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DFL : Rauball bleibt und mahnt

  • -Aktualisiert am

Weiter im Dienst der DFL: Reinhard Rauball Bild: dpa

Reinhard Rauball bleibt DFL-Präsident. Der Dortmunder führt den Ligaverband weitere drei Jahre. Er mahnt nach seiner Wahl zur finanziellen Vorsicht der Klubs - vor allem auch wegen der unklaren Lage beim Fernsehsender Sky.

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          Eigentlich hätte die Generalversammlung des Ligaverbandes auch en bloc über ihre neuen Vorständler und Aufsichtsräte abstimmen können. Schließlich waren in Probevoten vorweg die letzten Fragen schon vor dem Beginn des Treffens der 36 Klubs und Kapitalgesellschaften der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga geklärt worden. Als am Mittwochnachmittag der finale Countdown in dem großen Tagungsraum eines Berliner Hotels begann, stand die neue erste Funktionärsmannschaft der Liga schon fest: Reinhard Rauball, der 63 Jahre alte Jurist und Präsident von Borussia Dortmund, führt einstimmig wiedergewählt das Präsidium für weitere drei Jahre an.

          Sein Vier-Tage-Herausforderer Uli Hoeneß hatte sich von seinen Ligaambitionen ja schon längst zurückgezogen (siehe: Kommentar: Die Abteilung Attacke gibt Ruh’). Rauball unterstützen wie gehabt seine Stellvertreter Peter Peters, Finanzgeschäftsführer bei Schalke 04, und Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz 05. Auch Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, wird weiter dem Bundesliga-Führungsgremium angehören. Neu in dieser Runde ist Karl Hopfner, der Finanzvorstand des FC Bayern München. Er beerbt seinen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, der auf eine Kandidatur verzichtet hatte. Stefan Kuntz, der Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern, trat nach einer verlorenen Probeabstimmung ebenso von seiner Kandidatur zurück wie Michael Meier, Manager des 1. FC Köln und jahrelang Vorständler im Ligaverband. Aus der Zweiten Bundesliga werden künftig Helmut Hack, der Präsident der Spielvereinigung Greuther Fürth, und Ansgar Schwenken, Finanzvorstand des VfL Bochum, mitarbeiten. Dazu kommen die Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, Tom Bender und Holger Hieronymus.

          Erfolgsgeschichte der Liga

          In ihren Rechenschaftsberichten verkündeten Rauball („ich freue mich über das enorme Votum, das mir sicherlich Rückenwind gibt“) und der geschäftsführende DFL-Vorsitzende Seifert einerseits die jüngste Erfolgsgeschichte der Liga. „Sie steht besser da als jemals zuvor“, hob Rauball hervor und unterlegte seine Behauptung mit den schon bekannten Zahlen aus der Saison 2008/09, in der die beiden Ligen zusammen erstmals Erlöse von knapp mehr als zwei Milliarden Euro vermeldeten und zum fünften Mal in Folge einen neuen Rekordumsatz verkünden konnten. Randvolle Stadien wie am Wochenende wieder, wenn die 48. Bundesliga-Saison beginnt, sind der optische Beweis für die These einer immer noch florierenden Freizeitindustrie, die ihre Sorgen in Berlin moderat formulierte.

          Vor allem die wirtschaftlich prekäre Lage beim wichtigsten Fernsehpartner, dem Pay-TV-Sender Sky, wurde mit beruhigenden Zu-Sätzen garniert. So sagte Seifert: „Es besteht aus meiner Sicht kein Grund, die laufende Vermarktung in Frage zu stellen.“ Rauball verwarf dazu die immer mal wieder aus der zweiten Reihe vorgebrachte Forderung, die Liga brauche einen eigenen Fernsehkanal, um sich gegen Krisen im Verhältnis zu den Medienpartnern zu wappnen: „Ein eigener Sender zur Verwertung der Liverechte ist derzeit nicht in der Planung.“

          Er brächte eine hohe Kosten- und Zinsbelastung durch hierfür aufzunehmende Kredite mit sich. Rauball und Seifert konfrontierten die nicht besonders diskussionsfreudige Versammlung mit Perspektiven, die ein weiteres Wachstum der Fernsehmärkte fraglich machen. „Es wird schwierig sein“, sagte Rauball beim Blick auf die künftige Vergabe der Medienrechte, „an den derzeitigen Vierjahresvertrag (mit jährlichen Einnahmen von durchschnittlich 412 Millionen Euro bis 2013) heranzukommen.“

          Rauballs Warnung

          Um auch für zukünftig krisenhafte Tage gerüstet zu sein, müssen die verschuldeten Klubs der ersten Liga von der Saison 2011/12 an zehn Prozent ihrer Verbindlichkeiten binnen einer Spielzeit abbauen (zweite Liga: fünf Prozent) und bei Nichterfüllung der Vorgabe zur Strafe jeweils zehn Prozent der Summe zahlen, um die das Erreichen des Klassenziels verfehlt wird.

          Selbstdisziplin stand neben allem demonstrativem Glanz und Glamour also auch auf der Agenda einer Liga, die über ihre Sorgen am Mittwoch aber nur am Rande sprach. „Wir wollen den professionellen Fußball noch stabiler, noch berechenbarer machen“, rief Rauball der Liga zu – und meinte das auch im Sinne der ligaeigenen Vorsorge.

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