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DFB-Pokal : Stuttgart blamiert sich gegen die Bayern

  • -Aktualisiert am

Lehmann musste fünf Gegentreffer hinnehmen Bild: REUTERS

Der FC Bayern München ist mit einem Schützenfest in Stuttgart ins DFB-Pokal-Viertelfinale spaziert. Der hoch überlegene Rekordmeister setzte sich bei den Schwaben mit 5:1 durch - und hätte sogar noch höher gewinnen können.

          Es sollte ein „Pokalfight mit vielen Emotionen“ werden, wie Jürgen Klinsmann prophezeit hatte. Der Trainer des FC Bayern München aber hatte sich geirrt. Auf den Fight warteten 55.500 Zuschauer in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena vergeblich. Zu sehen bekamen sie stattdessen eine einseitige, ungestörte Demonstration der Bayern. Hoch überlegen und niemals gefährdet, kanzelte der Titelverteidiger in diesem Achtelfinalspiel um den DFB-Pokal am Dienstagabend den VfB Stuttgart in dessen Stadion ab. 5:1 hieß es am Ende für die Münchner, die nun dem Rückrundenauftakt in der Fußball-Bundesliga beim Hamburger SV am Freitagabend sehr entspannt entgegensehen können (Siehe auch: DFB-Pokal-Ergebnisse auf einen Blick).

          Schweinsteiger (14. Minute), Ribéry (16.), Toni (42.), noch einmal Schweinsteiger per Foulelfmeter (54.) und Zé Roberto (59.) schossen die Treffer für die Münchner Dominatoren, Ribéry vergab dazu einen Handelfmeter (21.). Hätten die Bayern all ihre Gelegenheiten konsequenter gegen einen von Anfang an überforderten Gegner genutzt, ihr Sieg hätte leicht zweistellig ausfallen können. Die Stuttgarter tröstete an diesem tristen Januarabend nichts - nicht einmal Gomez' Tor zum 1:5 (85.).

          „Es ist sehr schwer, das Richtige zu sagen“, befand Stürmer Gomez nach dem 1:5. „Das war ein ganz bitterer Abend für uns“, sagte VfB-Kapitän Thomas Hitzlsperger. Bundestrainer Joachim Löw hob vor allem das Offensivspiel der Münchner hervor. „Sie spielen nach Ballgewinn wahnsinnig schnell nach vorne.“ Für Schweinsteiger war der Einzug ins Viertelfinale keine Überraschung. „Wir wussten, dass wir gut drauf sind. Wir haben unsere Qualität gezeigt“, sagte er mit breiter Brust.

          Lehmann musste fünf Gegentreffer hinnehmen Bilderstrecke

          Gleich zum Auftakt des neuen Jahres der Südklassiker, reizvoller hätte die Pokalouvertüre - zumal nach dem spektakulären 2:2 in der Ligabegegnung am 13. Dezember - kurz vor dem Bundesliga-Rückrundenbeginn nicht sein können. „Wir haben Großes vor“, hatte der VfB-Trainer und ehemalige Bayern-Meisterprofi Markus Babbel vor dem Duell angekündigt. „National kann uns keiner etwas vormachen“, hielt Bayerns Nationalspieler Philipp Lahm dagegen. Er sollte fürs erste recht behalten. Schon der erste vermeintliche Härtetest zeigte, dass die Bayern tatsächlich mit breiter Brust in Teil zwei der Saison starten können, während der VfB so wie am Dienstag keine Chance haben wird, von Platz zehn in der Bundesliga-Tabelle noch auf einen internationalen Startplatz voranzukommen.

          Während Klinsmann seinem Stammpersonal und dem bewährten 4-4-2-System treu blieb, setzte Babbel eher auf die Konterqualitäten seines Teams, das er in einer 4-2-3-1-Formation antreten ließ - mit Gomez als einziger Spitze.

          Lehmann lächelt nach Ribérys Zirkusnummer

          Um die einzige Spitze wurde es in der Folge einsam, sehr einsam. Denn das Spiel bestimmte, beherrschte, diktierte nur eine Mannschaft: der FC Bayern. Der deutsche Rekordmeister konnte die letzte Partie vor dem Bundesliga-Neustart mangels Widerstands beinahe wie ein beliebiges Testspiel angehen. Durchdacht, phasenweise mit Tempoaktionen und immer in völliger Kontrolle des Geschehens spielten die Bayern ihren schwachbrüstigen Gegner vor der Pause aus.

          Die locker erreichte 2:0-Führung durch Schweinsteigers Rechtsschuss aus spitzem Winkel (14.) und Ribérys Abstauber (16.) hätte die französische Spielernatur auf 3:0 erhöhen müssen, doch sein Handelfmeter nach Bokas unglücklichem Einsatz gegen Tonis Schuss geriet zu einer arroganten Farce. Ribéry lupfte den Ball, Torhüter Lehmann blieb bei der Zirkusnummer stur stehen und fing das Spielgerät lächelnd auf (21.). Vorerst war es also nichts war es mit einer Entscheidung schon im ersten Teil der ersten Hälfte.

          Monsieur Ribéry zaubert abermals

          Doch an den Kräfteverhältnissen in diesem ungleichen Zweikampf mit einem Gegner, der noch im Dezember auf Augenhöhe gewesen war, änderte sich nichts. Die Stuttgarter wirkten nach langer Winterpause wie festgefroren, die Münchner dagegen tauten rasch auf und bestätigten, dass an ihnen auf dem Weg zu Meisterschaft und Pokalsieg kaum ein Weg vorbeiführt. Die ersten „Wir-fahren-nach-Berlin“-Chöre stimmten die Bayern-Fans in der 42. Minute an, als Monsieur Ribéry mal wieder gezaubert und seinen italienischen Kumpel Luca Toni in Szene gesetzt hatte. Der ließ sich nicht zweimal bitten und hob den Ball an Lehmann vorbei zum 3:0 ins Netz.

          Nach der desaströsen ersten Hälfte wehrten sich die Schwaben nun wenigstens ein paar Minuten lang gegen übermächtige Bayern und erzielten durch den eingewechselten Marica sogar ein Abseitstor (47.). Doch sieben Minuten später war dann auch der letzte Hoffnungsschimmer erloschen. Lehmann senste Zé Roberto im Strafraum um, und nun durfte sich Schweinsteiger, neben Zé und Ribéry der spielfreudigste Münchner, an einem Strafstoß versuchen. Mit Erfolg. Er verlud seinen alten Nationalmannschaftskollegen Lehmann und durfte nach dem 4:0 gehen. Altintop kam und durfte sogleich jubeln über Zé Robertos Treffer zum 5:0 (59.).

          Ein deutliches Zeichen an die Bundesliga-Konkurrenz

          Spätestens jetzt war der VfB Stuttgart - woran auch der Gegentreffer von Gomez (85.) nichts änderte - auch im Ergebnis vom FC Bayern gedemütigt worden. Ein deutliches Zeichen auch an die Bundesliga-Konkurrenz, angeführt von der TSG Hoffenheim: Mit den Münchnern scheint in der Rückrunde nicht zu spaßen. Wenn schon, dann sorgen sie selbst, wie Ribéry bei seiner Elfmeter-Parodie, für die Scherze.

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