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Eintracht und Deutsche Bank : Bekenntnis zur Heimatstadt

  • -Aktualisiert am

Nähe zur Eintracht: Christian Sewing (rechts) in einer Talkrunde mit Eintracht-Vorstand Hellmann (links) am Rande des Spiels der Eintracht gegen den FC Basel. Bild: Eintracht Frankfurt

Der Abschluss des Sponsorenvertrags hatte überrascht. Nun äußert sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing über die Partnerschaft mit der Frankfurter Eintracht.

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          Die Corona-Krise hat vieles im deutschen Fußball ins Wanken gebracht, die neue Partnerschaft zwischen der Frankfurter Eintracht und der Deutschen Bank nicht. Vorstandsvorsitzender Christian Sewing beschrieb in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zum Engagement seines Bankhauses beim hessischen Fußballklub die Situation Anfang März, als Einigkeit über alle Punkte erzielt war und der Vertrag unterschriftsreif vorlag. „Es war keine einfache Entscheidung, als es mit Corona richtig losging. In dem Moment ist es normal, dass man noch einmal alles in Frage stellt. Aber alle im Vorstand haben gesagt, das müssen wir machen, weil es ein logischer Schritt ist. Wir freuen uns, dass es geklappt hat.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Als Eintracht-Vorstand Axel Hellmann am 1. April die Zusammenarbeit mit dem Geldinstitut bekanntgab, die mindestens sieben Jahre währen wird und das Namenspatronat des Stadionareals und einige weitere Punkte umfasst, war kein Vertreter des Partners zugegen. Die Corona-Pandemie band die Kräfte. „Die letzten Wochen und Monate waren die intensivsten meiner 30 Jahre bei der Deutschen Bank“, sagte Sewing in einem Gespräch mit der Medienabteilung des Klubs, an dem auch Hellmann teilnahm.

          Emotionale Verknüpfung zwischen Bank, Verein und Region

          Mit sechswöchiger Verspätung erläuterte Sewing die Beweggründe, die zum Vertragsabschluss führten. „Wir wollen als globale Bank auf dem Heimatmarkt erkennbar bleiben, uns in der Mitte der Gesellschaft positionieren. Wenn man dann die Chance hat, mit der Heimatstadt verknüpft zu werden, nicht nur über den Profisport, sondern gemeinsam mit der Eintracht eine Begegnungsstätte für die Bevölkerung entwickeln kann, dann ist es genau das, was wir wollen.“

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          Genau mit dieser Idee, der emotionalen Verknüpfung zwischen Bank, Verein und Stadt/Region, war Hellmann auf das Geldinstitut zugekommen. Nachdem der Stadionnutzungsvertrag mit der Stadt Frankfurt abgeschlossen war, der vom 1. Juli dieses Jahres an die Eintracht zum Herrn im Stadion und über einen Teil des umliegenden Areals macht, war Hellmann auf der Suche nach einem starken Partner gewesen. Einem, der nicht nur die Namensrechte an der Arena übernimmt, wie es seit 2005 die Commerzbank getan hatte, sondern seinen Beitrag darüber hinaus bei den Expansionsplänen der Eintracht leistet. Die Deutsche Bank hat Zusagen gegeben, den Breitensport bei der Eintracht und die Digitalisierung des Stadions zu unterstützen sowie das gesamte Gelände mit ihrem Namen zu versehen. Zum „Deutsche Bank Park“ gehört auch das gerade im Bau befindliche Proficamp der Eintracht.

          Bei dem Engagement handelt es sich weniger um ein klassisches Sponsoring, das sich an Reichweiten und Markeninhalten orientiert, als um den Beginn einer emotionalen Partnerschaft. In der Absicht eines Image- und Sympathietransfers, im besten Falle in einer Verschmelzung. Das wird an einem Punkt besonders deutlich. Die Deutsche Bank verzichtet in der Gestaltung des Stadions auf ihre Farben. Ihr Logo und das ganze Stadiongelände bekommen den Eintracht-Anstrich Schwarz-Weiß-Rot. Man kann von einem Bekenntnis der Deutschen Bank zur Eintracht und zu Frankfurt sprechen. „Es wird nicht alles am ersten Tag fertig sein, aber wir werden in den sieben Jahren viel entwickeln, wobei ich hoffe, dass es mehr als sieben Jahre der Zusammenarbeit werden“, so Sewing.

          Begegnungsstätte für Breitensport, Businessveranstaltungen und andere Events

          Hellmann gab ein paar Stichworte, in welche Richtung es gehen könnte: „Früher konzentrierte sich alles auf die Fußballspiele. Doch unsere Hardcorefans und unser VIP-Publikum haben uns gleichermaßen zu verstehen gegeben, dass es vor allem um ein Gemeinschaftsgefühl geht. Dass nicht erst am Stadioneingang, sondern schon beim Betreten des Geländes ein positiver Moment entsteht.“

          Das Areal, das bisher so gut wie nicht genutzt wurde, soll Begegnungsstätte für Breitensport, Businessveranstaltungen und andere Events werden. Sewing schwebt sogar ein Freizeitpark vor, frei zugänglich für alle. Hellmann träumt davon, dass das digitalisierte Stadion zu einem Magneten für neue Geschäftsmodelle und Unternehmen werden könnte. Der Vorstand sagt: „Wenn wir emotionale, leidenschaftliche Ereignisse wie Fußballspiele und Technologie zusammenführen, dann haben wir die Chance, in Europa etwas Einmaliges zu schaffen.“

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