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Basketball-Nationalmannschaft : Auf der Suche nach der Energie

Enttäuschung pur: Dennis Schröder mit Mitspielern beim Treffen mit Fans des Teams. Bild: dpa

Das deutsche Basketball-Nationalteam probiert, das Scheitern bei der WM zu erklären und aufzuarbeiten. So manches bleibt rätselhaft. Die wichtigste Frage muss schnell beantwortet werden: Wie geht es weiter – und das nicht nur am Donnerstag gegen Jordanien?

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Ein fröhliches Hallo hatte es ursprünglich werden sollen. Doch das Fantreffen, zu dem der Deutsche Basketball Bund traditionell bei großen Turnieren die mitgereisten Schlachtenbummler ins Teamhotel einlädt, hatte diesmal etwas sehr Bedrückendes. Mit dem Rücken an der Wand standen Dennis Schröder, Daniel Theis und Co. da, den Blick gesenkt und signalisierten, dass sie nicht so recht wussten, wie sie gute Miene zum bösen Spiel machen sollten. Nur wenige Profis wie Maodo Lo wählten eine kommunikativere Position im Raum am Stehtisch.

          Natürlich wendeten sich die Basketballer ihren Fans noch zu, ließen sich trösten und stellten sich mit eher gequältem Lächeln zu gemeinsamen Fotos auf. Aber das Debakel der peinlichen 68:70-Niederlage gegen die Dominikanische Republik, die das überraschende Verpassen der Top-16 bei der Weltmeisterschaft in China bedeutet hatte, hing bleischwer im Raum. Bundestrainer Henrik Rödl machte zur Begrüßung klar, dass das große Ziel Olympische Spiele 2020 ja noch erreichbar ist: „Es lohnt sich weiterzukämpfen“, betonte er und zeigte sich sogar dankbar über den eigentlich undankbaren Termin, zu dem rund 50 der geschätzt 100 deutschen Fans in Shenzhen gekommen waren, auch um die Spieler aufzubauen. „In Deutschland wird zurzeit so auf uns geschimpft“, sagte Danilo Barthel von Meister Bayern München. „Da tut es gut, dass die Fans mit so viel Herzblut hier sind und sagen, wir stehen weiter hinter euch.“

          Seltsam emotionsarm

          Gegenüber den Medien versuchten die Spieler, recht offenherzig zu erklären, warum sie nie ihren schnellen, variablen Basketball der Vorbereitungsphase geboten hatten. Stattdessen hatte das Team seltsam emotionsarm gewirkt, hatte den Fight um jeden Zentimeter, entschlossene Körpersprache und gegenseitiges Aufmuntern vermissen lassen. „Klar hinterfragt ma, ob etwas im Team nicht stimmt“, sagte Theis und gab zu: „Wir waren zu viel mit uns selbst beschäftigt.“ Vielleicht habe man den Gegner auf die leichte Schulter genommen, mutmaßte der NBA-Profi von den Boston Celtics. „Wir dachten wohl, das wird ein Selbstläufer, und als es anders kam, haben wir den Druck gespürt, und die haben uns mit ihrer positiven Energie kaputt gemacht.“

          Deutschlands Star Schröder räumte ein, dass die gegnerischen Bankspieler mehr Kraft ausgestrahlt hätten. „Die haben sich miteinander gefreut und waren immer happy – wir haben das leider nicht getan.“ Im Training sei die Teamchemie gut und die Stimmung positiv gewesen, in den WM-Partien aber nicht. „Da hat jeder mit sich selbst gekämpft, warum er nicht so viel spielt“, sagte der NBA-Star von den Oklahoma City Thunder.

          Es hat nicht  „klick gemacht“

          Es sei jedem Spieler so gegangen, dass er im Verein eine andere Aufgabe als im Nationalteam hat, sagte Barthel. „Viele haben mit sich gekämpft, und es hat in unserem Spiel nicht klick gemacht.“ Außerdem seien die Lasten nicht gut genug verteilt gewesen: „Ich glaube, wir haben uns alle ein bisschen zu sehr auf Dennis verlassen und ihm zu viel auf die Schultern gepackt“, sagte der Power Forward, der mit dem letzten Wurf den Siegdreier auf der Hand gehabt hatte, ihn aber verfehlte. „Wir hätten Dennis durch den einen oder anderen Spieler, der auch auf höchstem Niveau spielt, entlasten können.“

          Der Bundestrainer steht nicht in Frage: „Wir werden mit Henrik Rödl in die Europameisterschaft 2021 gehen.“
          Der Bundestrainer steht nicht in Frage: „Wir werden mit Henrik Rödl in die Europameisterschaft 2021 gehen.“ : Bild: dpa

          Das sollten keine Schuldzuweisungen sein. Dennoch wirkt es kurios, dass offensichtlich die Rollen in der deutschen Mannschaft vor dem größten Turnier, das sie je gespielt hat, ungeklärt sind. Ein Versäumnis, das wohl damit zu erklären wäre, dass sich Rödl und sein Trainerstab angesichts des großen Talents ihres Teams und der Harmonie der Spieler im Umgang miteinander etwas vorgemacht hatten. Es dürfte schwierig werden, die auf die Schnelle zu reparieren. Wenn das große Debakel noch verhindert werden soll, muss die Mannschaft ihr Gruppenspiel an diesem Donnerstag gegen Jordanien (10:30 Uhr/ Magenta Sport) sowie die folgenden Plazierungsspiele gegen Kanada und Senegal gewinnen, um über ein Olympia-Qualifikationsturnier vielleicht doch noch das große Ziel zu erreichen.

          Bedenken, dass das Team, das ja einen gemeinsamen Weg von der WM über Olympia bis zur Heim-Europameisterschaft 2021 gehen wollte, vorzeitig auseinanderfallen könnte, versuchten die Spieler zu zerstreuen. „Wir haben ja noch große Ziele“, sagte Theis. Und sein ehemaliger Braunschweiger Teamkollege Schröder sagte auf die Frage, ob er trotz WM-Pleite bis zur EM der Anführer sein wolle, er werde jetzt nicht das Gegenteil sagen. „Dazu bin ich ein zu großer Kämpfer. So lange alle mitziehen, bin ich auch dabei.“ Rödl geht davon aus.

          „Die Mannschaft muss sich zusammenreißen, damit wir die Chance auf den nächsten Sommer erhalten“, forderte der Bundestrainer. „Ich halte es für selbstverständlich, dass die Spieler die Energie wiederfinden, auch wenn momentan die Enttäuschung riesig ist.“ Was passiert wenn nicht, mochte sich DBB-Sportdirektor Armin Andres gar nicht ausmalen. „Wir sind um einige Zeit zurückgeworfen worden“, gab zu. „Und ohne Olympiaqualifikationsturnier im nächsten Sommer wäre das auch mit erheblichen Einbußen an Geld, Image und öffentlichem Stellenwert verbunden. Wir brauchen den Erfolg.“

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