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Eine Mannschaft aus Verletzten : Der Dortmunder Patient

  • -Aktualisiert am

Ein Trainer muss improvisieren: Die Sorgenfalten bei Jürgen Klopp werden größer. Bild: dpa

Borussia Dortmund leidet unter seinen Verletzten. Auf einmal ist sogar Spielmacher Gündogan eine Hoffnung. „Es ist dramatisch, wie viel Qualität wir verletzungsbedingt nicht auf dem Platz haben können“, sagt Sportdirektor Zorc.

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          Borussia Dortmund wirkt im Frühstadium der Saison wie ein überfülltes Wartezimmer, in dem es immer wieder heißt: „Der Nächste, bitte!“ Jüngst war Henrich Mchitarjan „der Nächste“. Auf der Rückfahrt vom Bundesligaspiel in Mainz befielen den Mittelfeldstrategen so starke Schmerzen, dass er nach der Ankunft einen Arzt aufsuchte. Danach wussten die Dortmunder: Auch Mchitarjan wird ausfallen, voraussichtlich vier Wochen wegen eines „knöchernen Bandausrisses“ in der rechten Fußwurzel, den er kurz vor dem Abpfiff erlitten hatte.

          So muss der BVB vor dem Heimspiel an diesem Mittwoch (Anstoß: 20 Uhr, live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) gegen den VfB Stuttgart einen weiteren Leistungsträger ersetzen. Kapitän Mats Hummels und dessen erster Vertreter Marco Reus führen derzeit nur die Mannschaft an, die aus Spielern besteht, die verletzt oder noch nicht fit genug für ein Comeback sind. Dazu gehören auch Nuri Sahin, Jakub Blaszczykowski, Oliver Kirch, Dong-Won Ji und immer noch Ilkay Gündogan. „Es ist dramatisch, wie viel Qualität wir verletzungsbedingt nicht auf dem Platz haben können“, sagt Michael Zorc, der Sportdirektor des BVB. „Aber wir haben nie gejammert und werden das auch jetzt nicht tun.“

          Statt zu jammern, hoffen sie lieber - so etwa auf eine baldige Rückkehr Gündogans. Schon spekulierten die Boulevard-Medien sogar darüber, dass es gegen Stuttgart zu einer Art „Not-Comeback“ kommen werde. Das wäre eine Sensation - und wird so nicht eintreten. „Er muss so lange trainieren, dass alle überzeugt sind, dass es so weit ist“, sagte Trainer Jürgen Klopp am Mittwoch. Es wäre auch schwer vorstellbar, dass schon genug Substanz vorhanden ist, um eine Rückkehr in den Wettkampf zu riskieren. Auch Zorc zeigt sich zurückhaltend, wenn er darauf angesprochen wird.

          Gerade bei Gündogan scheint Vorsicht geboten. Der Dreiundzwanzigjährige hatte schon einige Male feststellen müssen, dass der Heilungsverlauf zu optimistisch eingeschätzt wurde - und dann Rückschläge erlitten. Der Deutschtürke hat wegen eines Rückenproblems seit vierzehn Monaten kein Spiel bestritten. „Der Tag, an dem Ilkay zurückkommt, wird ein großartiger Tag für alle sein“, sagte Klopp nun.

          Seit vierzehn Monaten nicht mehr auf dem Platz: Ilkay Gündogan

          Die Dortmunder hatten ihr Aufgebot bewusst für viel Geld verstärkt, um für Engpässe gewappnet zu sein. Zuletzt hatten sie sogar Shinji Kagawa von Manchester United zurückgekauft, um ihre Kreativabteilung zu erweitern. Solange Reus und Mchitarjan ausfallen und Gündogan noch nicht fit ist, bleibt der Japaner als Lenker auf sich allein gestellt. Ein Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, dessen schwankende Leistungen zuweilen Zweifel wecken, ist mehr denn je gefragt. Auch der vielseitige Kevin Großkreutz wird gebraucht, gerade wenn improvisiert werden muss. „Wir sind für jeden Spieler dankbar, den wir jetzt im Kader haben“, sagt Zorc.

          Noch kann Dortmund eine Elf auf den Rasen schicken, die Außergewöhnliches zu leisten vermag wie vor einer Woche beim 2:0 gegen Arsenal London. Aber viele Ersatzspieler von Format hat Klopp nicht mehr zur Verfügung - sein Bank-Guthaben ist arg geschrumpft. Das ist die Folge einer unheilvollen Mischung aus Verletzungen und Folgen der Weltmeisterschaft. Normalerweise sei es so früh in der Saison kein Problem, alle drei Tage zu spielen, sagt Zorc, „aber einige Profis sind nach der WM aufgrund einer verkürzten Vorbereitung noch nicht bei hundert Prozent“.

          Erlitt zuletzt einen Außenbandanriss Sprunggelenk: Marco Reus

          Also sei es schwieriger als sonst, „die Belastung auf viele Spieler zu verteilen“. Genau das war beabsichtigt. Es gelingt aber nur auf wenigen Positionen so gut wie etwa bei den Stürmern: Mal spielt Ciro Immobile, dann wieder Adrian Ramos. In Mainz wurde Kagawa im Laufe der Partie gegen Mchitarjan ausgetauscht. Solche Luxuswechsel können die Dortmunder kaum noch vornehmen. Ähnlich wie Bayern und Schalke müssen sie eine Weile improvisieren. Unter diesen Umständen erscheint sogar ein Gegner wie der Tabellenletzte Stuttgart als schwer zu nehmende Hürde. „Das wird ein gefährliches Spiel“, sagt Zorc. Gefährliches Spiel - dieser Ausdruck enthält in Dortmund derzeit viele Facetten.

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