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Neujahrsempfang der DFL : „Es geht nur noch ums Rausquetschen“

  • -Aktualisiert am

Wie geht es weiter? DFL-Geschäftsführer Seifert mit Präsident Rauball (l.) Bild: dpa

Mahnende Worte beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußballliga: DFL-Chef Seifert und Nationalmannschafts-Manager Bierhoff kritisieren die Expansionspolitik von Uefa und Fifa.

          Gute Unterhaltung. Das soll der Fußball den Menschen bieten im besten Fall, Ablenkung vom nervenden Alltag wegen der zunehmend schlechten Nachrichten aus aller Welt. So wünschte sich das Christian Seifert in seiner Rede beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Dienstag in Frankfurt. Der Geschäftsführer der DFL warb für die 90-Minuten-Entspannung mit Hinweis auf sein glänzendes, immer weiter wachsendes Bundesliga-Produkt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Und doch präsentierte er den Honoratioren aus dem bezahlten deutschen Fußball, aus dem Profisport und der interessierten Gesellschaft im gleichen Atemzug ein Spielfeld, auf dem es vielleicht nicht weniger unterhaltsam, aber sicherlich ablenkend, um die Macht im Welt-Fußball geht: „Die internationalen Ligen werden nicht mehr ernst genommen“, rief Seifert. Er dachte dabei an die Expansionspolitik des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) sowie der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die ihre Turniere aus machtpolitischen wie kommerziellen Gründen aufblähen, ohne das gesamte Spiel im Auge zu haben: „In Zeiten der Globalisierung fehlt ein globaler Masterplan, wie sich der internationale Fußball entwickeln soll.“

          Seifert mahnt

          Verwässerung des Spiels und eine rücksichtslose Vermarktung der Spieler: Die Klage des Philosophen Gunter Gebauer unter anderem über die Aufstockung der WM 2026 von 32 auf 48 Teams in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung teilten die deutschen Fußball-Gestalter beim Empfang: „Es geht offenbar nur noch ums Rausquetschen“, sagte Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, „man achtet nicht mehr auf die Qualität der Spiele.“ Was sich laut Seifert geschäftsschädigend auswirken könne: „Ob das dann dauerhaft dazu taugt, das Interesse an solchen Turnieren hoch zu halten, dahinter muss man ein großes Fragezeichen machen.“

          Seifert sprach zwar davon, keinen „Kampf“ zu wollen, er erinnerte aber an die Grundvoraussetzungen für den Reibach der Verbände, schließlich rechnet die Fifa dank der Aufstockung mit einer Mehreinnahme etwa über TV-Gelder von bis zu einer Milliarde Euro. Wer das möglich macht? Die Spieler. Wo sie herkommen? „In den nationalen Ligen“, sagte Seifert süffisant, „und nirgendwo sonst werden die Spieler ausgebildet, die später den Nationalteams weiterhelfen.“ Frei übersetzt: Greift nicht an, was euch fürstlich nährt.

          Wohin es führen kann, wenn Vereine wie Verbände ihre innere Verbundenheit in Frage stellen, beobachtet der Fußball zur Zeit beim Basketball. Die privat organisierte Euroleague läuft – als Meisterschaft wie die Bundesliga organisiert – in Konkurrenz zur Championsleague des Weltverbandes Fiba und droht die nationalen Ligen zu sprengen. Der Unübersichtlichkeit folgten juristische Auseinandersetzungen, Druck- und Erpressungsszenarien. Schon macht sich die Sorge breit im deutschen Basketball, ohne Einigung könnte eine private Europa-Liga mit den Zugpferden wie Real Madrid oder dem FC Barcelona das heilige, überlebenswichtige Wochenende der nationalen Liga kapern.

          Die Fußball-Bundesliga erscheint für erfolgreiche Attacken mit solchen Zielen viel zu stark. Aber Seifert mahnte die Verbände, nicht Richter entscheiden zu lassen, wie sich das Spiel entwickelt. Die Fäden sollen in der Hand der Familie bleiben, auch national. Die DFL hat längst Pläne geschmiedet, wie die Bundesliga auf dem globalen Markt ihre Position in der europäischen Spitzengruppe halten soll. In den nächsten Wochen wird ein Investitionspaket der Liga vorgestellt.

          „Es wird mittelfristig nur noch zwei, drei internationale Ligen geben, die weltweit (von den Fans) verfolgt werden“, sagte Seifert. „Wir müssen uns gemeinsam weltweit stärker positionieren.“ Seifert fordert mehr Trainingslager und Turnierteilnahmen in Asien und den Vereinigten Staaten, dort, wo der Fußballmarkt noch großen Spielraum bietet und noch nicht aufgeteilt ist. Das Niveau des Spiels könnte so gehalten oder sogar ausgebaut werden. Das dient der Unterhaltung – falls die Profis die Belastungen aushalten.

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