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6:0 gegen Hamburg : Die Bayern halten ihren Schnitt gegen den HSV

Freudenfest: Torschütze Arjen Robben (l) jubelt mit Franck Ribery (M) und Corentin Tolisso Bild: dpa

Nach sieben Spielen gegen den HSV mit 44 Toren machen die Bayern im achten Spiel die 50 voll. Lewandowski trifft dreifach, leistet sich aber auch die einzige größere Fehlleistung.

          Mehr als fünfzig Jahre lang waren sie die beiden Pole der Bundesliga. Und das nicht nur geographisch, sondern zunehmend auch sportlich. Der FC Bayern und der HSV, der Süd- und Nordpol und der Plus- und Minuspol des deutschen Fußballs. Als die Hamburger am Samstag zum 53. Mal nach München kamen, wehte so etwas wie Abschiedsstimmung durch die Arena. Jeder konnte es schon vorher beim Blick auf die Tabelle sehen, aber noch mehr dann auf dem Spielfeld: Diese beiden Klubs spielen längst nicht mehr in derselben Liga. Und werden das wohl bald wirklich nicht mehr tun.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der leichte, lockere 6:0-Sieg der Bayern fügte sich mühelos in die beispiellose Hamburger Negativserie bei Besuchen im Süden in diesem Jahrzehnt. Die Bilanz der letzten acht Auswärtsspiele des letzten „Dinos“ der Bundesliga beim Rekordmeister addiert sich nach der bizarren Zahlenfolge von 0:6, 0:5, 2:9, 1:3, 0:8, 0:5, 0:8 und nun 0:6 auf acht Niederlagen und 3:50 Tore.

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          Dabei war die Partie schon nach einem Fünftel der Spielzeit praktisch entschieden, nachdem Franck Ribéry (8. Minute) und Robert Lewandowski (12./18.) mit kunstvoll herausgespielten Treffern den 3:0-Pausenvorsprung besorgt hatten. In der zweiten Halbzeit trafen Arjen Robben (54.), Ribéry (81.) und Lewandowski per Foulelfmeter (89.), zwei Minuten, nachdem er bereits einen Elfmeter über das Tor geschossen hatte. Zuvor hatte der Pole 17 Elfmeter in der Bundesliga allesamt verwandelt.

          Meister schon am kommenden Sonntag?

          Mit dem Sieg haben die Bayern sich die Möglichkeit erarbeitet, sich schon am nächsten Sonntag und damit so früh wie nie mit einem Sieg in Leipzig vorzeitig die sechste deutsche Meisterschaft nacheinander zu sichern. Dafür wären allerdings noch Punktverluste von Schalke, Dortmund und Frankfurt nötig. Spätestens am Karsamstag allerdings, im Heimspiel gegen Dortmund, dürften es die Bayern unabhängig von den Ergebnissen anderer in der Hand haben, den unausweichlichen Titelgewinn zu feiern.

          Bitterer Nachmittag: HSV-Torhüter Christian Mathenia Bilderstrecke

          Einst in den frühen Achtzigern, in der Zeit der jungen Manager Netzer und Hoeneß, kämpften die beiden Metropolenklubs aus Hamburg und München meist bis zum letzten Spieltag im Mai erbittert um die Meisterschaft. Nun ist man auf Trennungskurs - von der spielerischen Klasse schon lang, jetzt auch von der Spielklasse. Bayern-Trainer Jupp Heynckes gönnte dem HSV beim vielleicht für lange Zeit letzten Besuch in München keine Schonung. Er nominierte sein komplettes Star-Ensemble, in dem Lewandowski, Robben und Ribéry, beim 4:0 in Freiburg noch geschont, in die Startelf zurückkehrten.

          Sie sprühten vor Spielfreude. Nach acht Minuten reichte Lewandowski eine elegante Ballannahme nahe der Mittellinie, um zwei Verteidiger aus dem Spiel zu nehmen und Robben steil zu schicken. HSV-Kapitän Gotoku Sakai konnte den Ball im letzten Moment noch wegspitzeln, doch dafür war Ribéry zur Stelle, der Torwart Christian Mathenia umkurvte und den Ball ins leere Tor schob.

          Vier Minuten später spielte die Bayern-Offensive Ringelreihen rund um die überforderte HSV-Abwehr. Der Ball wanderte rechts zu Joshua Kimmich, der mit Gefühl eine präzise Flanke weich an den Fünfmeterraum schlenzte, wo Lewandowski, weit und breit nicht vom Körpergeruch eines Gegenspielers belästigt, mit einem Sprung wie am Kopfballpendel das 2:0 erzielen konnte. Auch beim herrlich herausgespielten 3:0 war der Pole ungestörter Endabnehmer einer präzisen Ballstafette. Jerome Boateng spielte von der Mittellinie den Ball über vierzig Meter diagonal auf den Fuß des hinter die Abwehrkette spurtenden David Alaba, der volley quer auf Lewandowski legte - und dieser vollendete das zentimetergenau über den halben Platz gezogene Dreieck per Direktabnahme zum 3:0.

          Die Bayern hatten Lust auf Fußball, aber auch den Verstand, es nicht zu übertreiben. Jeder durfte sich mal am Ball ausruhen, dann aber, wenn er wollte, auch am Ball glänzen. Kurz nach der Pause verfehlte Thomas Müller das Tor per Hacke knapp. Dann holte Robben mit seinem linken Fuß aus und schoss das längst überfällige 4:0, ehe Ribéry mit seinem zweiten Treffer und Lewandowski mit seinem dritten den immer noch gnädigen Endstand besiegelte.

          Robben ist derjenige Bayer, der den zahnlosen Bundesliga-Dino am meisten vermissen dürfte. Es war sein zehntes Tor in den letzten acht Heimspielen gegen den HSV. Wer würde, nach nun null Hamburger Siegen und fünf Hamburger Toren in den dreizehn Spielen seit Ende November, noch darauf wetten, dass er eine weitere Gelegenheit bekommt? Die Bayern werden ihm wohl ein wenig nachtrauern, ihrem Lieblingsgast vom Nordpol des deutschen Fußballs.

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