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Ärger bei Gladbach-Trainer : Der seltsame Interview-Abbruch des Dieter Hecking

  • Aktualisiert am

„Ich muss wirklich aufpassen, was ich sage“: Gladbach-Trainer Dieter Hecking Bild: EPA

Zuletzt wurde bekannt, dass Dieter Hecking die Borussia nach dieser Saison verlassen muss. Nach dem Spiel gegen Bremen liegen beim Gladbacher Trainer die Nerven blank. Eine genauere Erklärung zu seinem Ärger gibt es erst am Tag danach.

          Am Ende war Dieter Hecking verärgert. Über den verpassten Sieg über Werder Bremen, über Nachfragen zur Mannschaft, das Interview mit dem TV-Sender Sky brach er sogar ab. Dabei hätte der Trainer von Borussia Mönchengladbach eigentlich zufrieden sein können. Seine neu formierte Mannschaft hat mit neuem System eine stark verbesserte Leistung gezeigt, aber halt nur 1:1 gespielt. Insgesamt ist dem Coach die Enttäuschung über sein vorzeitiges Aus zum Saisonende deutlich anzumerken. Für die verbesserte Leistung gibt es einige Gründe, für Heckings Ärger auch.

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          Neues System: Hecking hat sich von seiner traditionellen 4-3-3-Ordnung verabschiedet und mit Dreierkette verteidigen lassen. Dafür waren Personalwechsel notwenig. Raffael kehrte nach fünf Monaten in die Startelf zurück, auch Christoph Kramer war wieder gefragt. „Es war wichtig, dass wieder mehr Leidenschaft kommt. Das war heute die richtige Wahl“, sagte der Mittelfeldspieler, der eine starke Leistung gezeigt hat.

          Personalwechsel: Der Trainer musste für die Systemumstellung Stammpersonal opfern. Oscar Wendt, der einzige Feldspieler, der alle Spiele in dieser Saison von Beginn an absolvierte, blieb erstmals auf der Bank. Und auch Kapitän Lars Stindl zählte nicht zur Anfangsformation. „Das war eine meine schwersten Entscheidungen, weil er auch mein verlängerter Arm in die Mannschaft ist. Aber er hat seine Leistung in den letzten Wochen nicht mehr so abgerufen, wie ich es mir gewünscht hätte. Das weiß er aber auch selbst.“

          Heckings Situation: Nach der Entscheidung von Max Eberl, zum Saisonende den Trainer zu wechseln, sitzt die Enttäuschung bei Hecking verständlicherweise tief. „Die Woche war schon heftig, weil es so überhaupt nicht geplant war. Das ist eine Entscheidung von Max Eberl, die ich so zu akzeptieren habe. Ich muss niemandem etwas beweisen, ich muss nur mir etwas beweisen“, sagte Hecking. „Ich habe hier immer mit Loyalität und mit viel, viel Inbrunst gearbeitet und das mache ich auch bis zu dem Tag, an dem die Borussia sagt, dass es vorbei ist. Alles andere wäre unprofessionell.“

          „Natürlich hat mich das alles schwer getroffen. Das ist alles auch noch sehr frisch“, erklärte Hecking. Auch seine persönliche Lebensplanung müsse er nun neu ordnen. „Es war nicht geplant, Borussia im Sommer 2019 zu verlassen. Ich hatte eigentlich für die Zukunft andere Planungen“, meinte der Coach. „Nun möchte ich etwas hinterlassen, worauf der Nachfolger aufbauen kann“, sagte Hecking. In Marco Rose hat der Klub den neuen Chefcoach wohl schon gefunden, diese Verpflichtung aber noch nicht offiziell bestätigt.

          Ein Interview mit dem TV-Sender Sky nach dem Spiel brach er verärgert ab und verließ die Interviewzone. Reporter Marcus Lindemann hatte wiederholt nach der sportlichen Situation von Borussia-Kapitän Lars Stindl gefragt. Der Mittelfeldspieler war erst in der Schlussphase eingewechselt worden. „Ich muss wirklich aufpassen, was ich sage“, erklärte Hecking in der anschließenden Pressekonferenz und wurde dann etwas nebulös: „Das hat andere Gründe, warum ich stinksauer bin. Das hat nichts mit hier vor Ort zu tun. Aber das gehört jetzt hier nicht hin.“

          Erst am Montag erklärte Hecking, was genau ihn stinksauer gemacht habe. Im TV-Studio habe der Experte und Trainerkollege Ewald Lienen von einer enttäuschenden Leistung der Hecking-Mannschaft gesprochen und dass man mehr erwartet hätte. „Wir haben das im Telefonat geklärt und damit ist es auch gegessen“, sagte Hecking dem TV-Sender Sky. Am Sonntag im Interview selbst hatte Hecking noch den Eindruck vermittelt, als gefielen ihm die Fragen von Lindemann nicht. Ironisch hatte er dabei auf die Frage nach Stindl erklärt: „Wissen Sie, das ist genau der Journalismus, den ich mag, dass man jetzt wieder versucht, über Einzelne zu sprechen.“ Als der Reporter nochmal nachhakte, ging Hecking einfach. In der Pressekonferenz später sagte Hecking zu Stindl: „Das war eine meiner schwersten Entscheidungen, weil er mein Kapitän ist.“ Der Trainer wies darauf hin, dass der Spielführer zuletzt nicht seine normale Form erreicht habe.

          Hazards Wechsel: Offensivspieler  Thorgan Hazard steht nach einem „Kicker“-Bericht unmittelbar vor einem Wechsel zu Borussia Dortmund. Der 26 Jahre alte Belgier soll dem BVB bereits sein Wort gegeben haben, wie das Fachmagazin am späten Sonntagabend auf seiner Onlineseite berichtete. Hazard hat in Gladbach einen Vertrag bis Sommer 2020. Weil er offenbar nicht bereit war, sein Arbeitspapier langfristig zu verlängern, soll der Flügelstürmer in diesem Sommer verkauft werden. Laut „Kicker“ könnte die Ablöse mit Nach- und Bonuszahlungen bei etwa 40 Millionen Euro liegen. Beim BVB würde Hazard, der in dieser Bundesliga-Spielzeit schon neun Tore erzielt hat, auf Christian Pulisic folgen, der den Verein in diesem Sommer verlässt und für eine Ablösesumme von 64 Millionen Euro zum FC Chelsea wechselt.

          Das Spiel: Die Gladbacher fühlten sich sichtlich wohl im neuen System und kamen durch einen Treffer von Florian Neuhaus in der 49. Minute zum verdienten Führungstreffer. „Wir haben alles reingeworfen. Wir hätten früher auf das 2:0 gehen müssen. Wir haben gut gespielt, das 1:1 ist frustrierend“, befand Nationalspieler Matthias Ginter. Die Bremer kamen am Ende besser ins Spiel und schafften in der 79. Minute durch Davy Klaassen den Ausgleich. „In der Summe ein Spiel, das in beide Richtungen ausgehen kann. Es war ein tolles Fußballspiel mit zwei Mannschaften, die einen spielerischen Ansatz haben“, meinte Werder-Coach Florian Kohfeldt.

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