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Dortmund-Talent Moukoko : Der gefährliche Ruhm eines „Wunderkinds“

  • -Aktualisiert am

„Es gibt kein Wunder, nur Training“: Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund. Bild: Picture-Alliance

Die DFL macht den Weg frei. Der erst 15 Jahre alte Youssoufa Moukoko darf bald in der Bundesliga spielen. Das ist gut für Dortmund. Doch einige von seinen Vorgängern als „Wunderkinder“ sind krachend gescheitert.

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          Die Botschaft, die Youssoufa Moukoko am 8. März seinen 473.000 Abonnenten auf Instagram übermittelte, kann als eine Art persönliches Mantra dieses erstaunlichen Fußballspielers betrachtet werden. „Es gibt kein Wunder, nur Training“, schreibt der Stürmer aus der U 19 von Borussia Dortmund – er hatte gerade einen atemraubenden Rekord aufgestellt. Nach zwei Treffern gegen Rot-Weiß Oberhausen ist er der erste Spieler, der innerhalb einer U-19-Bundesligasaison 34 Tore geschossen hat. Als 15-Jähriger unter lauter Jungs, die zwei, drei Jahre älter sind. Schon damals kursierte ein Begriff, der in dieser Woche abermals reichlich Verwendung fand: „Wunderkind“. Vom „Kicker“ über die „Bild“ bis hin zu vielen Lokalzeitungen, überall war sinngemäß zu lesen: Die DFL macht den Weg frei für das Wunderkind.

          Jenseits der Diskussionen über die Folgen der Viruskrise haben die Vertreter der 36 deutschen Erst- und Zweitligavereine am Dienstag auf Betreiben von Borussia Dortmund eine Regeländerung beschlossen. Ab sofort müssen Spieler nicht mehr dem jüngeren Jahrgang der A-Jugend angehören, um in der Männer-Bundesliga aufzulaufen. Wie in England oder Spanien sind sie künftig nach ihrem 16. Geburtstag spielberechtigt. Statt erst in der Saison 2021/22 kann Moukoko damit ab dem 20. November 2020 an der Seite von Erling Haaland und Marco Reus für den BVB die gelbe Wand verzücken. „Wir sind sehr froh über diese Entscheidung“, sagt der BVB-Nachwuchschef Lars Ricken und spricht von einem Durchbruch, der „sofort und unmittelbar den Vereinen, aber auch den jungen Spielern in ihrer Entwicklung helfen kann“.

          Für den Revierklub ist diese Regelanpassung ein wichtiges Argument im Bemühen, den von etlichen Giganten des Weltfußballs umworbenen Moukoko noch länger in Dortmund zu halten. Wobei Lucien Favre, der stets vorsichtige Trainer der Profis, bislang eher zurückhaltend reagiert, wenn er auf Moukoko angesprochen wird. „Wir haben einen Plan mit ihm, aber ich kann noch nichts Genaues sagen, ab wann er bei uns dabei sein kann“, sagte er vor wenigen Wochen auf die Frage, ob das Talent bald am Profitraining teilnehmen dürfe. Zum Kreis der A-Jugend-Spieler, die mit ins Wintertrainingslager reisen durften, gehörte er jedenfalls nicht. Und wer Moukoko derzeit spielen sieht, muss kein versierter Kenner sein, um zu sehen, dass der Weg in den Männerfußball noch sehr weit ist.

          Neulich, beim 2:0-Sieg der Dortmunder U 19 beim Tabellenführer 1. FC Köln, schoss Moukoko zwar beide Tore, musste aber immer wieder von seinen Mitspielern und von Trainer Michael Skibbe dazu aufgefordert werden, seine Aufgaben im Spiel gegen den Ball zu erledigen. Ab Mitte der zweiten Halbzeit erkundigte er sich ständig bei den Leuten auf der Auswechselbank, wie lange noch zu spielen sei. Er sehnte den Abpfiff herbei, als sei er mit seinen Kräften am Ende.

          Moukoko ist eben erst 15 Jahre alt, vier im Fußball unendlich lange Jahre jünger als beispielsweise Haaland, der ja ebenfalls noch fast ein Kind zu sein scheint. Jahre, in denen viel schiefgehen kann. Einige von Moukokos Vorgängern als „Wunderkinder“ sind bekanntlich krachend gescheitert. So sind die alten Torrekordhalter in der U-19-Bundesliga, die Moukoko im März überflügelte, keine Weltstars geworden: Haluk Türkeri (VfL Bochum, 2004/05) und Johannes Eggestein (Werder Bremen, 2015/16).

          Mancher Beobachter hält den frühen Ruhm in diesem Fall sogar für besonders gefährlich. Moukoko hat einen millionenschweren Werbevertrag mit Nike und mehr Instagram-Follower als der Weltmeister und aktuelle Nationalspieler Matthias Ginter. Der U-19-Bundestrainer Guido Streichsbier, der Moukoko eigentlich in den abgesagten März-Länderspielen einsetzen wollte, hat kürzlich gegenüber der „Bild“ gesagt, man müsse „aufpassen, dass es sich bei Youssoufa nicht so entwickelt wie einst bei Fiete Arp. Bei Fiete wurde die Erwartungshaltung bundesweit so schnell so groß, dass ein gerade 17-Jähriger den HSV plötzlich alleine tragen sollte. Das geht nicht – und da sind wir alle gefordert.“ Aber immerhin scheint Moukoko zu wissen, dass der Schlüssel auf dem Weg in die Profilaufbahn im Üben liegt und nicht im Glauben an irgendwelche Wunder.

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