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BVB gegen Bayern München : Die ganze Fußballwelt schaut auf das Gipfeltreffen

Von 2013 blieb der jubelnde Arjen Robben in Erinnerung: Welchen Sieger sieht die Fußballwelt am Dienstagabend? Bild: Picture-Alliance

2013 bewegte das Champions-League-Endspiel zwischen BVB und Bayern die Fußballwelt. In der Corona-Krise erreicht nun ein normales Bundesligaspiel dank ungewöhnlicher Anstoßzeit den größten Teil des Planeten Fußball exklusiv in der Wachphase.

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          Was hätte man in den vergangenen Jahren für eine solche Aussicht gegeben: die beiden besten deutschen Fußballteams, beide in Bestform, in einem großen Duell in der letzten Maiwoche (18:30 Uhr im F.A.Z.-Bundesliga-Liveticker und Sky). Das letzte Mal war das 2013 der Fall – im Finale der Champions League. So wäre es auch jetzt, hätten die zu Jahresbeginn gedruckten Sportkalender des Jahres 2020 noch Gültigkeit. Sie kündigen für diese Woche immer noch das Finale des wichtigsten Klubwettbewerbs der Welt an.

          Bundesliga

          Das ist es nicht, nur ein Bundesligaspiel, nur ein Geistergipfel – und zugleich in einem Seuchenjahr ein Geschenk wie Fußball-Weihnachten kurz vor Pfingsten. Beide, Bayern München und Borussia Dortmund, haben seit dem Finale in Wembley ihre Geschäftsmodelle perfektioniert – die einen als finanziell solidester Klub Europas, geprägt von junggebliebenen Altmeistern, die anderen als gefragtester Verein für die Toptalente des Kontinents. Beide haben sich nach einem Tief mitten in der Saison taktisch wie personell, defensiv wie offensiv neu erfunden – die Bayern mit dem Trainer Hansi Flick und einem Offensivfußball wie zu besten Zeiten, die Borussen mit dem Türsteher Emre Can und dem Türöffner Erling Haaland in einem passgenauen 3-4-3-System. Beide schossen so viele Tore wie nie, zusammen 154.

          Fußball im Vakuum

          Und sieben Spiele kommen ja noch. Allen voran ihr Aufeinandertreffen an diesem Dienstag, jenes Duell, an dem das geklaute Markenlogo „deutscher Clásico“ immer ein wenig zu bemüht wirkte, zu sehr auf Weltläufigkeit schielend. Indem man Real und Barça nachahmte, machte man sich kleiner als nötig. Länder wie Mexiko und Ecuador haben zum Beispiel auch so etwas, nennen ihre Topspiele aber nicht „mexikanischen“ oder „ecuadorianischen“ Clásico, sondern nur „Clásico“. Dieser, der deutsche, ist längst auch ein Original. Und in diesem Mai erstmals seit Wembley ein Weltereignis, das das Vorbild in den Schatten stellt.

          Dieser Bundesliga-Gipfel weckt global so viel Neugier wie keiner zuvor. Er tritt damit an die Stelle der Zuschauermagneten aus den wegen Corona inaktiven Ligen aus Spanien und England. Dazu passt die klug gewählte Anstoßzeit von 18.30 Uhr, eine Frühabendstunde in Europa, zu der man in New York in die Mittagspause geht, in Peking noch so gerade im Spätabendprogramm landet und dazwischen den größten Teil des Planeten Fußball in der Wachphase erreicht.

          Zugleich hat dieses globale Schauspiel des deutschen Fußballs für viele einheimische Fans etwas von einem Trauerfall. Statt einer vor Energie berstenden Arena, wie damals in Wembley, ist seine Bühne nun das größte und leerste Stadion Deutschlands. Fußball im Vakuum.

          Gerade jetzt, da die Voraussetzungen für ein packendes Spiel aus sportlicher Sicht so gut scheinen, wird all das fehlen, was die Stimmungen und Schwingungen des Fußballs an seinen großen Abenden ausmacht, das Funkelnde, Prickelnde, Brodelnde. Jenes Unsichtbare, aber Spürbare, das bei Millionen Menschen auf ihrem Sofa den Wunsch auslöst, jetzt genau dort zu sein – und ihnen, weil der Wunsch unerfüllbar bleibt, wenigstens das tröstliche Gefühl gibt, auch ganz weit weg irgendwie dabei zu sein. Darauf darf man nun nicht hoffen – vielleicht aber auf den Trostpreis, das beste Geisterspiel der Geschichte zu sehen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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