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0:1 gegen Leverkusen : Der VfB spuckt keine großen Töne mehr

  • -Aktualisiert am

Und wieder eine Chance verspielt: Alexander Esswein und der VfB steuern weiter auf die Relegation zu, Bild: dpa

Weiter keine Besserung in Sicht: Der VfB Stuttgart schafft auch gegen Leverkusen keine Wende. Stattdessen gerät gar der Relegationsplatz in Gefahr. Und Ascacibar sorgt mit einer Spuckattacke für einen peinlichen Tiefpunkt.

          Nach drei Bundesliga-Niederlagen gegen Werder Bremen (1:3), die TSG 1899 Hoffenheim (1:4) und RB Leipzig (2:4) nach jeweils sehenswerten Spielen hat Bayer Leverkusen am  Samstag in Stuttgart schmucklos, aber verdientermaßen gewonnen. Kai Havertz schoss den Treffer zum 1:0-Sieg per Foulelfmeter (64. Minute) gegen den jederzeit bemühten, aber reichlich mittellosen VfB, der in der Tabelle weiter  auf dem Relegationsrang 16 verharrt. Bayer dagegen rückte auf Rang sieben vor und nahm wieder Tuchfühlung zu den „internationalen Plätzen“ auf.

          Den meisten Gesprächsstoff lieferte freilich eine Aktion am Ende des Spiels abseits der Strafräume: Der Stuttgarter Ascacibar hatte Gegenspieler Kai Havertz bespuckt. Schiedsrichter Tobias Stieler verwies ihn dafür des Feldes. 

          Leverkusens Stürmer Kevin Volland regte die Spuck-Aktion von Stuttgarts Santiago Ascacibar mächtig auf. „Solche Leute braucht man nicht in der Bundesliga“, schimpfte der Angreifer und fuhr fort: „Das ist unterste Schublade.“ VfB-Trainer Markus Weinzierl hatte die entscheidende Szene in der Nachspielzeit rund eine Stunde nach dem Spielende noch nicht gesehen, war nach der nächsten Niederlage im Abstiegskampf aber ebenfalls verärgert: „Er hat der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen“, kritisierte der Coach: „So etwas darf nicht passieren. Du musst deine Emotionen im Griff haben.“

          Aber auch nicht alle Leverkusener verhielten sich zivilisiert: Vor dem Spiel ist es am Samstag am Cannstatter Marktplatz zu Ausschreitungen von gegnerischen Fangruppen kommen. Dabei wurden 67 Personen vorläufig festgenommen, wie die Polizei am Abend bestätigte. Bei den Festgenommenen handelt es sich laut Polizei "ausschließlich um Anhänger der Vereine Bayer Leverkusen und Karlsruher SC." Mögliche beteiligte Fans des VfB "konnten nicht mehr festgestellt werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Sieben Beteiligte wurden leicht verletzt, der VfB Stuttgart sprach gegen alle Personen ein bundesweit gültiges Stadionverbot für ein Jahr aus. Rund 100 Problemfans waren an den Krawallen beteiligt. Die Polizei hatte rund 60 Einsatzkräften vor Ort und die Lage nach kurzer Zeit unter Kontrolle.

          Ein Spiel zur Selbstvergewisserung

          Die Schwaben waren nach dreizehn Spielen mit nur einem Sieg weiter auf der Suche nach sich selbst; die Rheinländer wollten nach zuletzt drei deutlichen Niederlagen die Fehler im eigenen risikobehafteten 4-3-3-System endlich beheben, um einen Schlussspurt mit lauter Siegen hinlegen zu können.

          Bundesliga
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          Vor allem der VfB musste endlich mal die  Kurve kriegen, da er seit Wochen in akuter Abstiegsnot ist. Und das, obwohl in  dieser Woche eine womöglich bessere  Zukunft mit der Verpflichtung des renommierten früheren Dortmunder Chefscouts Sven Mislintat für die Position des Sportdirektors eingeläutet worden ist. Ob der Westfale sein Aufbauwerk in der zweiten oder der ersten Bundesliga in Angriff nehmen kann, bleibt vorerst die Frage. Es wird so oder so mühselig, nachdem Mislintats Vorgänger Michael  Reschke die Stuttgarter mit einer Reihe von personellen Fehlentscheidungen auf eine abschüssige Strecke geführt hat.

          Leverkusen hält sich an Plan

          Peter Bosz, der Leverkusener Trainer, hatte bei seiner Mannschaftsaufstellung demonstrativ auf jede Veränderung im Vergleich zum vergangenen Samstag verzichtet, als aus einem 2:1-Vorsprung der Werkself gegen RB Leipzig noch ein 2:4 wurde. Kevin Volland, der Kapitän des Teams für den noch nicht von seiner Oberschenkelverletzung genesenen Lars Bender, appellierte vor dem Duell im Stuttgarter WM-Stadion an seine Kollegen, „dass wir uns alle über neunzig Minuten an den Plan halten müssen, denn wenn das zwei, drei Spieler nicht machen, fällst du einfach auseinander“.

          Beim VfB fragte sich Trainer Markus Weinzierl wieder einmal: „Wo kriegen wir mehr Torgefahr her?“ Eine Torchance immerhin besaß der Drittletzte vor der Pause, doch Essweins halbhoher Schuss wurde zur leichten Beute für Torhüter Hradecky (27.). Auf der anderen Seite verfehlte Havertz das Ziel nur knapp (39.). Volland scheiterte Sekunden vor dem Halbzeitpfiff mit einem Volleyversuch an Torwart Zieler.

          VfB an der spielerischen Armutsgrenze

          Der Rest war eine eher unterkühlte Auseinandersetzung zweier Mannschaften, die aus schlechter Erfahrung das Risiko scheuten und fürs Erste lieber auf Nummer sicher gingen. Der VfB suchte zumindest geradliniger den Weg zum gegnerischen  Tor, wurde aber so gut wie immer schon vor der Gefahrenzone aufgehalten. Bayer versteckte sein Offensivpotenzial fast gänzlich, um sich erst einmal keine Blöße zu geben. Mit anderen Worten: Das Spiel konnte in der zweiten Hälfte nur besser werden. Wurde es auch, aber nur ein wenig. Das reichte den an diesem Samstag genügsamen Leverkusenern jedoch, um am Ende zu gewinnen.

          Rote Karte: Stuttgarts Santiago Ascacibar (links, mit Schiedsrichter Tobias Stieler und Spuckattackenopfer Kai Havertz) verdient sich die Hinausstellung redlich.

          Den VfB, dessen Aktionen mittlerweile an der spielerischen Armutsgrenze angekommen waren, hatte das bisschen Mut aus der ersten Hälfte verlassen, so dass sich Bayer gemütlich und meist ungestört vorankombinieren konnte. Als doch einmal ein Stuttgarter heftig dazwischenfuhr, hatte sich der irreguläre Einsatz nicht gelohnt. Castros Rempler im Sechzehnmeterraum an Volland ahndete Schiedsrichter Stieler konsequent. Den folgerichtigen Strafstoß nutzte Havertz zum 1:0, nachdem er Zieler bei seinem Flachschuss ins rechte Eck cool verladen hatte. Der VfB machte danach nur noch einmal von sich reden, als Ascacibar die Rote Karte vorgehalten wurde (90.+1). Die Spuckattacke war der Tiefpunkt eines armseligen Auftritts des VfB.

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