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DFL-Generalversammlung : Einig im stillen Kämmerlein

  • -Aktualisiert am

Alles im grünen Bereich? Zumindest bei den Personalfragen scheint sich die Deutsche Fußball Liga einig. Bild: Max Ellerbrake / firo Sportphoto

Die Deutsche Fußball Liga hält die Diskussion über ihre Zukunftspläne unter Verschluss. Und die Wahlen bei der Generalversammlung bieten keine Überraschung.

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          Gleich in mehrfacher Hinsicht lieferte der Ort, an dem sich am Mittwoch die Vertreter der 36 Vereine der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga mit den hauptamtlichen Funktionären der Deutschen Fußball-Liga (DFL) trafen, Hinweise auf die Lage des Profifußballs in Deutschland. Die 22. Generalversammlung des Verbandes fand in den Dortmunder Westfalenhallen statt, praktisch gegenüber von jenem Gebäude, in dem Hans-Joachim Watzke sein Büro als Chef von Borussia Dortmund hat.

          Zwar versicherte Watzke, dass keine „Verschiebung der Machtachse von Frankfurt nach Dortmund“ stattgefunden habe, und dennoch gilt der Vorsitzende des Aufsichtsrates der DFL seit dem Rückzug des langjährigen Verbandsgeschäftsführers Christian Seifert als einflussreichste Figur des nationalen Ligafußballs. Und eben nicht Seiferts Nachfolgerin Donata Hopfen, deren Verband zuvor traditionell nach Berlin geladen hatte. Zudem wurde im Kristallsaal der Westfalenhallen vor 60 Jahren die Einführung der Bundesliga beschlossen, auch dieser Bezug ist nicht ohne Symbolkraft. Denn 2022 stehen abermals richtungsweisende Entscheidungen bevor, die die Verantwortlichen derzeit vorbereiten.

          Watzke im Amt bestätigt

          Die Präsidiumswahlen liefen wie erwartet, Watzke wurde als Vorsitzender des Aufsichtsrats bestätigt, nur Hannover 96 enthielt sich. Auch die anderen Kandidaten für das Präsidium wurden gewählt, neu im neunköpfigen Gremium sind lediglich zwei Männer: Holger Schwiewagner (Greuther Fürth) ersetzt Rüdiger Fritsch (Darmstadt), der in den Aufsichtsrat wechselt. Außerdem übernimmt Axel Hellmann, der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, wie erwartet den Posten von Alexander Wehrle (früher Köln, jetzt Stuttgart), der nicht mehr kandidierte. „Es ist kein Geheimnis, dass ich die intellektuellen Fähigkeiten und seine Durchsetzungsfähigkeit sehr schätze“, sagte Watzke über Hellmann; die beiden könnten auch inhaltlich zu engen Verbündeten in der DFL werden: Für den Erhalt der 50+1-Regel und zugleich einig in der Offenheit für Wachstumsmaßnahmen, die von vielen aktiven Fans als „Kommerz“ abgelehnt werden.

          Zudem wurden der Lizensierungsausschuss und der Aufsichtsrat neu besetzt, wobei diese Wahlen Züge einer Showveranstaltung hatten. Etliche Kandidaten wie zum Beispiel Fernando Carro (Bayer Leverkusen), ein entschlossener Gegner der 50+1-Regel und der für Mitbestimmung und traditionelle Werte der Bundesligakultur einstehende Christian Keller (Köln) hatten ihre Kandidaturen im Vorfeld der Versammlung zurückgezogen. Dem Vernehmen nach gab es Absprachen, um Kampfabstimmungen zu umgehen und um möglichst alle Strömungen ausgewogen zu repräsentieren.

          Zu dem im ganzen Verband spürbaren Bedürfnis, bestimmte Prozesse unter Verschluss zu halten, passt, dass die hauptamtliche DFL-Geschäftsführerin Hopfen ihre Rede über die Zukunftspläne des Profifußballs im nicht öffentlichen-Teil der Generalversammlung hielt. „Manchmal ist es nötig, dass man die Fenster und die Türen schließt und untereinander spricht“, erklärte Watzke diese Maßnahme, und lobte Hopfen für ihre bisherige Arbeit: „Sie geht die Themen mit sehr viel Elan, Enthusiasmus und einer großen Zielorientierung an.“

          Wie schwer Hopfens Stand in diesem von Männern dominierten Verband ist, wurde aber deutlich, als ihr Vorgänger Seifert zum Ehrenangehörigen der DFL ernannt wurde und der Laudator Professor Michael Wolffsohn verkündete: „Christian Seifert ist der Superlativ. Besser als Christian Seifert geht es nicht.“ Es kann niemanden verwundern, dass Hopfen als Nachfolgerin solch eines Mannes noch nicht alle Vereinsvertreter überzeugt.

          Ob der Geschäftsführerin auf der Versammlung zumindest ein kleiner Befreiungsschlag gelungen ist, war auch nach Ende der Veranstaltung nicht ganz klar. Sie habe „dargelegt, wie wir die aktuellen Themen der Zukunftsoptionen bearbeiten“, und meinte damit neben Fragen der Nachhaltigkeit, und den ungelösten Fragen zum Umgang mit der 50+1-Regel Überlegungen zum Einstieg eines oder mehrerer Investoren. „Wir haben eine sehr gute Diskussion über die nächsten Schritte gehabt“, sagte sie.

          Klar ist, dass die Liga sehr gerne einen Investor finden würde, der am besten neben Geld auch Know How einbringt. Erwogen wird, Anteile an einer noch zu gründenden Tochtergesellschaft zu verkaufen, die sich künftig um die Auslandsvermarktung des Bundesligafußballs kümmern könnte. Mit dem eingenommenen Geld – spekuliert wird über bis zu vier Milliarden Euro – könnte eine digitale Plattform aufgebaut werden, über die sich dann Inhalte wie Live-Spiele und Zusammenfassungen vertreiben lassen. Aber all das werde mit Bedacht geschehen, versicherte Hopfen. „Unser eigener Weg bedeutet: 50+1 wird natürlich bleiben, wir werden unseren eigenen deutschen Weg gehen“, sagte sie. „Wir können nicht links und rechts kopieren, wir werden links und rechts lernen.“

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