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DFB-Pokal : Zwei Nachbarn, die sich nicht mögen

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Siegesjubel: Torschütze Schwegler (r.) und Kapitän Spycher Bild: ddp

Eintracht Frankfurt hat im Main-Derby gegen Offenbach gewonnen und Runde zwei im DFB-Pokal erreicht. Der 3:0-Sieg zementierte die Unterschiede zwischen den Klubs. Schon vor 25 Jahren haben sich die Wege der Nachbarn getrennt.

          3 Min.

          Der DFB-Pokal anno 2009 hat kaum noch eigene Gesetze. Alleine Rostock und Mainz am Freitag (siehe auch: DFB-Pokal am Freitag: Wolfsburg weiter - Mainz draußen) sowie Hannover am Sonntag (siehe auch: DFB-Pokal: Hannover verliert bei Mario Basler) schieden als klassenhöhere Vertreter in der ersten Runde aus. Auch am Bieberer Berg, für stimmungsvolles und sensationsförderndes Ambiente bekannt, gab sich der Favorit keine Blöße.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der Bundesligaverein Eintracht Frankfurt gewann das Nachbarduell gegen Drittligaklub Kickers Offenbach am Sonntagabend souverän mit 0:3 (0:0). Pirmin Schwegler (71. Minute), Caio (75.) und Alexander Meier (86.) erzielten vor 24.000 Zuschauern die späten, aber verdienten Tore und bescherten dem neuen Eintracht-Trainer Michael Skibbe einen angenehmen Einstand.

          Den von den Zuschauern erhofften Pokalkampf gab es vor allem in der ersten Halbzeit kaum. Es hatte fast den Anschein, als hätten beide Mannschaften ihre Energie vorab verbraucht. Die Kickers standen nach dem Drittliga-Heimspiel gegen Aue vor acht Tagen unter Beobachtung. Nach der Roten Karte gegen Mirnes Mesic gab es auf dem Platz und im Kabinengang Scharmützel, der Schiedsrichter fertigte einen Sonderbericht an. Und bei der Eintracht wurde Ioannis Amanatidis unter der Woche im Training gegen Kollege Habib Bellaid handgreiflich - die Nerven lagen scheinbar blank beim so stolzen, aber überraschend abgesetzten Kapitän (siehe: Amanatidis frustriert: Schlechte Stimmung bei der Eintracht).

          Eintracht-Spieler jubeln

          Erst in der zweiten Halbzeit gibt es einen Pokalkampf

          Hierarchisch wurde der Grieche herabgesetzt, sportlich aber blieb er gesetzt. Als vorderste Spitze sollte er mit Meier für Treffer sorgen. Doch weder Frankfurter noch Offenbacher kamen im ersten Abschnitt ernsthaft für ein Erfolgserlebnis in Frage. Das änderte sich in der zweiten Halbzeit schlagartig. Plötzlich war es ein Spiel, das das Prädikat Pokalspiel verdiente. Das Publikum erhöhte die Lautstärke nochmals um einige Dezibel, der Frankfurter Patrick Ochs holte sich die erste gelbe Karte für ein rüdes Einsteigen ab, das Spiel wurde schneller, und die Quote der Torchancen auf beiden Seiten erhöhte sich signifikant.

          Als OFC-Trainer Hans-Jürgen Boysen seinen Sturmjoker Suat Türker für den erschöpften Mounir Chaftar zog, sah alles nach einer hochspannenden Schlussphase aus. Doch im ersten Angriff nach dem Wechsel stach die Eintracht zu. Caio sah den durchgelaufenen Pirmin Schwegler am zweiten Pfosten, die Flanke kam maßgerecht, und der starke Neuzugang aus Leverkusen traf mit einem trockenen Volleyschuss zum 0:1. Der Wille der Kickers war gebrochen, erst recht, als Amanatidis flankte, Meier vorbeirutschte und Caio zum 0:2 abstaubte. Das 0:3 durch Meier auf Vorlage des soeben eingewechselten Nikos Liberopoulos war nicht mehr als eine Fußnote des letztlich wenig brisanten Duells unter Nachbarn als Ouvertüre der Saison 2009/10.

          Sportlich haben sich die Wege schon lange getrennt

          Die von beiden Fanlagern hochstilisierte Feindschaft zwischen den Städten diesseits und jenseits des Mains, die geographisch fast eine sind, bezieht ihre sportliche Nahrung - nach dem klaren Frankfurter Erfolg am Sonntag erst recht - aus den Legenden der fernen Vergangenheit. Der 5:3-Sieg nach Verlängerung, der die Eintracht im damals noch üblichen Endspiel 1959 zum ersten und bislang zum letzten Mal zum deutschen Meister machte, gilt als „Mutter aller Derbys“, entsprechend wurde die Erinnerung daran am Sonntag besungen. 1971 führte ein direktes Duell am 33. Spieltag zum Abstieg der Kickers. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg erlebte die Paarung in den folgenden Jahren ihre Hochkultur in Liga eins. Die Bundesliga-Bilanz: sieben Siege für Offenbach, fünf für die Eintracht und zwei Remis.

          Längst ist es aber kein Duell mehr auf Augenhöhe. „Die Spieler können zu Helden werden“, sagte OFC-Sportdirektor Andreas Möller vor der Partie. Sie wurden es nicht. Solche Aussagen tätigt man nur vor einem Duell David gegen Goliath, angereichert durch die zuletzt selten erlebte Prise Derbybrisanz. Als die Nachbarn im Februar 1984 zuletzt um erstklassige Bundesligapunkte spielten, war die Hälfte der Pokalprotagonisten vom Sonntag noch nicht geboren. Die sportlichen Wege trennten sich vor 25 Jahren. Nur durch den Zufall der Lostrommel kreuzten sich die Klingen der Kontrahenten, jeweils gewann die ranghöhere Eintracht in Offenbach, 2003 mit sehr viel Glück im Elfmeterschießen, 2007 in einer spannungsarmen Partie mit 3:0, und am Sonntag abermals mit diesem Ergebnis.

          So nah kommen sich beide vorerst nur im Pokal wieder

          Der Hass von einst ist durch die sportliche Entfernung kleiner geworden, er bricht sich nicht mehr in Form von Gewalt Bahn wie vor Jahren. Zwar waren auch am Sonntag rund 1000 Polizisten ausgerückt, um die Sicherheit aller zu gewährleisten. Doch neben üblichen gesungenen Verunglimpfungen blieb es auf dem Bieberer Berg nach ersten Angaben erfreulich ruhig. Dazu hatte wohl auch die verbale Zurückhaltung der Beteiligten beider Lager im Vorfeld des Pokalspiels beigetragen. So wurde es ein rein sportlicher Schlagabtausch, mit gehabter Rollenverteilung.

          Nach dem Festtag am Sonntag folgt für beide Klubs der Alltag. Die einen starten am Samstag mit dem Spiel in Bremen (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) in ihre fünfte Erstligasaison in Folge, die anderen mühen sich gegen Osnabrück in der dritten Liga. Die einen spielen in einer schmucken WM-Arena vor 50.000 Fans, die anderen wären froh, wenn ihr neues Stadion mit 18.000 Plätzen in nicht allzu ferner Zukunft gebaut würde. So nah wie am Sonntag werden sich beide vorerst nicht wieder sein in der zementierten Fußballwelt. Es sei denn, das Los meint es wieder gut mit den Nachbarn, die sich nicht mögen. Die Offenbacher würden sich als Untergebener über ein wenig alte Anarchie im DFB-Pokal sicher freuen.

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