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Münchner Ergebniskrise beendet : Die Vier-Tore-Antwort der Bayern

Man sah Männer aus München, die sich in den Armen lagen Bild: dpa

Das 4:0 gegen Leverkusen scheint ein Beleg für Nagelsmanns These zu sein, dass der FC Bayern zuvor nur seine Chancen nicht nutzte. Doch was sind vier Tore gegen diesen Gegner wirklich wert?

          2 Min.

          Auf diesen Moment musste man in München lange warten. Man sah Männer mit Lederhosen, die sich in den Armen lagen. Man sah Frauen in Dirndl, die sich das anschauten. Man sah Menschen, die endlich feiern durften. Man spürte Volksfest-Vibes. So ist das also, wenn der FC Bayern wieder in der Bundesliga siegt.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Am Freitagabend hat der FC Bayern 4:0 gegen Bayer Leverkusen gewonnen – und im Herbst 2022 ist das wirklich ein Satz mit Nachrichtenwert. Es ist, inklusive Länderspielpause, schon fast sechs Wochen her, seit die Bayern in der Bundesliga ein Spiel für sich entschieden haben. So eine Serie reicht schon – Siege in der Champions League (2:0 gegen Inter Mailand und den FC Barcelona) hin oder her –, um in München von einer kleinen Krise sprechen zu können. Am Freitag setzte Trainer Julian Nagelsmann mit seiner Mannschaft fürs Erste ein wirksames Gegenmittel ein: Vier Tore in der eigenen Arena.

          Bundesliga

          Später am Abend saß Nagelsmann dort auf dem Podium im Presseraum und sagte: „Wir haben die Torchancen besser genutzt.“ Wir, das waren in diesem Spiel Leroy Sané (3. Minute), Jamal Musiala (17.), Sadio Mané (39.) und Thomas Müller (84.). Und was sagte Nagelsmann über sich selbst, nachdem er vor der Länderspiel noch angekündigt hatte, „über alles“ nachdenken zu wollen? „Ich habe nichts anders gemacht.“ So spricht ein Trainer, der in den 90 Minuten davor einen Beleg für seine These gefunden zu haben glaubte.

          Chancenverwertung war das Problem

          Am Tag vor dem Spiel hatte Nagelsmann in seiner Pressekonferenz vorgetragen, dass seine Mannschaft in den vier sieglosen Spielen 93 Torschüsse gesammelt habe. „Wir haben ein paar Situationen nicht so genutzt, wie wir es nutzen können“, sagte er. „Wir haben ein paar Torabschlusssituationen nicht so gestaltet, wie wir sie gestalten sollten.“ So geht seine These: Die Gründe für die vier sieglosen Spiele sind weder in der Struktur noch im System zu finden, sondern in der Chancenverwertung. Es sprechen mehrere Gründe dafür, dass seine These stimmt, aber an diesem Abend sprach auch ein Grund dagegen: der Gegner.

          So unterlegen wie Leverkusen war in dieser Saison wohl noch keine Mannschaft in München. Beim 0:1 sprintete Musiala dem Linksverteidiger Mitchel Bakker davon. Beim 0:2 rutschte der Ball dem Torhüter Lukáš Hrádecký unter dem Arm durch. Beim 0:3 durfte Mané an der Strafraumgrenze aus dem Stand schießen. Und beim 0:4 rutschte Hrádecký aus. „Das, was nicht passieren darf, ist, dass du früh in Rückstand geraten darfst“, sagte Trainer Gerardo Seoane. „Das ist leider passiert.“

          Zufriedener Trainer Nagelsmann: „Wir haben die Torchancen besser genutzt.“
          Zufriedener Trainer Nagelsmann: „Wir haben die Torchancen besser genutzt.“ : Bild: dpa

          So fehlte dem Spiel die Spannung, weswegen man immer weder in die Südkurve schauen konnte. Dort hatten die Fans des FC Bayern mehrere Banner vorbereitet. Auf einem stand: „Staatsbesuche, Trainingslager, Tausende Tote für WM-Jubel… Besser geht‘s nur den eigenen Gewissen, Uli H.!“ Damit kritisierten die Fans Uli Hoeneß, den Ehrenpräsidenten und Aufsichtsrat der Bayern, der neulich in der „Sport1“-Sendung Doppelpass angerufen hatte, um auf den Fortschritt der Arbeitsbedingungen in Qatar hinzuweisen.

          Auf einem anderen stand: „Solidarity with the Feminist Revolution in Iran“. Solidarität mit der feministischen Revolution in Iran. Das zeigten sie, als der iranische Nationalspieler Sardar Azmoun, der für Leverkusen spielt und die Proteste in seiner Heimat unterstützt, eingewechselt wurde. Auf dem Rasen machte Azmoun – anders als mit seinen politischen Statements auf seinem Instagram-Account – keinen Unterschied. Er war machtlos gegen den niederländischen Innenverteidiger Matthijs de Ligt, der an diesem Abend sein Spiel für den FC Bayern machte. „Sehr, sehr gut“, sagte Nagelsmann später, „der stabile Spieler, den wir uns erhofft haben.“

          Am Dienstag geht es für Nagelsmann und seine Mannschaft, der Thomas Müller und Joshua Kimmich mit positiven Corona-Tests vorerst fehlen, in der Champions League (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) gegen Pilsen weiter. Und solange? Ach ja, Oktoberfest ist ja auch noch.

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