgart wollte.

          Wie werden Sie darauf reagieren?

          Gar nicht. Ernst Tanner hat schon reagiert. Ba wird sich noch wundern.

          Wie viel Geld haben Sie im Lauf der Jahre in den Verein gesteckt?

          170 Millionen, diese Zahl habe ich einmal genannt, aber in dieser Summe sind Stadion und Trainingszentrum enthalten. Den Zuschuss zum Spielbetrieb habe ich nie beziffert, das will ich auch nicht tun. In den letzten beiden Jahren ist zu diesen 170 Millionen noch eine kleine Summe hinzugekommen. Fragen Sie mich nicht, wie groß die ist.

          Das Gespräch führte Michael Eder.

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