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Eintracht Frankfurt : Rettung ohne Risiko

Befreiender Jubel: Marco Russist die Erleichterung anzusehen Bild: Wonge Bergmann

Stabilität statt Sturm: Trainer Vehs Systemwandel bringt der Eintracht auch beim 2:0-Sieg gegen Mainz die entscheidende Sicherheit im Kampf um den Verbleib in der Bundesliga.

          Die Rettung war dies noch nicht. Doch ein „Riesenschritt“. Heribert Bruchhagen war sichtlich erleichtert, als das 2:0 der Eintracht gegen Mainz 05 perfekt und der Abstand auf die bedrohlichen Tabellenplätze auf acht und neun Punkte angewachsen war. „Wir wussten, worum es ging“, sagte der Frankfurter Vorstandschef nach dem fünften Rückrundensieg vor heimischer Kulisse. Joselu mit dem Kopf (52. Spielminute) und Alexander Meier mit dem Fuß (85.) sorgten für kollektive Glücksgefühle vor 50 400 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Arena. 35 Punkte nach 29 Bundesliga-Spielen - es müsste schon mit dem Teufel zugehen, damit es für die Eintracht bis zum Saisonende noch einmal gefährlich wird.

          „Wir haben einen großen Abstand nach unten“, sagte Bruno Hübner - und strahlte über das ganze Gesicht. „Das müsste eigentlich reichen“, sagte der Sportdirektor der Eintracht. Auch Armin Veh war voll des Lobes nach einem Fußballspiel, das beim Vergleich zwischen Nachbarn einen verdienten Sieger hatte. „Das war ein unheimlich wichtiger Sieg für uns“, sagte der Frankfurter Chefcoach. „Weil die Konkurrenz gepunktet hatte, war es enorm wichtig, selbst etwas zu holen.“

          Verdienter Erfolg

          Am Erfolg der Eintracht gab es vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit keinen Zweifel. Im zweiten Spielabschnitt, in dem auch die siegbringenden Tore fielen, empfahl sich die Mannschaft des zum Saisonende scheidenden Trainers als „sehr konstant“. Es war Hübner, der eine Lanze für dieses Team brach, das er gemeinsam mit Veh Stück für Stück stärker und stabiler gemacht hatte. „Diese Mannschaft hat Qualität“, sagte der Manager. „Sie ist sehr gefestigt.“

          Erstaunlich und kaum noch der Rede wert, dass die Eintracht seit Wochen den Verlust ihres Kapitäns kompensieren muss. Pirmin Schwegler gilt schließlich als Herz und Seele des Frankfurter Spiels. Und nun musste sich im Nachbarschaftsduell gegen Mainz auch noch Meier die Partie von der Bank aus anschauen. Bis zur 62. Minute, dann kam der „Lange“ für den verletzten Johannes Flum in die Begegnung. Flum hatte sich bei einem Zweikampf die Schulter ausgekugelt. Ein Malheur, das von den Eintracht-Medizinern und Physiotherapeuten umgehend behoben wurde.

          Türöffner: In der Folge von Barnettas Freistoß an die Latte fällt das 1:0 für die Eintracht

          Meier draußen - für Veh stand das schon länger fest. „Ich wollte die Mannschaft nicht ändern“, sagte er später zur Begründung. „Niemand hatte es verdient, dass ich ihn rausgenommen hätte.“ Seine elf Auserwählten, die zuletzt unglücklich 1:2 in Wolfsburg verloren und davor Mönchengladbach 1:0 bezwungen hatten, stellten ihn auch gegen Mainz zufrieden. Ein Sonderlob gab es nach dem 2:0 beispielsweise für Alexander Madlung. „Der hat hundert Prozent aller Zweikämpfe gewonnen“, sagte Veh anerkennend über die Leistung seines Innenverteidigers. „Für uns ist das ein ganz wichtiger Einkauf gewesen.“

          Garant Joselu

          Was wohl passiert wäre, wenn die Klub-Verantwortlichen sich nicht dazu entschieden hätten, Joselu vom erstklassigen Ligarivalen Hoffenheim auszuleihen? Gegen Mainz erzielte der Spanier Saisontor Nummer sieben. Damit ist der Stürmer der erfolgreichste Eintracht-Schütze in dieser Saison. Noch besser als Meier, aber der musste verletzungsbedingt auch immer wieder passen. Doch Meier ist und bleibt ein Phänomen. Unnachahmlich, wie er mit der Innenseite das 2:0 erzielte. Statt sich gebührend dafür feiern zu lassen, schob er das Lob an Sebastian Jung weiter. „Das war einfach super von ihm vorbereitet.“

          War es früher noch der frische, forsche Fußball, mit dem die Eintracht die Liga aufmischte und sogar den Sprung bis in die Europa League schaffte, so hat Trainer Veh seine Mannschaft mittlerweile einem Systemwandel unterzogen. „Wir stehen jetzt gut und gehen kein Risiko ein“, sagte der 53 Jahre alte Coach über die Erfolgsstrategie der vergangenen Wochen, die auch gegen die Nullfünfer aufging. „Wir wissen ganz genau, dass wir nicht viel zulassen dürfen.“ Eine Kopfballaktion von Eric Maxim Choupo-Moting, die Madlung auf der Linie klärte (46.) - viel mehr gefährliche Szenen hatten die Mainzer nicht im Angebot. Die Eintracht hatte im Gegenteil Pech, dass sie nicht schon im ersten Spielabschnitt in Führung gegangen war. Doch ein Kopfball des abermals ungemein fleißigen Stefan Aigner nach Vorarbeit von Constant Djakpa landete am Pfosten (18.). Und nach der Pause war es Tranquillo Barnetta, der schon vor dem späteren Torschützen Joselu erfolgreich hätte sein können. Der Freistoß des Schweizers flog an die Latte.

          Joselu fand es „super, dass wir die drei Punkte geholt haben, denn nächste Woche geht es nach Schalke“. Sein Team sieht der Spanier gleichwohl auf strammem Kurs Richtung Klassenverbleib. „Wir haben jetzt neun Punkte aus vier Spielen geholt.“ Als der lauf- und kampfstarke Torschütze gefragt wurde, ob der Eintracht in den restlichen fünf Saisonspielen noch etwas passieren könne, schüttelte er den Kopf, lächelte und sagte: „Nee, nee, nee.“

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