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Konstanz im Trubel : Unabsteigbare Bundesliga

  • -Aktualisiert am

Der haushohe Favorit heißt wie immer Bayern München. Bild: dpa

Skandale in den Verbänden. Fernsehmarkt zersplittert. Transfersummen ins Unermessliche gestiegen. Fußball als Dauerthema selbst in der Sommerpause. Ist der Fußball durch nichts zu zerstören?

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          Vielleicht irren sich die Skeptiker. Führt die Warnung vor „zu viel Fußball“ in Wahrheit in die Irre? An Zahlen lässt sich nicht belegen, dass die Dauerberieselung irgendwelche Spuren hinterlassen hat. Der Confed Cup etwa belehrte alle eines Besseren. Als unnötiger Wettbewerb deklariert, der in der Sommerpause auf nur geringes Interesse stoßen werde, übertrafen die Einschaltquoten dann alle Erwartungen, wobei vor allem das überaus positive Abschneiden des deutschen Teams dazu beitrug. In diesem Sog und aus den gleichen Gründen wurde auch die U-21-EM viel stärker wahrgenommen als in der Vergangenheit.

          Ist der Fußball durch nichts zu zerstören? Bislang konnte noch keiner der gewaltigen Skandale in der Fifa oder in der Uefa der Erfolgsgeschichte des Fußballs etwas anhaben. Dabei haben sich die Verbände doch alle Mühe gegeben. Streikende Profis, die ihren Wechsel erzwingen wollen, randalierende Ultras, ja selbst der Transferirrsinn dieses Sommers scheint diese Sprengkraft nicht zu besitzen.

          Einen Spielerwechsel für eine Ablösesumme von 222 Millionen Euro hielt die Branche zwar bislang für komplett unrealistisch, aber ist er deswegen tatsächlich obszön? Und vor allem – ist er obszöner als Transfers für 80 oder 90 Millionen Euro, an die man sich ja schon gewöhnt hat? Waren auch das nicht schon abstoßende Summen, die jeden Fußballfan verschrecken mussten?

          So wenig Auszeit wie in diesem Sommer hat sich der Fußball noch nie genommen. Die vorhergesagte Hektik auf dem Transfermarkt war noch größer als gedacht, auch wenn sich die angebliche Gefahr einer exorbitanten Preisentwicklung wegen des neuen chinesischen Marktes nur als kleines Störfeuer erwies. Dafür scheint zum einen zu viel Geld im europäischen Markt, und zum anderen schob der chinesische Verband mit seinem „Entwicklungsfonds“, in den ein Betrag in Höhe der Ablöse für ausländische Stars eingezahlt werden musste, einem völlig ausufernden Handel einen Riegel vor.

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          Die Schlagzeilen in den Wochen und Monaten seit dem letzten Bundesligaspieltag der vergangenen Saison haben aber dazu geführt, dass andere Themen bislang in den Hintergrund gedrängt worden sind. Erstmals wird eine Schiedsrichterin Spiele leiten, dazu führt die Bundesliga den Videobeweis ein. Aber die Diskussion darüber hielt sich in Grenzen. Sie wird, da es an diesem Freitag endlich losgeht, nun ebenso aufflammen wie das Klagen über die zersplitterten Spieltage, die nun um jeweils fünf Spieltermine am Sonntag um 13.30 Uhr und am Montag um 20.30 Uhr erweitert werden.

          Vermutlich wird auch der Fernsehmarkt Anlass zu Meckerei bieten: Der gewohnte Fingertipp auf die Fernbedienung muss variiert werden, sofern tatsächlich alle nötigen Abos erworben worden sind. Mit dem Fernsehbeweis, mit Bundesligaspielen bei Sky und der Sky-Konferenz bei der Telekom, auf dem Eurosport Player, bei der ARD und dem ZDF sowie Zusammenfassungen des Internetstreamers Dazn und bei RTL Nitro hat ein neues Zeitalter begonnen.

          Ob sich die Fans, wie oft angekündigt, deshalb lieber dem unterklassigen Amateurfußball zuwenden, wo man sich eine Bratwurst und ein Bier noch ohne Chipkarte kaufen kann und wo sich vor dem Eintritt niemand einer Leibesvisitation unterziehen muss? Nach den ersten Spieltagen in der Bundesliga wird die Rückfallquote hoch sein, das lässt sich aus Erfahrung voraussagen.

          In jedem Fall ist fast nichts mehr so, wie es war. Die anscheinend unaufhaltsame Verdrängungswelle des Fußballs wird so zu einem noch größeren Problem für alle anderen Sportarten in Deutschland werden. Und nur in einer Hinsicht braucht sich in dieser Bundesligasaison niemand großartig umzustellen: Der haushohe Favorit heißt wie immer Bayern München.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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