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Bundesliga-Relegation : Die HSV-Uhr tickt langsamer

  • -Aktualisiert am

Nicht zu fassen: Der HSV wandert am Abgrund Bild: AP

Hamburg rückt an den Abgrund. Nach dem torlosen Unentschieden im Relegations-Hinspiel müssen die Hamburger am Sonntag in Fürth eine schwere Probe bestehen. Greuther Fürth war das bessere Team.

          3 Min.

          Bestens eingestellt und sehr selbstbewusst hat sich Greuther Fürth die Favoritenrolle für den letzten verbleibenden Platz in der Fußball-Bundesliga erspielt. Beim Hamburger SV erreichte die Mannschaft von Trainer Frank Kramer am Donnerstagabend ein verdientes 0:0-Unentschieden - ja, der clevere Zweitligavertreter aus Franken war einem Tor und dem Sieg näher als die zittrigen Norddeutschen. Vor allem der kosovarische Stürmer Illir Azemi erschreckte die löchrige Hamburger Deckung Mal um Mal. Der HSV hingegen hatte seine erste Torchance durch Lasogga in der 65. Minute.

          Es sieht nun gut aus für die Franken. Im Rückspiel am Sonntag (17.00 Uhr / Live in der ARD und F.A.Z.-Liveticker) können sie die Relegation 2014 für sich entscheiden und zum zweiten Mal nach 2012 in die Bundesliga aufsteigen. Der Bundesliga-Sechzehnte HSV ist nach diesem Remis dem ersten Abstieg aus dem Oberhaus einen Schritt näher gekommen.

          „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, aber heute noch nicht zugebissen. Das wollen wir am Sonntag nachholen“, sagte Fürth-Coach Frank Kramer. „Bis jetzt ist noch nichts erreicht. Aber wir haben gezeigt, dass wir das Zeug dazu haben“, betonte Torhüter Wolfgang Hesl.

          Mit trotziger Zuversicht blickt derweil der HSV dem zweiten Duell entgegen. „Es ist noch nichts passiert. Wir sind voller Überzeugung, dass wir das Ding nächste Woche ziehen können“, sagte Pierre-Michael Lasogga, der die beiden einzigen HSV-Chancen im Spiel verpasste. Allerdings haben die Hamburger in der Bundesliga auswärts zuletzt neunmal hintereinander verloren. „Es wird ganz eng“ glaubt Rafael van der Vaart.

          René Adler fällt aus

          Der Dritte des Unterhauses machte in einem umkämpften Spiel vieles richtig und wirkte von der prickelnden Atmosphäre in der Arena unbeeindruckt. Man sah beinahe über die gesamte Partie, wer mehr zu verlieren hatte und wer mit dem Druck schlechter zurecht kam. Den ersten Schock hatte der HSV vor dem Anpfiff zu verdauen - um 19.40 Uhr hatte René Adler noch Aufwärmübungen auf dem Platz gemacht; wenige Minuten später senkte er den Daumen: Wegen plötzlicher Rückenbeschwerden konnte der Hamburger Keeper nicht auflaufen. Adler hatte die ganze Woche ohne Schwierigkeiten trainieren können.

          Fürth vergibt Chancen: Trainer Frank Kramer kann es nicht fassen
          Fürth vergibt Chancen: Trainer Frank Kramer kann es nicht fassen : Bild: AP

          Für ihn rückte Jaroslav Drobny nach - ein erfahrener, aber in dieser Saison selten geprüfter Schlussmann. Drobny hatte vom 16. bis 19. Spieltag das Hamburger Tor gehütet und dabei zwölf Gegentore kassiert. Auch Ivo Ilicevic und Lasse Sobiech hatten sich unter der Woche verletzt abgemeldet; Stürmer Jacques Zoua fehlt schon länger. Die Hamburger Bank, zuletzt so etwas wie eine Stärke, war sehr ausgedünnt.

          Zuneigung zum Dino hilft nichts

          Vor 56.500 Zuschauern in der Hamburger Arena herrschte schon eine halbe Stunde vor Anpfiff Endspielstimmung; selten gab es in der Stadt so viele HSV-Schals, Trikots und Fahnen zu sehen wie an diesem Donnerstag. Auf den letzten Drücker offenbarte die ganze Metropole ihre Zuneigung zum Dino. Prominente vom Ersten Bürgermeister Olaf Scholz über Schauspieler Bjarne Mädel bis zu „Kaiser“ Franz Beckenbauer hatten versucht, den HSV mit öffentlichen Sympathiebekundungen in „Bild“, „Mopo“ und Abendblatt zu stärken. „Ich habe nichts gegen Fürth, aber der HSV soll drin bleiben“, sagte Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art.

          Noch drei Tage oder doch ein weiteres Jahr? Die HSV-Uhr tickt noch
          Noch drei Tage oder doch ein weiteres Jahr? Die HSV-Uhr tickt noch : Bild: dpa

          Die Fürther fühlten sich in der ihnen zugewiesenen Außenseiterrolle wohl und wirkten vom Pfeifkonzert in Ballbesitz und dröhnender Anfeuerung für den HSV zu Beginn wenig beeindruckt. Hakan Calhanoglu lief in dieser Partie im Gedenken an die Opfer des türkischen Grubenunglücks mit einem Trauerflor auf. Schnell wurde das Erwartete sichtbar - der HSV machte das Spiel, die Greuther suchten bei jeder Angriffsaktion ihren wuchtigen Stürmer Illir Azemi.

          Respektlose Fürther

          Respekt hatte der Zweitligavertreter nicht vor den Hamburgern. Warum auch gegen eine Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison 75 Gegentore geschluckt hat. Es gab Lücken, in die die Fürther stießen, und man hatte rasch den Eindruck, dass es eben doch etwas ausmacht, ob die Saison mit fünf Niederlagen hintereinander beendet wurde (wie Hamburg) - oder mehrheitlich mit Siegen wie Greuther Fürth. Selbstbewusst, kühl und mit klarem Spielplan trat Kramers Elf in Hamburg auf, stand hoch, griff früh an und wirkte in der Innenverteidigung gut auf Pierre-Michel Lasogga eingestellt.

          Das wiederum schien den HSV zu beeindrucken. So sehr, dass die Gäste die beste Chance der ersten Halbzeit hatte - Azemi scheiterte in der 26. Minute knapp an Drobny. Die Hamburger hingegen boten das bekannte Bild der gesamten Saison. Kaum Tempo, kaum Ideen, und jede Menge Umständlichkeit in Tornähe, dazu in der Spielanlage unterlegen. Der Wille war vorhanden, aber wie sollte es in einer solchen Partie auch anders sein?

          Noch einmal Azemi in der 45. Minute bewies mit seinem Schuss, dass die Fürther der Führung näher waren als der HSV. Mit Applaus schickte Kramer seine Mannschaft in die Kabine, während sich der Hamburger Frust in einer lauten Diskussion zwischen Lasogga und Jiracek entlud. Nach der Pause kam Fürth durch Gießelmann und Djurdjic zu Chancen. Der HSV mobilisierte das, was er hat, doch mehr als ein Abseitstor Lasoggas sprang nicht heraus.

          Hamburger SV - SpVgg Greuther Fürth 0:0

          Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Djourou, Mancienne, Jiracek - Badelj, Tesche (60. Jansen) - Rincón (90. Westermann), van der Vaart, Calhanoglu - Lasogga
          SpVgg Greuther Fürth: Hesl - Brosinski, Mavraj, Röcker, Gießelmann - Fürstner, Sparv - Stieber (88. Trinks), Baba - Azemi (85. Füllkrug), Djurdjic (72. Weilandt)
          Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
          Zuschauer: 56 479
          Gelbe Karten: - / Gießelmann, Sparv

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