https://www.faz.net/-gtm-6uth7

Deutscher Fußball-Bund : Ein Jahr Pokal-Aus für Dresden?

  • -Aktualisiert am

Das Spiel in Dortmund musste mehrmals nach Einsatz von Pyrotechnik unterbrochen werden Bild: dpa

Nach den Zwischenfällen in Dortmund droht Dresden der Ausschluss vom DFB-Pokal. Derweil bekräftigen DFB und DFL ein Verbot von Pyrotechnik - womöglich erst der Anfang einer Reihe weiterer Sanktionen.

          Zu einem weiteren Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden kann es in der kommenden Saison nicht kommen - vorausgesetzt, das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entspricht in der nächsten Woche dem Antrag des DFB-Kontrollausschusses, den sächsischen Zweitligaklub nach den gewalttätigen Zwischenfällen rund um die Zweitrundenpartie zwischen beiden Klubs am 25. Oktober in der neuen Saison von diesem Wettbewerb auszuschließen.

          Am Mittwoch leitete die Anklageinstanz im Fußballbund ihre Forderung an das Sportgericht weiter, nachdem in der vergangenen Woche Dynamo-Ultras die Pokalbegegnung in Dortmund mit massiven Attacken auf die öffentliche Sicherheit an den Rand des Abbruchs gebracht hatten. Borussia Dortmund als Ausrichter des vom deutschen Meister 2:0 gewonnenen Spiels soll nach dem Willen des Kontrollausschusses 10.000 Euro Strafe dafür zahlen, dass Dresdner Fans reichlich Pyromaterial ins Stadion schmuggeln konnten.

          Dresdner Ruhe: Womöglich wird der Verein vom DFB-Pokal ausgeschlossen

          Gegen die mögliche Strafe werden die Dresdner alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. „Wir empfinden sie als extrem überzogen“, hob Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz bei einer Pressekonferenz des Klubs am Mittwochnachmittag hervor.

          Auch Vereinspräsident Andreas Ritter zeigte sich entsetzt. „Ich habe den Eindruck, dass man ein ungeliebtes Kind in die Verbannung schickt, dann zur Tagesordnung übergeht und denkt, dass dann das Problem gelöst ist.“ Ritter will DFB-Präsident Theo Zwanziger umgehend einen Brief schreiben und dann auch das persönliche Gespräch suchen.

          Zwanziger äußerte sich zur Causa Dynamo ebenfalls am Mittwoch, nachdem der DFB mit Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der Ligaverband in Person von Präsident Reinhard Rauball und die Deutsche Fußball Liga (DFL), vertreten durch Christian Seifert, den Vorsitzenden der Geschäftsführung, bei einem Gipfelgespräch über drei Stunden auch die jüngsten Vorkommnisse auf deutschen Fußballplätzen und am Rande der Spiele erörtert hatten.

          Dabei wies der DFB-Präsident darauf hin, dass sein Verband auch in Zukunft das Thema Strafen „differenziert“ betrachten werde. Der Verein sei aber nun einmal die erste „Bezugsgruppe“, wenn Teile der eigenen Anhängerschaft die Grenzen des Zulässigen überschritten hätten.

          „Task Force Sicherheit“ mit DFB und DFL

          Die Spitzen von DFB und DFL sehen sich in diesen Tagen gefordert, deutlich Position zu beziehen - auch mit dem Blick auf den Runden Tisch, zu dem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am 14. November geladen hat.

          Dort wollen DFB und DFL eine „Task Force Sicherheit“ mit allen am Thema beteiligten Parteien beschließen lassen, in der konkrete Schritte festgelegt werden sollen, wie die Masse der friedliebenden Fußballfans in Zukunft noch besser zu schützen sei. „Die Gewalt hat an Intensität zugenommen“, konstatierte Rauball am Mittwoch.

          Bilderstrecke

          Ein erstes unübersehbares Leuchtzeichen der Abgrenzung gegenüber Fußball-Zündlern ist am Mittwoch vom Frankfurter Sitz des DFB ausgegangen, wo sich die leitenden Herren des deutschen Fußballs trafen. Die Zeiten, da Fangruppierungen, vor allem die tonangebenden Ultras, glaubten, mit Verbandsvertretern über eine mögliche Zulassung von Pyrotechnik in den Arenen verhandeln zu können, sind vorbei.

          „Pyrotechnik“, stellte Zwanziger klipp und klar fest, „hat in den Stadien nichts zu suchen. Sie ist illegal. Wo es dennoch gemacht wird, muss eingeschritten werden.“ Doch der DFB muss sich vorwerfen lassen, dass der frühere Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn mit seiner Gesprächsbereitschaft bei diesem heißen Thema den Eindruck unter Ultras erweckt hatte, es gäbe da etwas zu verhandeln.

          Pyro-Verbot ist wohl erst der Anfang

          Ein vom DFB in Auftrag gegebenes Gutachten einer Bonner Anwaltskanzlei kam zu dem vorhersehbaren Ergebnis, dass die Verwendung von Pyrotechnik „auf Grundlage des geltenden Rechts ausgeschlossen“ sei. Eine Haltung, die auch der Internationale Fußball-Verband und die Europäische Fußballunion teilen.

          Das Pyro-Verbot dürfte erst der Anfang einer Reihe weiterer möglicher Sanktionen sein. Ultras und Vereine, siehe Dynamo Dresden, sind gewarnt. Dialog und Prävention stehen nach den Worten von Rauball zwar weiter auf der Agenda der Verbände, „dennoch muss klar sein, wo die Grenzen liegen, die nicht überschritten werden dürfen“.

          Weitere Themen

          Wie der Fußball Flüchtlingskinder auffängt Video-Seite öffnen

          Soziales Projekt in Berlin : Wie der Fußball Flüchtlingskinder auffängt

          Amir kommt aus Afghanistan und will Fußball-Profi werden. Sport ist sein Hobby und Fußball die größte Leidenschaft. Vor einem Jahr ist er mit seiner Familie nach Berlin geflohen – und blüht dank eines sozialen Projektes wieder richtig auf.

          Die Härteprobe kommt noch Video-Seite öffnen

          Fußball-WM der Frauen : Die Härteprobe kommt noch

          Mit drei Siegen in drei Spielen zieht das deutsche Fußball-Nationalteam der Frauen als Gruppensieger ins Achtelfinale der WM in Frankreich ein. Nach dem Spiel gegen Südafrika sieht F.A.Z.-Sportredakteur Daniel Meuren aber noch Bedarf, an offensiven Abläufen zu arbeiten.

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.