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Deutscher Profifußball : Gefährliches Spiel der Finanzdoper

Problemfeld Profifußball: Die Stimmung bei vielen Vereinen und Überwachern hat sich deutlich eingetrübt Bild: © Michael Prince/Corbis

Im deutschen Profifußball wirtschaften viele Vereine am Rande des Abgrunds - vor allem in der dritten Liga. Der Bund der Steuerzahler kritisiert inzwischen Missmanagement und Staatsgeldsponsoring.

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          Überzeugt von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des eigenen Klubs ist selbst Frank Ruhl als Präsident nicht mehr. „Wir versuchen, die Saison durchzuhalten“, sagt der 57 Jahre alte Unternehmensberater. Im September hatte er sich bei den traditionsreichen, aber finanziell maroden Offenbacher Kickers wählen lassen und danach erst richtig realisiert, wie schlecht es um den deutschen Pokalsieger von 1970 steht.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Heute, in der dritten Liga, drücken den Klub Schulden in Höhe von sechs Millionen Euro. Der Umsatz der unprofitablen Fußballunternehmung ist auf unter fünf Millionen Euro gesunken, das Eigenkapital abgeschmolzen, ein Aufstieg in weiter Ferne. Düstere Aussichten. „Das wird eine schwierige Gratwanderung“, sagt Ruhl. Die Altlasten stammen von den Vorgängern.

          Zwar hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Offenbachern in der vergangenen Woche anlässlich der derzeit für alle Vereine laufenden Nachprüfung grünes Licht gegeben. Die Rede ist nur von „kleineren Nachbesserungen“ beim Businessplan. Die Verbandsfunktionäre halten den Ball im Moment aber in der Öffentlichkeit flach, befindet sich die dritte Liga doch finanziell am Abgrund. Jede weitere negative Meldung wäre fatal.

          Und so lobt der zuständige DFB-Direktor Ulf Schott lieber allgemein die sportlich „hochattraktive“ Spielklasse. Die wirtschaftliche Realität sieht anders aus: Vielerorts in der dritten Liga ist die Lage dramatisch. Auch die Offenbacher brauchen dringend frisches Geld, Ruhl warnt trotz des positiven DFB-Testats vor der Gefahr einer Insolvenz.

          Alemannia Aachen hat zwar ein modernes Stadion, ist aber zahlungsunfähig

          Beim zahlungsunfähigen Ligakonkurrenten Alemannia Aachen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Nach Emden, Koblenz, Ahlen und den Stuttgarter Kickers wird Aachen der fünfte Verein sein, der sich aus finanziellen Gründen aus der dritten Liga zurückziehen muss. Fragezeichen stehen auch hinter der Leistungskraft von Rostock, Babelsberg, Bielefeld und Osnabrück. Der Tabellenführer aus Niedersachsen hängt mit neun Millionen Euro Schulden im dunkelroten Bereich. Ein Desaster.

          Auch in der zweiten Liga steigt die Unsicherheit. Obwohl die Deutsche Fußball Liga (DFL) bestreitet, dass sich auch hier die Situation gerade zuspitzt. „Davon gehen wir nicht aus. Nur einige wenige Vereine werden bei der aktuellen Überprüfung ihrer Leistungsfähigkeit noch Nachweise zur Liquidität erbringen müssen“, sagt DFL-Direktor Jürgen Paepke. Zumindest aber stellen sich wohl bei mehreren Klubs existentielle Fragen - und eben nicht nur beim MSV Duisburg. Der kämpft gerade gegen die Pleite. Die Bosse der DFL sehen den Bundesliga-Unterbau wegen der überbordenden Verbindlichkeiten länger schon als „wirtschaftliche Baustelle“.

          „Steuerzahler soll nicht überschuldete Klubs subventionieren“

          Wie gerade in der dritten Liga liegen die Gründe auf der Hand: Missmanagement, Inkompetenz und krasse Fehleinschätzungen des Führungspersonals. Stadionprojekte wie in Aachen geraten durch unseriöse, meist viel zu optimistische Planungen außer Kontrolle. Sportlicher Misserfolg und damit verbundene Rückgänge auf der Einnahmeseite beschleunigen die Abwärtsdrift.

          Es ist schon absehbar, dass an manchem Standort die Kommunen, die selbst wirtschaftlich kaum mehr handlungsfähig sind, wieder als Retter mit Steuergeld einspringen sollen. Hier rollt eine Welle der Begehrlichkeiten heran. Davor warnt der Bund der Steuerzahler (BdSt). „Es ist nicht Aufgabe der Steuerzahler, überschuldete Fußballklubs zu subventionieren, um deren Schieflage zu beheben. Überteuerte Einkäufe von Fußballern, zu hohe Gagen, zu große und nicht ausgelastete Stadien oder ein schlechtes Vereinsmanagement sind oft die Gründe“, sagte BdSt-Präsident Reiner Holznagel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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