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Hamburger Derby : Knallt es oder knallt es nicht?

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Beim HSV haben sie sich derzeit lieb – und zeigen das auch dem Stadtrivalen FC St. Pauli. Bild: dpa

Hamburgs Stadtmeisterschaft wird wieder ausgespielt. Die Rivalität zwischen HSV und FC St. Pauli scheint dabei nicht mehr ganz so groß zu sein – vor allem weil Konsens bei einem Thema herrscht.

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          Siege im Stadt-Derby sind gefährlich. Im Februar vor acht Jahren schoss Gerald Asamoah den FC St. Pauli ins Glück. Doch nach dem 1:0-Sieg der Braunweißen beim Hamburger SV holte der von Holger Stanislawski trainierte FC nur noch einen Punkt aus elf Spielen und stieg aus der Bundesliga ab.

          2. Bundesliga

          Als der HSV in diesem März wiederum 4:0 am Millerntor siegte und sich wie ein baldiger Aufsteiger fühlte, folgte eine Horror-Serie: nur das bedeutungslose letzte Spiel der verbleibenden neun Partien gewann der HSV und verpatzte die Rückkehr ins Oberhaus noch. Doch wenn St. Pauli und HSV wie an diesem Montagabend (20.30 Uhr bei Sky) aufeinandertreffen, geht es fast immer auch um die Begleitumstände. So stand das letzte Derby vor dem Abbruch, weil in beiden Fanlagern Pyrotechnik abgebrannt wurde. Erschütternd für den FC war, dass es Prügeleien zwischen St.-Pauli-Fans gab.

          In den Tagen vor diesem Spiel nun sei es „derbe ruhig“ gewesen, berichtete Sven Brux, St. Paulis Sicherheitschef. In Interviews haben die Vereinsbosse Oke Göttlich und Bernd Hoffmann für ein pflegliches Miteinander bei aller Rivalität geworben. Was kurz vor dem Spiel und danach passiert, weiß aber niemand, weil das Verhalten gewaltbereiter Fans schwer vorhersehbar ist. So gerieten Anhänger beider Vereine am Samstag auf der Reeperbahn aneinander. Die Polizei musste mit einem Großaufgebot reagieren. Ein solches wird auch Montag aktiviert werden; der Termin wurde deswegen festgelegt, weil an diesem Wochenende einige Großveranstaltungen in Hamburg stattfinden, die Polizeipräsenz erfordern. Die Zeichen zwischen den Klubs stehen zumindest auf Führungsebene seit einiger Zeit auf Frieden – von kleinen Frotzeleien abgesehen.

          HSV sammelt Sympathien – dank des Falls Jatta

          Das hat auch mit Bakery Jatta zu tun. Als die Affäre um die vermeintlich gefälschte Identität Jattas hochkochte und einige Klubs Spielwertungen anfochten, kam vom FC eine Solidaritätsbekundung mit dem Hinweis, den Ausgang des Derbys so oder so zu akzeptieren. St. Pauli wandte sich in Person von Oke Göttlich und Andreas Rettig ausdrücklich gegen die Skandalisierung des „Falls Jatta“. Nicht nur HSV-Sportchef Jonas Boldt und Trainer Dieter Hecking applaudierten – inzwischen hat sich auch Jatta in einem Tweet auf Englisch beim FC St. Pauli für seine Haltung bedankt: „Getrennt durch die Farben, vereint in der Sache“, war sein Statement in Sachen Anti-Rassismus.

          Das ist ein Kampf, den der FC St. Pauli auf vielen Ebenen schon länger führt. Das gesellschaftspolitische Engagement ist unter Präsident Göttlich noch einmal gestiegen. Der HSV wiederum, ein im Kern unpolitischer Klub, hat in den vergangenen Wochen seine Bewährungsprobe bestanden. Es war imponierend, wie Klubführung, die sportliche Leitung, die Mannschaft und die Fans dem Menschen Jatta beigestanden und ihm den Rücken gestärkt haben.

          So haben beide Vereine in der noch jungen Saison schon Gegenwind abbekommen – der FC, als Trainer Jos Luhukay die Verletztenmisere und Kaderschwäche anprangerte. Der HSV, als er Jatta gegen die Vorwürfe von außen schützen musste. Es könnte am Abend am Millerntor also einzig um Fußball gehen.

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