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Mats Hummels’ Wechselwunsch : Willkommen am Pokertisch

Und nun, Mats Hummels? Die Karten liegen auf dem Tisch – der Einsatz ist aber noch unklar. Bild: AP

Der Wechsel von Mats Hummels zu den Bayern ist nur noch eine Preisfrage. Egal, wie er gelingt: Einen Verlierer gäbe es im Fall des Handels auch auf Seiten der Bayern.

          Der Poker um Mats Hummels ist ein öffentlicher geworden. Aber noch kein offener. Der am Donnerstag geäußerte Wunsch des Dortmunder Kapitäns, nach München zu wechseln, wäre nach üblichen Gepflogenheiten der Fußballbranche eine vertrauliche Absprache zwischen Profi und Klub und nur damit die Vorstufe zu vertraulichen Verhandlungen zwischen Klubs. Doch weil die Borussia als einziger Bundesligaverein börsennotiert ist, musste sie die Willensbekundung als für den Börsenwert relevante Information zügig publik machen. Sie tat das mit dem deutlichen Zusatz, dass der Wechsel nur zustande käme, sollten die Bayern ein „äußerst werthaltiges Angebot unterbreiten“.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          So findet nun wohl eine unüblich öffentliche Preisverhandlung statt, allerdings mit den dabei seit Jahrtausenden in aller Welt üblichen Taktiken. Dazu zählt das beiderseitig geheuchelte Desinteresse an dem Handel. Die Dortmunder unterstreichen es mit Andeutungen, dass man nicht verkaufen müsse. Schließlich hat Hummels noch einen Vertrag bis 2017, und im Fall von Robert Lewandowski hat man das schon mal durchgezogen und den Stürmer erst nach Vertragsende, also ohne Ablöse, gehen lassen. Die Bayern wiederum rührten sich öffentlich bisher so gut wie gar nicht, als Darstellung ihrer vorteilhaften Position, dass bisher ja nicht sie es sind, die etwas wollen, sondern Hummels und damit Dortmund.

          Der ehemalige Präsident Uli Hoeneß war der erste, der am Freitag sagte: „Ich meine, wenn einer an die Tür klopft, dann wird der FC Bayern schlecht beraten sein, die Tür nicht aufzumachen.“ Am Ende dürfte es auf einen Preis hinauslaufen, wie er in Deutschland bisher nicht für einen nur noch ein Jahr unter Vertrag stehenden Profi bezahlt worden ist – wohl in Richtung der 37 Millionen Euro, die der FC Bayern 2013 für Mario Götze bezahlte, als man jedoch mit Dortmund nicht verhandeln musste, weil der Preis in einer Ausstiegsklausel fixiert war. Die Sympathie der Bayern für ein Gegengeschäft, eine Verrechnung der Preise für die Rückkehr von Hummels nach München (wo er aufwuchs und bis 2008 spielte) und die von Götze nach Dortmund, wird von den Borussen öffentlich vorerst nicht geteilt.

          Wenn Hummels zu Bayern wechselt, ist er der wohl größte Verlierer: Holger Badstuber

          Mit Hummels, Jerome Boateng und Torwart Manuel Neuer hätte der FC Bayern wie in seiner bisher größten Zeit mit Beckenbauer/Schwarzenbeck/Maier das Abwehrbollwerk des aktuellen Weltmeisters. Andererseits ist die Abhängigkeit von Spezialisten im Abwehrzentrum zuletzt geschrumpft. Der Meister, bei dem Boateng nach dreimonatiger Verletzungspause vor der Rückkehr ins Team steht, hat auch ohne diese beiden, ja meist ohne echte Innenverteidiger, dafür mit ständig wechselnden Besetzungen im Abwehrzentrum, 2016 nur sechs Gegentore kassiert – und strebt einem neuen Rückrunden-Rekord entgegen (bisher zehn).

          Zu erwarten ist allerdings, dass der kommende Trainer Carlo Ancelotti, taktisch konservativer als Pep Guardiola und vor allem Italiener, in der Defensive keine ständigen Partnerwechsel, sondern eine feste Beziehung anstrebt. Deshalb ließe die Heimkehr von Hummels, sofern zwischen Liga-Krösus und Börsen-Klub Einigung über den Preis erzielt wird, vor allem die Aktien von Holger Badstuber sinken. Gegen die Kombination Boateng/Hummels hätte es Badstuber, der derzeit nach einem Knöchelbruch auf eine abermalige Rehabilitierung hinarbeitet, so schwer wie noch nie, seinen Platz bei den Bayern wiederzufinden. Und damit auch, trotz aller Treue des Bundestrainers: seinen Platz im Nationalteam.

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