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Schalke gegen Augsburg : Die Null steht, der Klassenverbleib ist sicher

  • -Aktualisiert am

Bemüht, aber erfolglos: Schalke und Nassim Boujellab quälen sich zu einem torlosen Unentschieden gegen Augsburg. Bild: EPA

Mit dem Minimalergebnis eines torlosen Unentschiedens sichert sich Schalke 04 gegen die ebenfalls geretteten Augsburger endgültig den Klassenverbleib. Wichtiger aber sind Entscheidungen des Aufsichtsrats.

          Eigentlich war die beeindruckende Choreographie, die die Schalker Nordkurve vor dem trostlosen 0:0 gegen den FC Augsburg präsentierte, als etwas verspätete Würdigung des vor drei Monaten verstorbenen Managers Rudi Assauer gedacht. „Malocher, Macho, Manager“ stand auf einem gigantischen Transparent. Doch das Bild, das die Fans dazu hissten, kann auch als Botschaft an die Verantwortlichen der Zukunft betrachtet werden, über die immer mehr Details bekannt werden.

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          Mit dem lässig über die Schulter gelegten Uefa-Pokal blickte der gemalte Assauer auf das graue Schalke der Gegenwart – man konnte daraus lesen, dass das königsblaue Volk sich dringend Verantwortliche mit Charisma und feinem Gespür für die Führung solch eines komplizierten Klubs mit all seinen inneren Kräften, Emotionen und auch Verrücktheiten wünscht.

          „Zum Fremdschämen“

          Anschließend schaffte das Team nach 90 Minuten Langeweile endgültig den Klassenverbleib. „Das war unsere Aufgabe, damit sind wir zufrieden. Das Wie ist nicht so wichtig“, sagte Trainer Huub Stevens, und der Augsburger Kapitän Daniel Baier erklärte: „Das war zum Fremdschämen auf beiden Seiten, unterstes Niveau.“

          Das Publikum diskutierte da längst über die Namen der Herren, auf deren Schultern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ruht: David Wagner soll der neue Trainer werden, Markus Krösche ist dem Vernehmen nach die Wunschlösung der Vereinsführung für das Amt des Sportdirektors, diese Personalien sind am Sonntag bereits vom Aufsichtsrat diskutiert worden. Wobei die Lage im Fall von Krösche nicht so einfach ist. Der Sportdirektor ist das Master Mind hinter dem gegenwärtigen Erfolg des SC Paderborn, wo er in der vorigen Saison eine schwer beschädigte Mannschaft so klug umbaute, dass sie in die zweite Liga aufstieg und nun gute Chancen auf den direkten Durchmarsch in die Bundesliga hat. Auch RB Leipzig soll an dem erfolgreichen Fachmann interessiert sein, der den Paderborner Erfolg auf keinen Fall durch irgendwelche Unruhen um seine Person gefährden möchte.

          Nach dem geglückten Klassenerhalt will Schalke 04 zeitnah über die künftigen Personalien auf den Posten des Trainers und des Sportdirektors informieren, wie der Verein am Sonntagnachmittag bestätigt hat. Demnach habe es am Sonntag eine Sitzung des Aufsichtsrates gegeben. Dabei seien Entscheidungen getroffen worden. Wann genau diese verkündet werden, ist allerdings noch offen. Als heißester Anwärter auf den Trainerposten gilt der ehemalige Huddersfield-Teammanager David Wagner. Schalkes "Jahrhunderttrainer" Huub Stevens, der für den entlassenen Domenico Tedesco eingesprungen war, steht nach der geglückten Mission Klassenerhalt wie angekündigt nicht mehr zur Verfügung.

          Auch Reschke im Gespräch

          Etwas überraschend kursierte auf Schalke am Wochenende zudem die Nachricht, dass Michael Reschke als Kandidat für das Amt eines Technischen Direktors in Frage kommt. Der bestens vernetzte Kaderplaner arbeitete lange bei Bayer Leverkusen (2004-2014), wechselte dann zum FC Bayern, bevor er ab 2017 als Hauptverantwortlicher beim VfB Stuttgart angestellt war. Unbeantwortet ist die Frage, welche Rolle Reschke an der Seite Krösches einnehmen könnte, womöglich will der Klub vor dem Hintergrund der Unwuchten im derzeitigen Kader zwei Transferexperten mit der künftigen Personalplanung beauftragen.

          Sollten Wagner, Krösche und Reschke tatsächlich kommen, hätte Sportvorstand Jochen Schneider, der sein schwieriges Amt Ende Februar vom zurückgetretenen Christian Heidel übernommen hat, eine komplexe Herausforderung bewältigt. Der 49 Jahre alte Funktionär stand vor der schwierigen Aufgabe, die wichtigen Personalien miteinander abzustimmen. Er verfolgte den Vorsatz, keinen neuen Trainer zu verpflichten, ohne diese Schlüsselpersonalie mit dem neuen Sportdirektor besprochen zu haben und umgekehrt. Daher musste er viel im Konjunktiv kommunizieren, jetzt scheint er eine gute Lösung gefunden zu haben, auch wenn noch niemand die Personalien kommentieren wollte. „Als Aufsichtsrat darf ich mich nicht äußern“, sagte Trainer Huub Stevens, als er nach Wagner gefragt wurde, wobei sein Lächeln wie eine heimliche Bestätigung wirkte.

          Wagner ist Top-Kandidat

          Wagner ist in den vergangenen Monaten bei vielen Vereinen im Gespräch gewesen, nachdem er in England mit dem Außenseiterklub Huddersfiled Town in die Premier League aufgestiegen war und im folgenden Jahr einen sensationellen Klassenverbleib geschafft hatte. Zuvor hatte er in der Jugendabteilung von Borussia Dortmund gearbeitet und, ganz wichtig, für Schalke gespielt: Wagner gehörte dem legendären Eurofighter-Team an, das 1997 den Uefa-Pokal gewann, den Assauer einst auf der Schulter trug.

          Der Neue auf Schalke? David Wagner.

          Sogar ein Tor hat Wagner damals geschossen, beim 2:2 in der ersten Runde gegen Roda Kerkrade. Als Trainer hat er den Ruf eines Pragmatikers, in Dortmund ließ er einen intensiven Pressing- und Balleroberungsfußball spielen, in Huddersfield eher einen schlichten Stil mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte. Den FC Schalke kann und muss er nun mehr oder weniger neu erfinden.

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