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Bundesliga-Kommentar : Nervenprobe Relegation

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Bitter für den Zweitligaklub: Kiels Johannes van den Bergh nach der verlorenen Relegation Bild: dpa

Einmal mehr hat der Bundesligaklub die Relegation gewonnen. Die Kluft zwischen erster und zweiter Liga ist zu groß. Das ist bei der Relegation zwischen Zweitliga-Sechzehntem und Drittliga-Drittem anders.

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          Die Meinung der Kieler Profis zur Relegation kam am Montagabend schnell und einmütig. „Es ist fragwürdig, eine Relegation stattfinden zu lassen, in der man dem Drittletzten der Bundesliga noch mal den Rettungsring zuwirft und ihm die Chance gibt, eine katastrophale Saison zu retten“, sagte Mittelfeldspieler Dominic Peitz. Kapitän Rafael Czichos assistierte: „Geld regiert nicht nur die Welt, sondern auch den Fußball, deshalb gibt es so einen Modus.“

          1:3 im Hinspiel, 0:1 im Rückspiel – die KSV Holstein Kiel ist als Dritter der zweiten Liga deutlich am VfL Wolfsburg gescheitert, dem Drittletzten der ersten Liga. Und die Kieler sind in guter Begleitung. Seit die Relegation in dieser Form ausgetragen wird, haben bei zehn Auflagen von 2009 an achtmal die Erstliga-Vertreter gewonnen; nur der 1. FC Nürnberg 2009 und Fortuna Düsseldorf 2012 schickten den jeweiligen Bundesligaverein ins Unterhaus.

          Dabei ist die Kluft zwischen denen von oben und denen von unten in den vergangenen Jahren größer geworden – weder der „Club“ vor zwei Jahren noch Eintracht Braunschweig vor einem oder nun Holstein Kiel waren dem Gegner aus der Bundesliga ebenbürtig oder überlegen. Das liegt auch an den auseinanderklaffenden Etats der Klubs, verursacht durch die Verteilung der Fernsehgelder und sehr unterschiedliche Sponsoring-Einnahmen – während der VfL etwa 60 Millionen Euro für seine Profis ausgibt, sind es bei Holstein nur sechs Millionen. Dass letztlich das Geld den Unterschied macht, lässt auch ein Blick in die Relegations-Statistik zwischen zweiter und dritter Liga vermuten. Hier liegen die Etats näher beieinander, und nicht umsonst haben in den bisherigen neun Relegationen bis zum Duell am Dienstag zwischen Aue und Karlsruhe (ab 18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker sowie ZDF und Eurosport 2) zur zweiten Liga siebenmal die Dritten der dritten Liga gewonnen.

          Die Frage, die nicht nur die Kieler in ihrer Enttäuschung aufwarfen, ist, ob die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nicht lieber den Dritten der zweiten Liga mit einem direkten Aufstiegsplatz belohnen sollte, statt dem Sechzehnten der Bundesliga eine lohnende Doppelchance zu gestatten. Gerechtigkeit statt Spektakel? Es gibt noch eine andere Annäherung. Die Relegation ist für Fans und Fernsehzuschauer eine willkommene Saisonverlängerung voller Spannung und Emotionen.

          Doch für die beteiligten Vereine ist sie eine Qual. Sie führt beide Klubs ans Äußerste, wenn am Ende einer langen Saison um Ligazugehörigkeit, Etathöhe und Arbeitsplätze gekämpft wird. Das sah man am Montagabend den gezeichneten Trainern Markus Anfang und Bruno Labbadia an. Der Berufsfußball befindet sich ohnehin in einem einzigen Erregungszustand. Da sollte man den Beteiligten eine Atempause gönnen und die Spielzeiten nach 34 Partien beenden. Drei steigen auf, drei steigen ab: Das würde ein paar Vermarktungsmillionen kosten. Aber die Nerven aller schonen.

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