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Holstein-Trainer Ole Werner : Ein echter „Kieler Jung“

  • -Aktualisiert am

Überzeugt mit seiner ruhigen Art: Holstein-Trainer Ole Werner Bild: dpa

Ole Werner bleibt vor dem großen DFB-Pokal-Spiel gegen den FC Bayern gelassen. Gerade deshalb passt der Trainer so gut zu Holstein. Die Kieler trauen sich mittlerweile auch den Aufstieg in die Bundesliga zu.

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          Vor 16 Monaten schien das Wasser sehr kalt, in das Ole Werner geworfen wurde. Bisher als Trainer nur im schleswig-holsteinischen Jugendfußball zu Hause und fünf Jahre für die zweite Mannschaft von Holstein Kiel zuständig, übernahm der heute 32 Jahre alte Fußball-Lehrer damals von André Schubert das Profi-Team. Schubert und die KSV Holstein, das hatte gar nicht gepasst. Holstein war Sechzehnter.

          DFB-Pokal

          Die kluge Aufbauarbeit der vergangenen Jahre schien in Gefahr. Trotzdem fragte sich mancher Beobachter von außen, ob der überregional weitgehend unbekannte Mann der richtige sein würde für die Kieler Ambitionen. Holstein ist mit den traditionell guten finanziellen Möglichkeiten doch kein Leichtgewicht der Zweiten Bundesliga. Intern waren der mächtige Aufsichtsrat um die vermögenden Kieler Unternehmer Gerd Lütje und Hermann Langness aber schnell überzeugt von der Wahl des früheren Sportgeschäftsführers Fabian Wohlgemuth – auch, weil es den Geldgebern so gut gefällt, dass nun ein echter Kieler auf der Trainerbank saß.

          #Beim nachgeholten Pokalspiel der zweiten Runde gegen den FC Bayern München an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) nun betreut Ole Werner eine stabile Mannschaft, die sich den Aufstieg in die Bundesliga durchaus zutraut – aktuell ist es Platz drei für die KSV mit der besten Abwehr des Fußball-Unterhauses. In den Jahreswechsel war das kompakte Team sogar als Tabellenführer gegangen.

          Im Verein wie bei den Spielern genoss Werner vom ersten Tag an höchste Wertschätzung: 15 Jahre im Klub, ein „Kieler Jung“, der aus dem nahen Preetz stammt, für einige Stadtteil-Klubs gespielt hat und seine gesamte Trainerlaufbahn bei der KSV absolvierte – mehr Stallgeruch geht nicht. Dazu ein ruhiges Auftreten und deutlich norddeutsches Idiom: Ole Werner ist alles andere als ein „Schnacker“, bleibt auch vor dem großen Pokal-Auftritt gegen den Champions-League-Sieger FC Bayern gelassen: „Dieses Spiel ist nichts, was zu anderen Abläufen und zu vollkommen anderen Gesprächsthemen führt als die, die wir für gewöhnlich auch haben.“

          Erstligareifes Trainingszentrum

          So etwas passt sehr gut zu Holstein Kiel, einem Verein, der sein ruhiges mediales Umfeld genießt und überbordende Erwartungen von sich fernhält. „Wir sind in der Entwicklung zu einem gestandenen Zweitligavertreter“, sagt Werner, vier Jahre nach dem Aufstieg. Dass es in dieser Saison so gut läuft, scheint für ihn gar nicht so überraschend zu sein: „Wir haben im Sommer keinen großen Umbruch gehabt, eine eingespielte Achse und uns menschlich passend verstärkt.“

          Hinzu kommen im Stadtteil Projensdorf ein erstligareifes Trainingszentrum, ein guter Unterbau mit vielen Talenten aus dem Norden und ein umgebautes Stadion, das mit der neuen Tribüne mehr nach Profifußball ausschaut als vorher – 2024 soll der Umbau der ehrwürdigen Arena dann beendet sein. Gelder aus dem Profibetrieb sind auch diesmal wieder in die Modernisierung des Trainingszentrums geflossen. Bei der KSV Holstein wird seit Jahren langfristig geplant, und das bedeutet, dass manchmal in Steine investiert wird, nicht in Beine.

          Für Ole Werner war der nicht ganz unerwartete Weg zum Aufstiegsanwärter nicht ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Im laufenden Betrieb schloss er den Fußball-Lehrer-Lehrgang ab, musste sich mit den Folgen der Pandemie herumschlagen und hatte einen Trauerfall in der Familie zu beklagen. Zehn Tage pausierte Werner am Ende der abgelaufenen Saison, ehe er zum letzten Heimspiel gegen Nürnberg im Juni 2020 auf die Bank zurückkehrte.

          Werner setzt auf Defensive

          Während Holstein in den vergangenen drei Spielzeiten für kreativen Offensivfußball stand, legt Werner das Augenmerk auf die Defensive. Intensiv hat er sich mit den Abwehrkonzepten von José Mourinho bei Tottenham und Diego Simeone bei Atlético beschäftigt. Es ging ihm weniger um Gruppentaktik, sondern darum, was jeder Einzelne seiner Defensivspieler besser machen kann. Es scheint gewirkt zu haben – nur 14 Gegentore haben die Kieler um Abwehrchef Lukas Wahl hinnehmen müssen. Wahl gilt vielen als Profi mit der klügsten Spieleröffnung der zweiten Liga. Auch van den Bergh, Meffert, Mühling und Stürmer Janni Serra sind wie Wahl schon länger dabei. Der Bremer Rückkehrer Fin Bartels und der umworbene Südkoreaner Jae-Sung Lee verleihen Werners Team die nötige Spielfreude.

          Seit dem dritten Platz in der Saison 2017/18 hat Holstein immer wieder Trainer und Spieler ziehen lassen müssen, die dann wie Markus Anfang, Tim Walter oder Dominick Drexler, Marvin Ducksch und David Kinsombi zu größeren Klubs gingen. Dieser Trend scheint gestoppt. Kiel gilt als gute Adresse, was die Gehaltsaussichten betrifft und auch für den Fußball, der hier gespielt wird.

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