https://www.faz.net/-gtm-12ey8

Die Weltmeister von 1990 : Der Fluch des Titelgewinns

  • -Aktualisiert am

Weltmeister und Gescheiterte: Die Helden von 1990 wie Matthäus und Klinsmann (hinten) haben Pech im Beruf Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Jürgen Klinsmann ist das jüngste Beispiel für das Scheitern der Weltmeister von 1990. Fast alle wollten im Fußballgeschäft bleiben, fast alle tun sich damit schwer. Außer Rudi Völler hat kaum einer sein Glück als Trainer, Teamchef oder Sportdirektor gefunden.

          4 Min.

          Willkommen im Klub: Nun gehört auch Jürgen Klinsmann zum Kreis der als Fußballtrainer, Teamchefs oder Sportdirektoren vorerst gescheiterten Weltmeister von 1990. Ihre Karriere abseits des Rasens ist 19 Jahre nach dem glanzvollen Auftritt in Italien getrübt von herben Rückschlägen. Am Tag, als der FC Bayern seinen Reformer vor die Tür setzte, gehörten mit Ausnahme von Rudi Völler die ehemaligen Stars Lothar Matthäus (Maccabi Netanja), Pierre Littbarski (FC Vaduz), Jürgen Kohler (VfR Aalen), Thomas Häßler (1.FC Köln) als Christoph Daums Technik-Trainer und Andreas Brehme, beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zuständig für die Kinder-Aktion „1000 Mini-Spielfelder“, längst der zweiten oder gar nur dritten Reihe an.

          Klaus Augenthaler, Guido Buchwald und Stefan Reuter sind arbeitslos und auf Jobsuche, seit sie in Wolfsburg, Aachen und vom TSV München 1860 entlassen wurden. Thomas Berthold hat nach einem einmaligen Missverständnis als Manager von Fortuna Düsseldorf nicht weiter an einer zweiten Karriere gebastelt. Bodo Illgner, als Torwart ohnehin Außenseiter, hatte als einziger römischer Weltmeister erst gar nicht eine zweite Laufbahn im operativen Fußballgeschäft angestrebt.

          Lattek:„Sie setzen als brillante Fußballer zu viel voraus“

          Udo Lattek, als Spieler nur auf Regionalliga-Niveau, zusammen mit dem ehemaligen Amateur-Nationalspieler Ottmar Hitzfeld aber der erfolgreichste deutsche Klubtrainer, glaubt zu wissen, warum Stars von einst – den „außerirdischen“ Franz Beckenbauer natürlich ausgenommen – scheitern. „Sie setzen als brillante Fußballer zu viel voraus und vernachlässigen das permanente Üben der Grundelemente. Trainieren ist Kärrnerarbeit.“

          Der einzige Alt-90er, der sich auf seinem Posten hält: Sportdirektor Rudi Völler
          Der einzige Alt-90er, der sich auf seinem Posten hält: Sportdirektor Rudi Völler : Bild: dpa

          Die hatten die Weltmeister schon bei der eigenen Ausbildung zum Fußballlehrer nicht nötig. In einem sogenannten Crashkurs, übrigens von Klinsmann angeregt, schulte Gero Bisanz 2000 verdiente Nationalspieler, darunter der Initiator selbst sowie unter anderem Brehme, Buchwald, Kohler, Littbarski und Reuter, für das Trainer-Diplom des DFB – in 240 statt der üblichen 560 Unterrichtsstunden.

          Matthäus musste in Israel bleiben

          Lothar Matthäus holte Versäumtes nach. Der deutsche Rekordnationalspieler wurde als Teamchef von Rapid Wien entlassen, mit Partizan Belgrad Meister von Serbien-Montenegro, besiegte mit Ungarn im Jubiläumsspiel fünfzig Jahre nach dem „Wunder von Bern“ Deutschland 2:0, schaffte aber die WM-Qualifikation für 2006 nicht. Nach einem kurzen Abenteuer in Brasilien und der vorzeitigen Entlassung an der Seite Giovanni Trapattonis in Salzburg drückte Matthäus vor einem Jahr zwei Monate lang in einem Sonderlehrgang die Schulbank. Beim damaligen Chefausbilder des DFB, Erich Rutemöller, bestand Matthäus im Mai 2008 die Prüfung zum lizenzierten Fußballlehrer.

          Wann immer südlich des Mains eine Stelle vakant wurde, hatte sich Matthäus ins Gespräch gebracht, in Frankfurt, in Nürnberg und zuletzt bei München 1860: „Wenn jemand meint, dass ich helfen kann, wird er sich bei mir melden.“ Lattek hält Matthäus für einen exzellenten Trainer. „Wenn ich Präsident wäre, würde ich Lothar sofort nehmen.“ Doch der neue starke Mann bei den „Löwen“, Miroslav Stevic, stellte sofort klar: „Solange ich bei 1860 Sportdirektor bin, wird hier kein Trainer mit roter Vergangenheit beschäftigt.“ Matthäus musste in Israel bleiben, wo er mit Netanja an vierter Stelle steht und um einen Platz für die neue Europa League kämpft.

          Weitere Themen

          England zeigt es den schottischen Nachbarn

          EM-Prognose : England zeigt es den schottischen Nachbarn

          Wer gewinnt an diesem Freitag? Die EM-Prognose zeigt, dass England im Duell mit Schottland im Wembleystadion ganz klarer Favorit ist. Enger ist es bei den anderen beiden Spielen des Tages.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.