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Nur Mittelklasse vor DFB-Pokal : Die großen Probleme von Eintracht Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Erschöpft: die Eintracht um Martin Hinteregger Bild: dpa

Ob den Frankfurtern wieder eine Sensation gegen den FC Bayern gelingt, scheint äußerst fraglich. Denn im DFB-Pokal-Halbfinale müssen die Münchener diesmal keine Mentalitätsmonster vom Main fürchten.

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          Nichts ist unmöglich! Um daran zu glauben, muss die Frankfurter Eintracht gar nicht lange zurückdenken. Am 2. November 2019 nahm die Mannschaft des hessischen Traditionsklubs in der Bundesliga den Rekordmeister 5:1 auseinander. Und natürlich ist auch der DFB-Pokalsieg 2018 noch in bester Erinnerung, als die Eintracht im Endspiel 3:1 über den hohen Favoriten triumphierte.

          DFB-Pokal
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Im Juni 2020 hat aber das Team von Trainer Adi Hütter nicht mehr viel mit jenem zu tun, das die Bayern im Herbst demütigte. Personell gab es kaum Veränderungen, aber die Form, die Attitüde ist eine ganz andere geworden. Aus einer von sich selbst überzeugten Mannschaft, die in der Europa League gelernt hatte, dass ihr viel mehr möglich ist, als alle glauben, ist eine Leidensgemeinschaft geworden. Die permanente Überbelastung aus Liga, DFB-Pokal und Europa League entkräftete sie emotional wie physisch. Es trat ein, was Trainer Hütter Monate zuvor angekündigt hatte: „Fußball im normalen Rhythmus und in englischen Wochen sind zwei verschiedene Sportarten. Man kann im Training nichts mehr erarbeiten. Ist einmal der Wurm drin, kriegst du ihn nicht mehr heraus.“ Genauso kam es.

          Nach zwei schwarzen Serien, einer im Herbst, einer im Frühjahr, haben sieben Punkte in drei Spielen Ende Mai/Anfang Juni dem einstigen Europapokal-Kandidaten gerade noch rechtzeitig Entspannung beschert, bevor er endgültig in den Abstiegskampf verwickelt wurde. Aber auch während dieser kurzen Erfolgsserie und erst recht bei der Derby-Niederlage am vergangenen Samstag, dem 0:2 gegen Mainz 05, wurde deutlich, dass die Eintracht derzeit nicht mehr zu diesen außerordentlichen Leistungshöhepunkten fähig ist wie noch vor einem halben Jahr. Als in Verbindung mit der frenetischen Unterstützung des Frankfurter Publikums an besonderen Tagen plötzlich ein Dynamo angeworfen wurde, der das Team mit einer Extraportion Energie ausstattete.

          Die Bayern müssen an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, bei Sky und in der ARD) keine Mentalitätsmonster vom Main fürchten, die ihre Freude daran haben, einen Favoriten zu quälen. Der Rekordmeister darf eine Mittelklasse-Mannschaft erwarten, erleichtert, dass sie das Schlimmste in dieser Saison abgewendet hat, abwartend, wie sich das Bonusspiel so entwickeln wird. Hütter kündigte zwar an, dass seine Mannschaft „alles dafür tun werde, für eine Überraschung zu sorgen“. Aber wie groß kann der Wille sein, noch einmal über sich hinauszuwachsen, wenn Hütter zugibt: „Uns fehlt die Frische.“

          Dass der beste Eintrachtspieler, Linksaußen Filip Kostic, wegen einer Sperre fehlt, vergrößert weder die Zuversicht, noch die Chancen. Die Eintracht befindet sich derzeit in einer Konsolidierungsphase, nachdem sie zu einem ungeahnten Höhenflug angesetzt hatte, dessen Kulminationspunkte der Pokalsieg 2018 und das Erreichen des Europa-League-Halbfinales 2019 waren. Die Erfolge bescherten der Eintracht ein ungeheures Anwachsen ihres Ansehens – bei den Fans, der Stadt Frankfurt und Sponsoren. Die Deutsche Bank unterstützt von Juli an den Verein mit einer vielfältigen Partnerschaft. Möglich wurde die Aufwärtsentwicklung durch eine mutige Transferpolitik, die auf junge, entwicklungsfähige Profis setzte. „Wir wollen Werte schaffen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic bei seiner Ankunft. Das gelang, für weit über hundert Millionen Euro wurden Spieler wie Jovic, Haller, Mascarell und Wolf verkauft, die einen Bruchteil bei ihrer Verpflichtung gekostet hatten. Auch bei Leihgeschäften bewies die Eintracht ihren Riecher für Talente.

          Investiert wurden die Millionen in Steine (der Bau eines Proficamps wurde begonnen, die Stadionerweiterung ist beschlossen) und in bewährte Profis. Das Abrücken vom bewährten Transfer-Rezept erfolgte vor allem auf Wunsch des Trainers Hütter und ging nicht auf. Rode und Hinteregger stabilisierten zwar die Eintracht mehr als Kohr, Ilsanker und Dost, aber einen Mehrwert wird die Eintracht auch durch sie nicht mehr erzielen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die Eintracht in der nächsten Saison ihren sportlichen Weg fortsetzen wird, der von den Rahmenbedingungen her viel bessere Perspektiven bietet, als sich alle vor zwei Jahren vorstellen konnten. In Zukunft ist von der Eintracht noch viel zu erwarten, wenn sie die richtigen Schritte unternimmt. In der Gegenwart noch nicht.

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