https://www.faz.net/-gtm-8cv5x

2:0 gegen Hoffenheim : Die Bayern gewinnen im Handball-Alternativprogramm

Bestellung erledigt: Robert Lewandowski trifft doppelt Bild: AP

Fußball zieht nicht immer mehr in den Bann als andere Sportarten: Bayern und Hoffenheim mühen sich nicht allzu sehr, Handball den Rang abzulaufen. Nur Lewandowski hat richtig Spaß. Bayern verzichtet trotz Verletzungsmisere wohl auf einen neuen Innenverteidiger.

          2 Min.

          Tabellenführer gegen Tabellenletzter, da wird gemeinhin mehr erwartet als ein eher freudloser Pflichtsieg. Doch der FC Bayern München gibt sich im Augenblick mit ungewohnt kargen Ergebnissen zufrieden. Am Sonntag brachte eine dominante, aber selten durchschlagkräftige Leistung einen 2:0-Sieg gegen die TSG Hoffenheim. Beide Treffer erzielte Robert Lewandowski (32. und 64. Minute), der in der Torjägerliste bis auf einen Treffer an den führenden Dortmunder Aubameyang (20 Tore) herankam.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          An einem feuchtkalten Winterabend stand Pep Guardiola durchweg im Regen, während Kollege Huub Stevens im Trockenen saß. Das hatte nichts mit dem Spielverlauf zu tun, nur mit dem persönlichen Lieblingsplatz der beiden Trainer während eines Spiels: Bank oder Coaching-Zone. Es passte aber auch zu der Botschaft, die der gereizte Guardiola während der Woche verbreitet hatte: Die Kuschelphase ist vorbei.

          Gute Stimmung vor dem Spiel: Guardiola und Stevens umarmen sich Bilderstrecke
          Gute Stimmung vor dem Spiel: Guardiola und Stevens umarmen sich :

          In seinen vier Monaten als Bayern-Trainer ist ein Reizklima zu erwarten. Guardiola soll vor der Mannschaft das Übergewicht mehrerer Spieler und mehr Professionalität bei Ernährung, Nachtruhe, Freizeitaktivitäten gefordert haben, was wiederum zu Klagen eines ungenannten Spielers gegenüber einem Fachmagazin führte und zu dessen anonymer Behauptung, die Stimmung im Team sei „nicht gut“. Guardiola, damit konfrontiert, antwortete mit der Gegenfrage: „Wo ist das Problem?“

          Wo, das ist im Augenblick klar: in der Abwehr. Nach dem monatelangen Ausfall von Jerome Boateng und der weiter bestehenden Verletzung von Medhi Benatia fiel mit Javi Martinez kurz vor dem Spiel gegen Hoffenheim der vorletzte Innenverteidiger aus, so dass nur noch Holger Badstuber übrig blieb. Der Spanier droht mit Kniebeschwerden auch für das wichtige Champions-League-Spiel bei Juventus Turin in drei Wochen auszufallen. Die Bayern hatten zwar nach Boatengs Ausfall ausgeschlossen, auf die Schnelle einen Ersatz zu verpflichten. Sollten sie es sich nun doch anders überlegen, was Sportvorstand Sammer spontan verneinte, müssten sie sich beeilen: Das Winter-Transferfenster schließt an diesem Montag um 18 Uhr.

          Zum Glück für den defensiv dezimierten Meister kam ein Gegner, der ihn offensiv kaum fordern konnte. Die Hoffenheimer haben von nunmehr 16 Spielen gegen die Münchner noch keines gewonnen und machten auch am Sonntag kaum Anstalten dazu. Sie zogen sich zumeist mit allen Spielern hinter den Ball zurück und überließen der Fünf-Mann-Offensive der Bayern das Spiel. Zunächst lief dort alles über rechts. Arjen Robben zielte dreimal zu hoch, Thomas Müller wurde zweimal abgeblockt.

          Dann, Mitte der ersten Halbzeit, kam auch die bis dahin wirkungslose linke Seite ins Spiel. Kingsley Coman stürmte außen bis zur Grundlinie, seine Hereingabe wurde abgewehrt, doch der Ball kam wieder auf den linken Flügel, von wo ihn Douglas Costa scharf und flach nach innen brachte – genau auf den Fuß von Lewandowski, der zum 1:0 traf. Es war die 13. Tor-Vorlage des Brasilianers in dieser Spielzeit, Spitzenwert der Liga.

          Meist allerdings lief die Bayern-Offensivmaschine nicht so wie in der Vorrunde, es fehlten Tempo und Präzision, und so konnten die Hoffenheimer, von Stevens zu neuer Kompaktheit geformt (nur sieben Gegentore in acht Spielen vor der Reise nach München), Schlimmeres weitgehend vermeiden. Durch Andrej Kramaric, von Jonathan Schmid freigespielt, kamen sie nach 56 Minuten wie aus dem Nichts sogar zur großen Ausgleichschance. Der Kroate ließ Joshua Kimmich aussteigen, doch sein Schuss jagte um Zentimeter am Pfosten vorbei. Kurz darauf verfehlte Eduardo Vargas per Kopfball nach einer Ecke das Tor ebenfalls knapp.

          Doch dann nahmen die Bayern das Spiel wieder in die Hand. Philipp Lahm spielte zu Lewandowski durch, und der überwand seinen Lieblings-Torwart Oliver Baumann zum nunmehr bereits zwölften Mal, diesmal per Lupfer. Der eingewechselte Arturo Vidal verpasste kurz darauf das mögliche 3:0 knapp, er traf den Pfosten. Und Guardiola tigerte weiter von links nach rechts und zurück durch sein weiß umrandetes Karree. Er weiß: Die Gegner werden bald größer, die Probleme wohl auch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Durch ein neues Missbrauchsgutachten schwer belastet: der damalige Papst, Benedikt XVI., am 17. Oktober 2005 im Petersdom im Vatikan

          Missbrauch im Erzbistum München : Die Lüge Benedikts

          Ein Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum München belastet den emeritierten Papst. Fragen wirft vor allem ein Sitzungsprotokoll aus dem Jahr 1980 auf.